| Fachtagung des Lernort Bauernhof (LoB)

Was Schüler vom Lernort Bauernhof erwarten

„Wie begegnen wir den Erwartungen der Schülerinnen und Schüler am Lernort Bauernhof?“, lautete eine der zentralen Fragen, die im Rahmen der Fachtagung für LoB-Betriebsleitende und LoB-Verantwortliche in Rheinland-Pfalz (RLP) behandelt wurden.
Die Fachtagung des Lernort Bauernhof fand diesmal in den Räumen des BWV in Koblenz statt.

64 Teilnehmende konnte Gudrun Breuer, Vorstandsmitglied der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, zur jährlichen Fachtagung des Lernort Bauernhofs (LoB) in Rheinland-Pfalz in den Räumlichkeiten des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau e.V. in Koblenz begrüßen. Vertreten waren 44 LoB-Betriebe, das LoB-Steuerungsgremium und Gäste. Breuer bedankte sich bei allen Aktiven in diesem erfolgreichen und wichtigen Auftrag Lernort Bauernhof, in dem alle Beteiligten profitieren. In erster Linie sind es die Schulklassen, die zu den Höfen kommen, es ist aber auch die Landwirtschaft im Allgemeinen. Die Landwirtschaft erhält eine Wertschätzung ihrer Arbeit und nimmt ihre Funktion als anerkannter außerschulischer Lernort mit großem Engagement wahr. Daher freut sich der Berufsstand sehr, dass diese Bildungsarbeit durch das Vorhaben „Lernort Bauernhof“ im Rahmen des nationalen GAP-Strategieplans erneut vom Land Rheinland-Pfalz unterstützt wird.

Aktuelles vom LoB-Vorhaben
Maria Caesar, Koordinatorin des Vorhabens bei der Landwirtschaftskammer, berichtete über den aktuellen Stand des Lernort Bauernhof im Land. Derzeit sind 67 LoB-Betriebe als außerschulische Lernorte aktiv. Die Zahlen aus dem Jahr 2025 überzeugen erneut: Es kamen sieben Betriebe neu dazu, 633 Schulklassen besuchten im Laufe des Jahres die Höfe. Dies war ein neuer Jahresrekord nach 580 Besuchen im Jahr 2024 und zeigt, dass die Nachfrage der Schulen stetig steigt.

Die Erwartungen und Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler im Fokus
Das diesjährige Thema der Fachtagung richtete den Blick auf die Schülerinnen und Schüler, auf deren Bedürfnisse in der heutigen Zeit und die Erwartungen an einen Besuch auf einem landwirtschaftlichen Betrieb. Dr. Claire Grauer von der Leuphana Universität in Lüneburg stellte in ihrem Impulsvortrag den Spannungsbogen zwischen der Lebenswelt der heutigen Schülergeneration und dem Arbeitsalltag in der Landwirtschaft dar. Sie legte Ergebnisse aus dem Greenpeace Jugendstudie Nachhaltigkeitsbarometer 2025 vor, nach der die Schülerinnen und Schüler vielfältige Krisen wahrnehmen (Kriege, Umwelt- und Klimakrise, steigende Lebenshaltungskosten), sich mentalen Belastungen ausgesetzt sehen und sich von der Politik im Stich gelassen fühlen. Umwelt und Nachhaltigkeit werden bei den bedeutendsten Themen genannt. Jugendliche bestätigen, dass Bildung für Nachhaltigkeit (BNE) immer mehr an Schulen behandelt wird, beklagen jedoch zu wenig praktische Verankerung. Die Schülerinnen und Schüler erwarten vom außerschulischen Lernen, dass die Lernangebote an ihren Erfahrungen anknüpfen und eine unmittelbare Erfahrung durch das Lernen außerhalb des bekannten Kontextes stattfindet.

Ein Lernort Bauernhof kann diese Bedürfnisse und Erwartungen erfüllen. Elementar sind die Naturerfahrungen, das authentische Lernumfeld und Primärerfahrungen – viele Kinder haben noch nie ein Tier angefasst. Am LoB können die Kinder Autonomie erfahren, wenn sie selbst etwas tun, sozial eingebunden werden und eine Arbeit in der Gruppe verrichten. Dr. Grauer bezeichnete den LoB als „Brücke zum Leben“. Der LoB greift nicht vorhandenes Wissen auf durch Ansprache von Emotionen, Bedürfnissen und Resonanz. Zentral beim Lernen sind dabei die Emotionen, denn so bleibt das Erfahrene besser hängen. Die Ansprache der Bedürfnisse kann sehr gut mit der Frage verknüpft werden, wo unser Essen herkommt. Die Bedürfnisse der Menschen sind in vielen Bereichen universell, unterschiedlich ist die Art der Befriedigung: „Was esse ich, wenn der Hunger kommt, wo kaufen wir ein, wie gehen wir mit Essen um?“ Am LoB kann gelernt werden, dass sich Menschen viel Mühe bei der Lebensmittelerzeugung machen und er kann bewirken, dass die Schülerinnen und Schüler wertschätzender mit Lebensmitteln umgehen, weil sie die Menschen dahinter kennen gelernt haben. Ansprache der Resonanz bedeutet, dass die Emotionen im Klassenraum und im Alltag weiterwirken. Dies ist insbesondere für Lehrkräfte wertvoll und eine Chance im Unterricht. Wenn es gelungen ist, Zusammenhänge verständlich zu machen, erinnern sich die jungen Menschen noch im Erwachsenenalter an den Besuch auf dem Bauernhof und an das, was sie dort erlebt und verstanden haben.

Bei der Workshoparbeit blüht der Austausch
Nach diesen Impulsen startete die Workshoparbeit. In vier Gruppen ging es um die zentrale Frage an die LoB-Verantwortlichen auf den Höfen: „Wie gehen Sie mit den Erwartungen der Schülerinnen und Schüler um und bringen diese mit Ihren persönlichen und betrieblichen Erwartungen an Ihrem Lernort in Einklang?“ Mit Detailfragen sollte erarbeitet werden, wer außer den Schülerinnen und Schülern noch Erwartungen oder Bedürfnisse mitbringt am Lernort Bauernhof und welche das im Einzelnen sein können. Sich bewusst zu machen, wie viele Menschen, Tiere, Pflanzen und letztlich auch Institutionen beteiligt sind und nicht enttäuscht oder vernachlässigt werden sollen, war eine interessante Erkenntnis. In der nächsten Frage ging es darum, wie die für den Schulbesuch verantwortlichen Personen an den Betrieben das alles „unter einen Hut bekommen“. Hier zeigte sich, wie wichtig gute Planung vorab, gute Absprachen mit den Lehrkräften aber auch – ganz wichtig – mit den Familienangehörigen und Mitarbeitenden der Betriebe sind. Bei der Frage „Bleiben Bedürfnisse auf der Strecke, und wenn ja welche?“ zeigte sich, dass nicht alles planbar ist. Es gibt diverse Störfaktoren, wie beispielsweise die sehr unterschiedlichen Erwartungen der Schülerinnen und Schüler oder das Wetter. Auch hier ist wieder Kommunikation gefragt, um Verständnis muss gerungen werden. Bei der letzten Frage „Wie gehen Sie mit Zielkonflikten bei unterschiedlichen Erwartungen um?“ war eines der Zauberworte die Gelassenheit, neben der Kommunikation. Weitere Tipps lauteten, „die eigene „Dünnhäutigkeit im Griff behalten“ oder „die Diskrepanz zwischen Erwartungen und Realität zu erklären“. Entscheidend ist es, bei kritischen Fragen authentisch zu bleiben, nichts zu beschönigen am eigenen Handeln auf dem Betrieb und „eine kontroverse Meinung auch mal stehen zu lassen“.
Die Workshops wurden moderiert von den vier erfahrenen LoB-Verantwortlichen Annemarie Blickensdörfer, Sarah Müller, Dr. Theresa Scheu und Magdalena Zelder.

Der LoB an der Uni Koblenz
Prof. Dr. Michaela Schlich, Universität Koblenz, berichtete mit den Lehramtsstudierenden im Masterstudium der Ernährungs- und Verbraucherbildung Leonhard Klein und Annabelle Kastner von ihren Erfahrungen mit dem Lernort Bauernhof. Seit dem Sommersemester 2023 gibt es an der Uni Koblenz ein Modul im Masterstudium, in dem die Studierenden Expertenvorträge aus verschiedenen landwirtschaftlichen Produktionsbereichen hören, Exkursionen zu landwirtschaftlichen Betrieben unternehmen und auch ihre Masterarbeit in dem Bereich schreiben können. Alle Studierenden im Modul arbeiten individuelle Unterrichtskonzepte zu den relevanten Themen des LoBs aus, die mit der Produktion von Lebensmitteln im Kontext der Landwirtschaft stehen, und integrieren den Besuch eines LoBs in die Konzeption.

Feedback ist eine „Win-Win-Sache“
Im letzten Teil der Veranstaltung stellte Bauernhofpädagogin Waltraud Dettweiler Feedbackmethoden an ihrem LoB in Wintersheim vor, die sich für den LoB eignen und zeigte auf, wie diese sich in der Kürze der Zeit am Ende von Schulklassenbesuchen umsetzen lassen.
Für sie ist das Feedback immer eine „Win-Win-Sache“, weshalb sie mit großer Begeisterung von ihrer Umsetzung der unterschiedlichsten Methoden berichtete, die auch die Kinder und Jugendlichen gerne annehmen. Viele Teilnehmende zeigten sich dankbar für diese wertvollen Anregungen.

In der abschließenden Diskussion wurden Erfahrungen mit den unterschiedlichsten Feedbacks in der Arbeit mit Schulklassen ausgetauscht. Auch hier wurde deutlich, dass gute Kommunikation mit den Lehrkräften vorab sehr entscheidend ist für eine gute Veranstaltung, die dann auch entsprechende positive Rückmeldungen ermöglicht. In aller Regel verlassen die Kinder und Jugendlichen die Höfe in guter Stimmung, und viele möchten gerne wiederkommen.

Agnes Pohlmann verabschiedet
Agnes Pohlmann vom Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau ist „eine Frau der ersten Stunde“ beim Lernort Bauernhof in Rheinland-Pfalz. Ihr war es ein echtes Anliegen, diese Fachtagung noch einmal zu besuchen, obgleich sie seit Ende Januar 2026 im Ruhestand ist. Seit den Anfängen im Jahr 2009 arbeitete sie in über 50 Sitzungen im LoB-Steuerungsgremium mit. Agnes Pohlmann sprach von den holprigen Anfängen, aber auch dem kontinuierlichen Aufbau. Heute ist sie begeistert vom Angebot der Betriebe für die Schulen. Sie selbst habe viel gelernt vom Lernort Bauernhof und wünschte allen Aktiven weiterhin viel Erfolg.

Hintergrundinformationen
Mit dem Vorhaben „Lernort Bauernhof“ (LoB) im Rahmen der Intervention DEB-EL-0802-01 „Informationsmaßnahme und Wissenstransfer“ des nationalen GAP-Strategieplans fördert das Land Rheinland-Pfalz in der Förderperiode 2023-2027 die Landwirtschaft und den ländlichen Raum mit Mitteln aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER). Die Maßnahme ist kofinanziert von der Europäischen Union.
Informationen für Lehrkräfte, Betriebe und Interessierte finden sich im Internet unter www.lernort-bauernhof-rlp.de.

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Bildung, LOB

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