Grünland in RLP
Bedeutung des Grünlands in Rheinland-Pfalz
© LWK RLP/Isabelle Sando

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Grünland ist eine tragende Säule der Landwirtschaft in RLP und erfüllt zugleich zentrale Funktionen für Biodiversität, Klimaschutz und Landschaftsbild. Die artenreichen Wiesen und Weiden prägen insbesondere die Mittelgebirge wie Hunsrück, Eifel und Westerwald sowie Teile des Mittelrheintals.
Neben der Futtergrundlage für die Tierhaltung sichert es ebenso ökologische Funktionen:
- Bodenschutz durch dauerhafte Pflanzendecke
- Kohlenstoffspeicherung als Beitrag zum Klimaschutz
- Wasserrückhalt und Erosionsminderung in der Landschaft
Trotz dieser hohen Relevanz steht das Grünland unter zunehmendem Druck. Mit dem strukturellen Wandel in der Landwirtschaft und den wachsenden Auswirkungen des Klimawandels steht die Grünlandbewirtschaftung jedoch vor weitreichenden Veränderungen.
Nutzungswandel: Rückgang der Weidetierhaltung
In vielen Regionen RLPs nimmt die Zahl der Weiderinder und Schafe seit Jahren ab. Diese Entwicklung hat direkte Folgen für das Grünlandmanagement:
- zunehmende Verbuschung und Verunkrautung: Ohne regelmäßige Mahd wächst Grünland schnell zu. Dies führt zu einer Verringerung der Artenvielfalt und kann wertvolle Offenlandbiotope gefährden.
- Steigende Pflegekosten: Wird die Bewirtschaftung extensiver oder entfällt gänzlich, steigen die Aufwendungen für Pflegemaßnahmen erheblich. Viele Betriebe können diese Mehrkosten nicht decken.
- Verlust traditioneller Kulturlandschaften: Almweiden, Hanglagen und schwer zu bewirtschaftende Flächen verlieren ihre Bewirtschaftung und drohen zu verbrachen. Dadurch gehen prägende Elemente regionaler Identität verloren.
- Geringere Futterverfügbarkeit (langfristig): Weniger Weidetierhaltung bedeutet auch eine reduzierte Nachfrage nach Grünfutter, was die wirtschaftliche Bedeutung des Grünlands weiter schwächt ⇒ sinkende wirtschaftliche Bedeutung
Auswirkungen des Klimawandels auf das Grünland
© Bild von Enrique auf Pixabay

Der Klimawandel wird in RLP zunehmend spürbar: steigende Temperaturen, zurückgehende Niederschläge und häufigere Extremwetterereignisse setzen die Grünlandflächen unter Druck.
- Trockenstress und Ertragsrückgänge: Längere Frühjahrs- und Sommertrockenheit verringern das Wachstum der Gräser erheblich. Vor allem Standorte mit flachgründigen oder sandigen Böden sind stark betroffen.
- Veränderte Artenzusammensetzung: Trockentolerante Arten wie Ampfer oder bestimmte Süßgräser verdrängen wertvolle Futtergräser und Kräuter. Dadurch kann die Qualität des Aufwuchses sinken.
- Höheres Risiko von Schädlings- und Krankheitsbefall: Wetterextreme begünstigen die Ausbreitung bestimmter Schädlinge und Pilzkrankheiten (z.B. Rostpilze).
- Schwierige Befahrbarkeit und Ernteplanung: Starkregenereignisse führen zu Bodenschäden, verhindern die Befahrbarkeit und erschweren die optimale Nutzung der Wachstumsphasen.
Spezifische Herausforderungen in RLP
Die Kombination aus Nutzungsrückgang und Kimaeinflüssen führt zu einer Reihe von strukturellen und betrieblichen Problemen:
- ökonomischer Druck: Sinkende Tierzahlen und geringere Erträge machen Grünlandbetriebe wirtschaftlich anfällig.
- Arbeitswirtschaftliche Belastung: Weniger Weidehaltung bedeutet mehr Mahd und Pflege - oft mit höheren Maschineneinsatz.
- Anpassungsbedarf an die Bewirtschaftung: Neue Anbaustrategie, resilientere Artenmischungen und angepasste Nutzungssysteme erfordern Wissen, Investitionen und Zeit.
Perspektiven und Lösungsansätze
© Bild von Tumisu auf Pixabay

Um das Grünland in RLP auch zukünftig nachhaltig nutzen und erhalten zu können, gewinnen folgende Ansätze an Bedeutung:
- Förderung und Erhalt von Weidehaltung durch attraktive Agrarumweltprogramme und faire Vermarkungsstrukturen
- Etablierung von trockenheitstoleranten Arten und Mischungen im Rahmen des Grünlandmanagements
- Umstellung auf angepasste Nutzungssysteme, z.B. spätere Schnittzeitpunkte, alternierende Nutzung oder extensive Beweidung
- Verbesserung des Wasserrückhalts durch humusfördernde Maßnahmen, Mulchschnitte oder strukturreiche Bewirtschaftung
- Kooperation zwischen Betrieben, etwa bei Weidetierhaltung oder Maschinenringmodellen
- Stärkung regionaler Wertschöpfungsketten, z.B. für Weidefleisch oder Heu aus artenreichem Grünland


