Berichterstattung über das Pflanzenschutzmittel Glyphosat

In einem Brief an den ZDF-Intendanten Dr. Thomas Bellut kritisiert der Präsident der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, Ökonomierat Norbert Schindler, die Berichterstattung in der Nachrichtensendung "heute" über das Pflanzenschutzmittel Glyphosat.

Sehr geehrter Herr Dr. Bellut,

im Dezember 2018 hatte ich mich bei Ihnen über die Ausstrahlung der Sendung "Die Anstalt" vom 18. Dezember 2018, hier zum Beitrag "Die Deutsche Fleischlobby",  wegen beleidigender und verunglimpfender Inhalte beklagt. Sie haben mein Schreiben mit Brief vom 17.01.2019 beantwortet und den Beitrag verteidigt. Nach wie vor bin ich der Auffassung, dass mit diesem Beitrag Grenzen des Anstands und der Satire überschritten worden sind.

Heute möchte ich mich über die Berichterstattung zum Einsatz des Pflanzenschutzmittels Glyphosat in Nachrichtensendungen des ZDF beklagen.

An herausragender Stelle, meistens zu Beginn der Nachrichtensendung "heute", wurde in aufreißerischer Form über Verurteilungen von Bayer/Monsanto zu hohen Schadenersatzzahlungen durch Gerichte in den USA berichtet. Bei den Gerichten handelt es sich um Untergerichte, die erstinstanzlich über Ansprüche von Personen geurteilt haben, die angeblich durch den Einsatz des Pflanzenschutzmittels Glyphosat zu Schaden gekommen sind. Man kann schon darüber streiten, ob diese Urteile es wert sind, als Nachricht im deutschen Fernsehen gebracht zu werden. Jedenfalls muss sich eine Anstalt des öffentlichen Rechts, die aus einem besonderen Beitragsaufkommen des Rundfunkbeitrages finanziert wird, zurückhaltend äußern und "keine Stimmung" durch die Art und Weise der Berichterstattung erzeugen.

Ärgerlich wird die ganze Angelegenheit dadurch, dass es dem ZDF - soweit mir bekannt ist - keine Nachricht wert war, darüber zu berichten, dass sich die US-Umweltbehörde (EPA) ebenfalls mit dem Thema Glyphosat beschäftigt und erneut die Unbedenklichkeit bestätigt hat, soweit das Pflanzenschutzmittel sachgemäß angewandt wird. Die Behörde hat am 30.04.2019 ihre Einschätzung bekräftigt, dass der Herbizid-Wirkstoff nicht krebserregend ist und widersprach damit den Einschätzungen der Geschworenen in den laufenden zwei Gerichtsverfahren gegen Bayer/Monsanto. Darüber wurde in der Zeitschrift "Agra- Europe" am 06.05.2019 berichtet. 

Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), eine wissenschaftlich unabhängige Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, hat nochmals mit Mitteilung Nr. 6/2019 vom 20. März 2019 klargestellt, dass es Glyphosat nach derzeitigem Wissensstand als nicht krebserregend bewertet. In der Mitteilung Nr. 16/2019 vom 06. Mai 2019 beschäftigt sich das BfR mit der Bewertung der EPA. Es führt dort aus, dass der Pflanzenschutzwirkstoff Glyphosat bei bestimmungsgemäßen Gebrauch kein Risiko für die Gesundheit und nicht krebserregend ist.

Auf all diese wissenschaftlichen Erkenntnisse und Veröffentlichungen hat das ZDF in seinen Nachrichtensendungen nach meinem Kenntnisstand nicht aufmerksam gemacht. Ist das eine neutrale und unabhängige Berichterstattung über das Thema? 

Nicht nur in diesem Punkt vermisse ich die klassische neutrale Berichterstattung, wie sie dem Auftrag des ZDF als öffentlich-rechtliche Anstalt entsprechen würde. Vielmehr wird sogar schon in den Nachrichtensendungen wertend und tendenziös und nicht neutral und informativ berichtet.

Es fehlt die Ausgewogenheit und bei manchen Berichten die notwendige Distanz. Jedenfalls hätte das ZDF - wenn es schon über nicht rechtskräftige Entscheidungen zu Untergerichten berichtet - auf die genannten wissenschaftlichen Erkenntnisse und Veröffentlichungen hinweisen müssen.

Mit freundlichen Grüßen

Ökonomierat Norbert Schindler

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