| Lernort Bauernhof (LoB)

Angehende Bauernhofpädagogen wollen Landwirtschaft erlebbar machen

15 Teilnehmende aus ganz Rheinland-Pfalz starteten auf dem Hofgut Neumühle in Münchweiler an der Alsenz in den Zertifikatslehrgang zum Bauernhofpädagogen.
Der Zertifikatslehrgang bot jede Menge praktische Erlebnisse zum Nachmachen.

Der Zertifikatslehrgang Bauernhofpädagogik am Hofgut Neumühle unterstützt Betriebe dabei, schulische Lernangebote auf dem außerschulischen Lernort Bauernhof sicher aufzubauen. Er richtet sich an Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter, an Mitarbeitende landwirtschaftlicher Betriebe sowie an Pädagoginnen und Pädagogen, die mit Höfen zusammenarbeiten. Ziel ist es, ein eigenes, zum Betrieb passendes Bildungsangebot zu entwickeln und umzusetzen. Im Kurs geht es um konkrete Fragen aus der Praxis: Warum möchte ich meinen Betrieb öffnen? Welche Themen kann ich vermitteln? Wie plane ich Hoferkundungen und Lernstationen? Wie leite ich Gruppen an? Welche Rolle nehme ich dabei ein? Auch rechtliche und wirtschaftliche Aspekte werden behandelt. Dazu gehören Baurecht, Versicherung, Kalkulation, Finanzierungsmöglichkeiten und vorhandene Netzwerke. Exkursionen zu bestehenden Lernorten gehören verbindlich dazu. Ein wichtiger Bestandteil ist die Praxisphase. Alle Teilnehmenden entwickeln ein betriebsspezifisches Konzept zum Lernen auf dem Bauernhof und stellen es vor. Die Weiterbildung orientiert sich an den Rahmenempfehlungen zur Gestaltung des Zertifikatskurses Bauernhofpädagogik der Bundesarbeitsgemeinschaft Lernort Bauernhof (BAGLoB).
Das erste Modul setzte stark auf Praxis: Die Gruppe arbeitete direkt am Lernort Bauernhof, probierte Methoden selbst aus und tauschte Erfahrungen aus, wie sich Landwirtschaft für Kinder und Jugendliche anschaulich vermitteln lässt. Die pädagogische Leitung übernahm wie in den vergangenen Jahren Annette Müller-Clemm. Zu Beginn stellte Maria Caesar von der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz das Vorhaben „Lernort Bauernhof“ in Rheinland-Pfalz vor und erläuterte die Struktur des Programms.

Natur und Landwirtschaft erlebbar machen
Ein erster inhaltlicher Impuls griff den Grundgedanken der Bauernhofpädagogik auf. Landwirtschaftliche Betriebe bieten viele Möglichkeiten, Kindern und Jugendlichen Zusammenhänge rund um Lebensmittel, Tierhaltung, Natur und regionale Landwirtschaft zu zeigen und erlebbar zu machen. Ein Praxisbeispiel zeigte Katja Hirsch aus Hütschenhausen. Sie stellte ihre Lerneinheit zum Thema Rinder vor und arbeitete mit der Gruppe im Stationsbetrieb. Die Teilnehmenden beschäftigten sich mit verschiedenen Fragen rund um das Rind. Auch MINT-Aspekte spielten eine Rolle. Gemeinsam wog die Gruppe das Kalb Santa Maria auf der alten Viehwaage des Hofes. Dabei entstand auch ein Gespräch über die Geschichte solcher Waagen und ihre Bedeutung auf landwirtschaftlichen Betrieben.
Dr. Theresa Scheu und Stefanie Jung vom Hofgut Neumühle stellten anschließend eine Lerneinheit vor, die ohne direkten Tierkontakt funktioniert. Die Teilnehmenden arbeiteten kreativ, zeichneten Kühe und probierten Methoden aus, mit denen sich Kindergruppen auf einem Hof strukturieren lassen. Den Abschluss des ersten Kurstages bildete ein kulinarischer Austausch. Unter dem Motto „Wie schmeckt mein Hof. Wie schmeckt meine Region“ brachten alle Teilnehmenden eine Spezialität aus ihrem Betrieb oder ihrer Region mit. Die Runde nutzte diese Gelegenheit für Gespräche, Erfahrungsaustausch und ein näheres Kennenlernen.
Am zweiten Kurstag stellte die Bauernhofpädagogin Nele Bornheimer-Schwalbach aus Gau-Bickelheim kreative Spielideen vor. Sie zeigte, wie man lange Wegstrecken mit Kindern thematisch gut nutzen kann. In ihrem Beispiel liegen die Schweine weit außerhalb des Hofes. Den Weg dorthin nutzt sie bereits für Spiele, Fragen und kleine Aufgaben, die Kinder Schritt für Schritt auf das Thema vorbereiten. Am Schafstall der Neumühle folgte eine weitere Praxiseinheit. Die Bauernhofpädagogin Sarah Müller aus Hattert arbeitete mit der Gruppe zum Thema Getreide. Anschließend besuchten die Teilnehmenden die Schafe im Stall und sammelten Ideen, wie sich auch dieser Bereich eines Hofes in Bildungsangebote einbinden lässt.

Mitarbeit auf dem Betrieb ist wichtig
Ein wichtiger Bestandteil der Bauernhofpädagogik ist die Mitarbeit auf dem Betrieb. Die Teilnehmenden übernahmen deshalb selbst Aufgaben im Stall. In Kleingruppen versorgten sie die Kälber, reinigten Liegeboxen, trieben Kühe zum Melken und arbeiteten im Melkstand. Das Ganze fand im Rotationsprinzip statt, sodass alle Teilnehmenden jede Station einmal ausprobieren konnten. So entstand ein direkter Einblick in den Arbeitsalltag auf einem Milchviehbetrieb.
Der dritte Kurstag führte die Gruppe zu einer Exkursion nach Stetten zum Lernort Bauernhof der Familie Steuerwald-Ludwig. Astrid Steuerwald-Ludwig gehört zu den Bauernhofpädagoginnen der ersten Stunde in Rheinland-Pfalz. Sie stellte ihre Lerneinheit zum Thema Kartoffeln vor. Die Teilnehmenden probierten verschiedene Spiele und Methoden rund um die Kartoffel aus. Anschließend folgte eine Wiesenfühlung mit einer kurzen Meditation in der Wiese, eine Erfahrung, die bei vielen auf großes Interesse stieß. Zum Abschluss des Moduls arbeiteten die Teilnehmenden auf dem Hofgut Neumühle an ersten Ideen für eigene Bildungsangebote und an ihrer Rolle als Bauernhofpädagoginnen und Bauernhofpädagogen. 
Das nächste Modul des Qualifizierungskurses findet vom 6. bis 8. Mai auf dem Lernbauernhof Gut Hohenberg in Queichhambach bei Annweiler am Trifels statt. Dort lernen die Teilnehmenden einen Lernbauernhof kennen, bei dem die pädagogische Arbeit mit der Landwirtschaft im Vordergrund steht.

Hintergrundinformationen
Mit dem Vorhaben „Lernort Bauernhof“ (LoB) im Rahmen der Intervention DEB-EL-0802-01 „Informationsmaßnahme und Wissenstransfer“ des nationalen GAP-Strategieplans fördert das Land Rheinland-Pfalz in der Förderperiode 2023-2027 die Landwirtschaft und den ländlichen Raum mit Mitteln aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER). Die Maßnahme ist kofinanziert von der Europäischen Union.
Informationen für Lehrkräfte, Betriebe und Interessierte finden sich im Internet unter www.lernort-bauernhof-rlp.de.
 

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