Vielfältiger Ackerbau in Rheinland-Pfalz
© LWK RLP/Eva Berwanger

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Rheinland-Pfalz zeichnet sich durch eine beeindruckende Vielfalt im Ackerbau aus. Diese wird durch eine große Bandbreite an Boden- und Klimaverhältnissen geprägt. Die fruchtbaren Löss- und Lehmböden in der Rheinebene sowie die leichteren Standorte in Mittelgebirgsregionen wie Hunsrück und Pfälzerwald ermöglichen den Anbau zahlreicher Kulturen. Neben klassischen Getreidearten wie Weizen, Gerste und Roggen werden auch Zuckerrüben, Mais und Ölsaaten kultiviert. Diese Vielfalt sichert die Versorgung regionaler Verarbeitungsbetriebe und der Lebensmittelindustrie mit hochwertigen Rohstoffen.
Fläche und Struktur
© MWVLW-RLP

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Der Ackerbau leistet einen wesentlichen Beitrag zur regionalen Wirtschaft. Über die letzten zehn Jahre sind deutliche Veränderungen zu verzeichnen:
- Die ackerbaulich genutzte Fläche hat um etwa 5 % abgenommen und umfasste im Jahr 2023 noch knapp 400.000 ha.
- Die durchschnittliche Betriebsgröße ist dagegen gestiegen – von rund 44 ha (2013–2016) auf über 50 ha im Jahr 2023.
Diese Entwicklung zeigt den fortschreitenden Strukturwandel: kleinere Betriebe geben auf, größere weiten ihre Flächen aus.
Die Gesamtnutzfläche für Feldfrüchte und Grünland betrug 2023 rund 589.800 ha, davon entfielen 45 % auf Raufutter (Grünland, Feldfutteranbau). Bei den Feldfrüchten dominiert Weizen mit 18 %, gefolgt von Gerste (13 %), Raps (7 %), Silomais (5 %) und Zuckerrüben (3 %). Weitere Kulturen wie Triticale, Roggen, Körnermais und Kartoffeln tragen zur Diversität bei.
Standorteigenschaften Rheinland-Pfalz
© LGB RLP/Kartenviewer

Die landwirtschaftliche Nutzung wird maßgeblich durch die natürlichen Standortbedingungen bestimmt.
Ertragspotenzial
Das Ertragspotenzial ergibt sich aus Bodenqualität, Wasserverfügbarkeit und Klima:
- Grüne Bereiche mit hohem Potenzial: vor allem in Rheinhessen und der Vorderpfalz mit tiefgründigen Löss- und Lehmböden – ideal für ertragsstarke Kulturen wie Winterweizen, Zuckerrüben und Mais
- Gelbe Bereiche mit mittlerem Potenzial: Übergangsbereiche zu Mittelgebirgen mit flachgründigen Böden
- Rote Bereiche mit geringem Potenzial: dominierend in Höhenlagen von Eifel, Hunsrück und Westerwald – kühle Temperaturen und steinige/flachgründige Böden begrenzen die Kulturwahl
Nutzbare Feldkapazität (nFK)
© LGB RLP/Kartenviewer

Die nFK beschreibt die pflanzenverfügbare Wassermenge im Boden - ein zentraler Faktor für die Ertragssicherheit:
- Grüne Bereiche (> 200 mm) sichern die Wasserversorgung auch in Trockenphasen - in Löss- und Lehmböden der Rheinebene vorherrschend.
- Gelbe Bereiche mit mittlerer nFK liegen vor allem in den Übergangsregionen vom Rheinhessischen Lössgebiet zu den Mittelgebirgen - aber auch einige Flächen im südlichen Teil (westlich der Vorderpfalz) sind betroffen.
- Rote Bereiche (> 50 mm) mit geringer nFK treten in Mittelgebirgen und auf flachgründigen Böden auf. Dementsprechend erfordern Sand- oder Schieferböden angepasste Fruchtfolgen, konservierende Bodenbearbeitung und Humusaufbau.
Standorttypisierung
© LGB RLP/Kartenviewer

Die Typisierung fasst Bodeneigenschaften, Relief und Klima zu charakteristischen Typen zusammen:
- Rote/gelbe Bereiche kennzeichnen warme, trockene Standorte (Rheinhessen, Pfalz) – geeignet für Sommerungen und Sonderkulturen.
- Grüne/blaue Bereiche weisen auf kühle, niederschlagsreiche Lagen (Mittelgebirge) hin – prädestiniert für Grünland und robuste Getreidearten.
- Lila Bereiche markieren Stauwasserbereiche, die für den Ackerbau problematisch sein können.
Anbauverfahren und Ressourcenschutz
Moderne Produktionsverfahren, präzise Saatgutwahl und eine nachhaltige Bodenbewirtschaftung tragen dazu bei, Erträge zu optimieren und gleichzeitig natürliche Ressourcen zu schonen. Dazu gehören:
- Angepasste Fruchtfolgen zur Förderung der Bodenfruchtbarkeit und Reduktion von Krankheiten
- Effiziente Nährstoffnutzung durch präzise Düngung und digitale Steuerung
- Reduzierte Pflanzenschutzmittelanwendung durch integrierte Verfahren und mechanische Alternativen
Rheinland-Pfalz ist somit nicht nur ein Zentrum für ertragreichen Ackerbau, sondern auch Schaufenster für innovative und nachhaltige Landwirtschaft, die Tradition und Zukunft verbindet.
Klimawandel und Anpassungsstrategien
Gleichzeitig stellt der Klimawandel den Ackerbau vor immer größere Herausforderungen: steigende Temperaturen, veränderte Niederschlagsmuster und häufigere Extremwetterereignisse verlangen nach verbesserten Anbauverfahren, widerstandsfähigeren Sorten und einer vorausschauenden Bewirtschaftung der Böden. Die Anpassungsstrategien umfassen:
- Entwicklung und Einsatz klimaangepasster Sorten
- Bodenwassermanagement zur Sicherung der Erträge in Trockenphasen
- Förderung von Humusaufbau und Bodenschutzmaßnahmen zur Stabilisierung der Produktionsgrundlagen
© LWK RLP/Eva Berwanger

© LWK RLP/Isabelle Sando

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Wasserverfügbarkeit und Grundwasserneubildung
© LFU RLP

- Helle Grünbereiche (0–50 mm): Sehr geringe Neubildung, typisch für trockene Standorte in Rheinhessen und der Vorderpfalz
- Mittlere Grün- bis Türkistöne (75–150 mm): Übergangsregionen wie das Naheland und Teile des Pfälzerwaldes
- Dunkelblaue Bereiche (>250 mm): Hohe Neubildung in den niederschlagsreichen Mittelgebirgen (Eifel, Hunsrück, Westerwald) und in Tal- und Auenlagen
Diese Verteilung spiegelt die klimatischen und geologischen Unterschiede wider: Lössgebiete mit hoher Verdunstung und geringer Versickerung stehen den Mittelgebirgen mit hohem Niederschlag und durchlässigen Böden gegenüber.
© LFU RLP

Im Vergleich zum vorherigen Zeitraum zeigen sich deutliche Veränderungen:
- Rückgang der Neubildung in trockenen Regionen: Die hellgrünen Flächen in Rheinhessen und der Vorderpfalz nehmen zu, was auf geringere Niederschläge und höhere Verdunstung hinweist.
- Stabile bis leicht reduzierte Werte in Mittelgebirgen: Die dunkelblauen Bereiche bleiben bestehen, jedoch mit Tendenz zu etwas geringeren Werten in einigen Regionen.
Insgesamt deutet die Karte auf eine Abnahme der Grundwasserneubildung in großen Teilen des Landes hin – eine Folge veränderter Niederschlagsmuster und steigender Temperaturen.
Die Entwicklung unterstreicht die wachsende Bedeutung von:
- Wassersparenden Anbauverfahren (z. B. konservierende Bodenbearbeitung, Humusaufbau)
- Angepasster Fruchtfolge mit trockenheitsverträglichen Kulturen in Regionen mit geringer Neubildung
- Effizientem Bewässerungsmanagement in den Lössgebieten
- Bodenschutzmaßnahmen zur Förderung der Infiltration und Reduzierung von Oberflächenabfluss
Regionale Wertschöpfungsketten in Rheinland-Pfalz
Die Landwirtschaft in Rheinland-Pfalz ist eng mit einer Vielzahl regionaler Verarbeitungs- und Vermarktungsbetriebe verknüpft. Neben der Brauwirtschaft spielen Mühlen, Bäckereien, Zuckergewinnungsanlagen, Ölmühlen und Futtermittelwerke eine zentrale Rolle. Diese Strukturen sichern kurze Transportwege, stärken die regionale Wirtschaft und ermöglichen eine hohe Produktqualität.
Darüber hinaus gewinnen neue Bereiche an Bedeutung:
- Erneuerbare Energien wie Biogas aus landwirtschaftlichen Reststoffen
- Direktvermarktung und regionale Marken, die Verbraucherinnen und Verbraucher mit transparenten Herkunftsnachweisen ansprechen
- Verarbeitung von Leguminosen und Spezialkulturen, um pflanzliche Proteine für die Lebensmittelindustrie bereitzustellen
Die regionale Wertschöpfung trägt nicht nur zur wirtschaftlichen Stabilität bei, sondern schafft auch Arbeitsplätze und fördert Innovationen. Durch die Integration von Nachhaltigkeitszertifikaten können diese Strukturen zusätzlich gestärkt und für internationale Märkte geöffnet werden.
Neue Herausforderungen durch Schädlings- und Krankheitsdruck
© LWK RLP/Verena Mecking

Neben den bekannten klimatischen Herausforderungen wirkt sich die zunehmende Globalisierung direkt auf den Ackerbau aus. Durch internationalen Handel, Saatgutimporte und Transportwege gelangen Pflanzenschädlinge, Krankheitserreger und invasive Unkräuter immer häufiger in neue Regionen. Diese Einschleppungen führen zu einer höheren Dynamik im Schädlings- und Krankheitsgeschehen, da neue Organismen auf einheimische Kulturen treffen und sich oft rasch etablieren.
Veränderte Befallsmuster durch Klimafaktoren
Gleichzeitig verändert sich das Verhalten bestehender Schädlinge und Krankheitserreger. Wärmeperioden, vermehrte Niederschläge oder extreme Trockenphasen beeinflussen Lebenszyklus, Ausbreitungsgeschwindigkeit und Infektionsraten. Das gemeinsame Auftreten alter und neuer Schädlinge kann so zu komplexeren Befallsmustern führen, die eine punktgenaue und koordinierte Bewirtschaftung erfordern.
Steigender Druck erfordert neue Strategien
Für die landwirtschaftliche Praxis bedeutet dies:
- Präventives und strategisches Monitoring wird unverzichtbar, um neu auftretende Organismen frühzeitig zu identifizieren
- Flexible Anpassung der Fruchtfolgen und Sortenwahl kann helfen, das Risiko zu streuen
- Gezielte Maßnahmen gegen invasive Arten sind notwendig, um Ausbreitung und wirtschaftliche Schäden zu begrenzen
Integrierter Pflanzenschutz und Forschung
Die Entwicklung wirksamer Strategien erfordert eine Kombination aus:
- Integriertem Pflanzenschutz (IPM) mit mechanischen, biologischen und chemischen Verfahren
- Digitalen Prognosemodellen zur Vorhersage von Befallsrisiken
- Forschung zu resistenten Sorten und biologischen Gegenspielern
Nur durch ein Zusammenspiel von Praxis, Beratung und Wissenschaft lässt sich der steigende Schädlings- und Krankheitsdruck bewältigen, ohne die ökologischen und ökonomischen Ziele zu gefährden.
Schilfglasflügelzikade - eine wachsende Bedrohung für die Landwirtschaft
© LWK RLP/Isabelle Sando

Die Schilfglasflügelzikade (SGFZ) ist längst kein Randproblem mehr: In Rheinland-Pfalz und großen Teilen Süddeutschlands sind Zuckerrüben massiv betroffen, und auch andere Kulturen geraten zunehmend unter Druck. Das Insekt, ursprünglich in Europa heimisch, hat sich durch seine enorme Anpassungsfähigkeit stark ausgebreitet.
Während die adulten Tiere warmes, trockenes Klima bevorzugen, benötigen die Jungtiere feuchte Böden. Schwere Böden in unseren Regionen sind daher besonders gefährdet.
Die SGFZ ist polyphag, das heißt: Sie befällt nahezu alle landwirtschaftlich angebauten Kulturen. Besonders kritisch ist die Übertragung zweier bakterieller Erreger (ARSEPH und PHYPSO), die die Vitalität der Pflanzen schwächen und sekundäre Infektionen begünstigen. Die Folge: Ertragsverluste und steigende Produktionsrisiken.
Nicht alle Kulturen sind gleich betroffen: Ölrettich und Sojabohnen weisen eine geringere Nymphenüberlebensrate auf, während Weizen und Gerste als Überwinterungswirte dienen, ohne selbst große Schäden zu zeigen. Durch gezielte Fruchtfolgeänderungen können bis zu 80–90 % der Nymphen reduziert werden. Dies stellt somit eine zentrale Maßnahme zur Eindämmung dar.
Warum ist das wichtig? Die Ausbreitung der SGFZ wird durch den Klimawandel und die vorherrschenden Produktionsbedinungen begünstigt. Mildere Winter und feuchte Böden schaffen ideale Bedingungen für die Entwicklung der Nymphen. Für Landwirte bedeutet das: Monitoring, Anpassung der Fruchtfolge und Wissen über die Biologie des Schädlings sind entscheidend, um Schäden zu verhindern.
Weiterführende Informationen:




