„Ich bin sehr gespannt.“ Diese Aussage war eines Morgens im Probesaal der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, Dienststelle Alzey, häufig zu hören. In der Kühlung befanden sich 43 Weine, Seccos und Sekte unterschiedlicher Rebsorten und aus allen rheinland-pfälzischen Anbaugebieten. Sie hatten alle etwas gemeinsam: Es waren alkoholfreie Erzeugnisse.
Alkoholfreie Erzeugnisse sind nun ebenfalls für die Landesprämierung für Wein und Sekt zugelassen. Das Thema spielt in einem ohnehin stark unter Druck geratenen Markt eine immer größere Rolle und wird für zahlreiche Weinbaubetriebe zur ernstzunehmenden Einkommensquelle. Folgerichtig sollen alkoholfreie Weine und Sekte ebenfalls prämiert werden dürfen. Die Landwirtschaftskammer hatte die Satzung per Beschluss durch die Vollversammlung bereits entsprechend angepasst. „Aber bevor wir Sachverständige auswählen und Prämierungsproben ansetzen, müssen wir Kriterien festlegen und uns erst mal selbst intensiv damit beschäftigen“, sagte Dr. Volker Schaefer, Dienststellenleiter in Alzey und Moderator der umfangreichen Verkostung. Am Tisch saßen die Prüfstellenleitungen und Mitglieder des Arbeitskreises Prämierung der Landwirtschaftskammer. Sie kommen aus allen Ecken von Rheinland-Pfalz und sind jahrzehntelang als Sachverständige in der Qualitätsweinprüfung und Landesprämierung tätig. Einige Wochen zuvor begab man sich bereits auf Exkursion an die Hochschule in Geisenheim, um mehr über die gängigen Verfahren der Entalkoholisierung von Wein und Sekt zu erfahren. „Dieses Wissen wollen wir jetzt praktisch anwenden“, so Dr. Schaefer.
“Könnte ich mit Spaß trinken”
Die Probe beginnt. Auf einem Tabellenblatt sind die einzelnen Proben verzeichnet: Rebsorte, Rot- oder Weißwein, bei manchen auch der Restzucker. Die Flaschen wurden von den Prüfstellenleitungen und anderen Teilnehmenden der Probe zusammengetragen. Zum Start sind die Rotweine dran: „Erinnert an Rotwein, könnte ich mit Spaß trinken“, sagt einer der Prüfer. Dr. Schaefer erinnert noch einmal an einen wichtigen Grundsatz, den die Gruppe aus Geisenheim mitgenommen hat: Es seien Getränke, kein Wein. Und darauf müsse man sich einlassen. Die Rotweine sind daher auch leicht gekühlt, was den meisten Prüferinnen und Prüfern gut gefällt. Saftig, gute Tannine, Säure – alles da, was ein Rotwein braucht. Doch auch die ersten Nasen werden gerümpft: Man spricht von „Kochton“, oft auch „käsig“ oder muffig. „Wie gehen wir denn mit den weintypischen Fehlern um?“, fragt Jutta Schneider, Dienststellenleiterin Bekond. „Wir müssen festlegen, welche Eigenschaften wir bei einem alkoholfreien Wein tolerieren und welche nicht. Eine ausgeprägte Petrolnote kann einen alkoholfreien Riesling unterstützen, während man das bei einem ,normalen‘ Riesling vielleicht nicht tolerieren würde“, erklärt Christoph Knewitz, Prüfstellenleiter in Alzey.
Die Probe ist unterteilt in Gruppen von je vier oder fünf Erzeugnissen. Rieslinge, Sauvignon blanc, aber auch Muskateller und Gewürztraminer sind als Rebsorten genannt. Nach jeder Gruppenverkostung wird abgestimmt: „Welchen Wein würdet ihr prämieren?“ Oft ist man sich einig, manchmal wird diskutiert, und die unterschiedlichen regionalen Besonderheiten treten zutage.
Prüfer Andreas Rück zeigte sich nach der rund dreistündigen Verkostung positiv überrascht: „Ich war anfangs skeptisch, aber da waren viele gute Sachen dabei. Kochnoten oder das etwas Käsige sind Dinge, die wir auch bei der Prämierung ablehnen sollten. Die klassischen Weinfehler jedoch müssen wir hier anders bewerten und das Gesamtbild betrachten. Wir haben alle viel gelernt.“
Bereits im September sollen die ersten alkoholfreien Weine und Sekte an der Prämierung teilnehmen können. Nun stellt die Landwirtschaftskammer das Prämierungsteam für diese Aufgabe zusammen. „Wir sind dann startklar, ich freue mich drauf“, meinte Christoph Knewitz und sortierte die 43 geleerten Flaschen zum Streckenfoto.
