Landwirtschaft und Weinbau zum Anfassen

Öffentlichkeitsarbeit ist gerade in der heutigen Zeit, in der aus vielerlei Gründen für viele Menschen in der Stadt, aber zunehmend auch auf dem Land, der direkte Kontakt mit der Landwirtschaft und dem Weinbau verloren gegangen ist, eine ganz wichtige Aufgabe. Ein realistisches Bild von einer modernen Landwirtschaft kann nur in Praxisbetrieben durch eigene Anschauung vermittelt werden. Nur so können vielfältige Vorurteile, mit denen die Landwirtschaft aktuell konfrontiert ist, beseitigt und problematische Themen offen und fachgerecht diskutiert werden.

Öffentlichkeitsarbeit muss immer zielgruppenorientiert geplant und geleistet werden, will man gute Ergebnisse für beide Seiten erreichen. Als besonders erfolgversprechend und auch dringend notwendig ist die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen anzusehen. Unter diesem Gesichtspunkt wird in der Region Trier bereits seit dem Jahr 2001 das Projekt „Landwirtschaft und Weinbau zum Anfassen“ durchgeführt. Entwickelt wurde dieses Projekt im Rahmen des Arbeitskreises „Landwirtschaft und ländliche Entwicklung“ der Initiative Region Trier (IRT). Partnerorganisationen sind die Dienstleistungszentren Ländlicher Raum (DLR) Eifel und Mosel, die Kreisbauern- und Winzerverbände der Region Trier sowie die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz / Dienststelle Trier. Zwischen diesen Akteuren wurde vereinbart, ein Angebot für Schülerinnen und Schüler allgemeinbildender Schulen der Region Trier zu erstellen, um ihnen über Betriebsbesuche die Landwirtschaft, die landwirtschaftlichen Tätigkeiten und das weitere Umfeld zu vermitteln.

Ca. 100 Betriebe aus Landwirtschaft und Weinbau bieten die Möglichkeit an, im Rahmen dieses Projektes Schulbesuche durchzuführen. Hier können die Schüler Anbau, Verarbeitung und Vermarktung von z. B. Obst, Trauben, Getreide und Kartoffeln aus erster Hand kennen lernen, Fütterung und Haltung von Tieren aller Art erleben, Herstellung und Vermarktungsmöglichkeiten von Milch, Brot, Käse und Fleischwaren und auch die landwirtschaftlichen Betriebszweige der Energieerzeugung und Urlaub auf dem Bauern- / Winzerhof sowie Bauernhofcafés kennen lernen. Insbesondere bei älteren Schülern sind aber auch Diskussionen über agrarpolitische Themenbereiche an der Tagesordnung. Bei jüngeren Schülern ist immer wieder bemerkenswert, welche Begeisterung der Kontakt mit Tieren hervorruft.

Vor dem Hintergrund, dass auf der einen Seite finanzielle Grenzen für Schulen bestehen, um Schüler zu den Betrieben zu transportieren, auf der anderen Seite aber auch bei den Betrieben eine zusätzliche Arbeitsbelastung entsteht, haben die Projektpartner vereinbart, für Schulen und Betriebe finanzielle Hilfen zu gewähren. Das finanzielle Engagement der Kreisbauern- und Winzerverbände sowie der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz sichert die wirtschaftliche Grundlage des gemeinsamen Projektes. Hinzu kommt die Unterstützung durch die IRT und seit drei Jahren durch den VLF Eifel als weitere regionale Sponsoren. An dieser Stelle soll diesen Organisationen für die langjährige Unterstützung des Projektes herzlich gedankt sein.

Neben der finanziellen Unterstützung werden die Betriebsbesuche aber auch inhaltlich unterstützt. Dies fängt bei der Vermittlung von Betrieben und entsprechender Beratung der interessierten Schulen an und endet mit der Bereitstellung von Materialien, um Besuche gezielt vor- und nachbereiten zu können. Bei diesen Tätigkeiten ist insbesondere das DLR Eifel hervorzuheben. Geschäftsführung und Beratung werden unentgeltlich von Mitarbeitern des DLR für dieses Projekt geleistet. Ohne diese Mitarbeit wäre eine so langjährige und erfolgreiche Durchführung des Projektes nicht denkbar.

In den vergangenen Jahren hat sich die Teilnahme an diesem Projekt sehr gut entwickelt, so dass jährlich ca. 50 – 60 Betriebsbesuche über dieses Projekt gefördert werden können. Dies zeigt, dass das Vorhaben nichts von seiner ursprünglichen Aktualität eingebüßt hat.

Die stetige Zunahme der Betriebsbesuche hatte zur Folge, dass der finanzielle Rahmen in manchen Jahren erreicht worden ist. In Anbetracht dieser an sich sehr erfreulichen Entwicklung haben die Projektpartner in ihrer letzten Sitzung über die weitere finanzielle Ausgestaltung des Projektes insgesamt und die Vorgehensweise bei der Vergabe der Förderbeträge diskutiert. Bei der Gewährung finanzieller Beihilfen, auf die kein Rechtsanspruch besteht, sollen demnach insbesondere folgende Grundsätze berücksichtigt werden:

  • Unterstützt werden Betriebsbesuche von allgemeinbildenden Schulen und Vorschulklassen der Kindergärten aus der Region Trier.
  • Betriebe werden unterstützt, sofern sie in der Liste der teilnehmenden Betriebe aufgeführt sind.
  • Wenn weitere Betriebe Interesse an dieser Arbeit haben, erfolgt eine finanzielle Hilfe nur dann, wenn der Betriebsbesuch im Vorfeld des vorgesehenen Termines abgesprochen und diesen Besuchen zugestimmt wurde.
  • Je Tag kann nur eine einmalige Unterstützung gewährt werden.
  • Es soll kein Schülertourismus gefördert werden. Schulen wird deshalb angeraten, Betriebe in möglichst räumlicher Nähe aufzusuchen.
  • Ausnahmen von diesen Grundsätzen können im Einzelfall erfolgen. Sie sind jedoch abhängig von einer vorherigen Zustimmung der Projektverantwortlichen.

Das Projekt „Landwirtschaft und Weinbau zum Anfassen“ ist als ein Baustein unter den vielen Angeboten im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit zu verstehen. Ziel ist eine unbürokratische Durchführung, ohne eine Konkurrenz zu anderen Projekten aufzubauen. Dies wird nach übereinstimmender Meinung der Projektpartner auch in hervorragender Art und Weise umgesetzt, so dass davon auszugehen ist, dass dieses Projekt auch in weiterer Zukunft fortgesetzt wird.

Mehr Informationsmaterial zum Projekt sowie die Broschüre stehen im Internet zum Download zur Verfügung. Diese Unterlagen können unter www.dlr-eifel.rlp.de (>Fachinformationen>Schule>Landwirtschaft macht Schule) abgerufen werden.

Weitergehende Fragen zu dem Projekt „Landwirtschaft und Weinbau zum Anfassen“ beantworten gerne Frau Jutta Heyen, DLR Eifel, Tel. 06561 – 9480-444,  sowie Frau Gertrud Werner, Landwirtschaftskammer Trier, Tel. 0651 – 94907-348.

Autor Dr. Walter Schmalen, Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, Trier.

 

 

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