| Tierische Erzeugung

Züchterfahrt der Züchtervereinigung Trier-Wittlich führt in die Pfalz und das Saarland

Bei bestem Frühjahrswetter fand in diesem Jahr die Züchterfahrt der Züchtervereinigung Trier-Wittlich statt.
Teilnehmer der Züchterfahrt auf dem Markushof in Losheim.
Kühe auf dem Laufhof vom Wahlerhof.
Tolle Limousinherde auf dem Hagischer Hof.

Zahlreiche Mitglieder und Interessierte nutzten die Gelegenheit, sich interessante Betriebe mit tollen Milch- und Mutterkuhherden anzusehen. Auf dem Programm standen Besuche von drei Betrieben – zwei leistungsstarke Milchviehherden und ein spezialisierter Mutterkuhbetrieb. 

Den Auftakt bildete der Besuch des Wahlerhofs, der von Inse-Marie Stalter, ihrem Mann Friedhelm Meyer zur Capellen und Tobias Zarth mit Familie bewirtschaftet wird. Der Wahlerhof ist ein Milchviehbetrieb mit langer Tradition in Zweibrücken in der Pfalz. Dieser wurde bereits im Jahre 1686 gegründet und von amischen Mennoniten besiedelt und bewirtschaftet. Es werden dort ca. 200 Milchkühe der Rasse Holstein und ein paar Jersey und deren Nachzucht (teilweise ausgelagert) gehalten. Bewirtschaftet werden ca. 200 ha landwirtschaftliche Nutzfläche, davon 100 ha Ackerbau mit Mais, Getreide und Ackerfutterbau und 100 ha Grünland (80 ha intensiv & 20 ha extensiv). Die Milchviehhaltung wurde seit dem Bau eines Anbindestalls für 12 Kühe in den 1970er Jahren stetig erweitert. So wurde bereits 1981 ein Boxenlaufstall für 50 Kühe und Nachzucht, der Anfang der 2000er um 50 Liegeboxen erweitert wurde, gebaut. 2016 wurde der Stall dann auf 160 Plätze erweitert und vor fünf Jahren dann nochmals 20 weitere Liegeboxen angebaut. Die Leistung der Herde konnte in den letzten Jahren stetig auf zuletzt 12.516 kg Milch mit 4,08 % Fett und 3,48 % Eiweiß gesteigert werden. Nach dem Leitspruch „Stillstand ist Rückschritt“ setzen die Betriebsleiter unter anderem durch die Beteiligung an Projekten auf innovative Lösungen für den Betrieb. So haben sie zuletzt an den EIP agri-Projekten „Nachhaltigere Milch“                         (= Innovative Ansätze für eine bessere Futterqualität, weniger Emissionen und eine effiziente Datennutzung) und „Smartcut“ (= Entwicklung eines Bestandsentwicklungsmodells im Grünland, das es Landwirt/innen ermöglicht, den optimalen Schnittzeitpunkt unter Berücksichtigung verschiedener Einflussfaktoren zu bestimmen) teilgenommen. Eine weitere Besonderheit des Wahlerhofs ist, dass ein Teil der Milch durch die mobile „KäSaarei“ zu Käse verarbeitet wird. Abschließend saßen die Teilnehmer mit den Betriebsleitern bei selbstgebackenem Kuchen, Baguettes und dem hofeigenen Käse zusammen und diskutierten die vielen Eindrücke. Nach dieser Stärkung ging es für die Reisegruppe weiter in den Kreis Kaiserslautern.

Der zweite Stopp führte auf den Hagischer Hof in Kottweiler-Schwanden, einem Mutterkuhbetrieb mit Direktvermarktung, der von Betriebsleiter Marc Pfeiffer-Unckrich mit Unterstützung einiger Aushilfen bewirtschaftet wird. Hier konnten die ca. 100 Mutterkühe der Rasse Limousin und deren Nachzucht in dem 2015 außerhalb der Ortslage erbauten großzügigen Stall besichtigt werden. Außerdem werden an dem Standort 80 Bullen in einem neuen (2022 erbauten) Bullenstall gehalten. Auf dem Hagischer Hof werden 215 ha landwirtschaftliche Nutzfläche bewirtschaftet. Davon sind 30 ha Ackerbau (Getreide & Silomais) und 185 ha Grünland Weiden und Mähwiesen. Von den insgesamt 280 reinrassigen Limousin werden ca. 10-15 Jungtiere als Zuchttiere vermarktet, 24 Jungtiere werden gemästet und gehen mit 15-18 Monaten in die Direktvermarktung, 10 Tiere werden für die Remontierung der eigenen Herde benötigt und wöchentlich werden Tiere im Alter von ca. 23-24 Monaten zum Metzger gebracht, wo sie ein Schlachtgewicht von ca. 500 kg erzielen. Die Direktvermarktung in Form eines Hofladens, wo auch regelmäßig Fleischpakete vorbestellt werden können, am ursprünglichen Betriebsstandort im Dorf gibt es bereits seit Mitte der 90er Jahre. An diesem Standort stehen auch noch einige Jungtiere, sowie zwei der vier züchterisch wertvollen Zuchtbullen. Die Mutterkuhherde wird in den Sommermonaten auf der Weide gehalten. Am Ende der Besichtigung gab es auch hier eine kleine Stärkung mit regem Gedankenaustausch, bevor sich die Teilnehmer auf den Weg ins benachbarte Saarland zum dritten und letzten Betrieb des Tages machten. 

Zum Abschluss stand der Besuch der Markushof Losheim KG in Losheim im Saarland auf dem Programm. Mit dem Markushof gab es einen großen Milchviehbetrieb mit ca. 500 Kühen der Rasse Holstein, die eine überragende Milchleistung von über 15.000 kg Herdenleistung mit 4,06 % Fett und 3,43 % Eiweiß erzielen, zu sehen. Auf dem Markushof werden 311 ha landwirtschaftliche Nutzfläche, unterteilt in 131 ha Acker und 180 ha Grünland (68 ha Wiesen & 112 ha Mähweiden) bewirtschaftet. 16 Mitarbeiter arbeiten unter der fachmännischen Leitung von Henk van Wijk auf dem Betrieb in Losheim. Ein Fokus liegt dabei auf besonders viel Platz für die Tiere. Henk van Wijk setzt dabei eher auf eine Unterbelegung des Stalls. Der hohe Kuhkomfort und viel Platz spiegeln sich auch im neuen sehr geräumigen Abkalbestall wider, der mit Strohpellets eingestreut wird. Außerdem wird großer Wert auf eine optimale eher grasbetonte Fütterung gelegt. Der Betriebsleiter kennt die ökonomischen Zahlen des Betriebes bestens und setzt dabei auch auf Kennzahlen, wie den IOFC (= income over feed cost), der den täglichen Milcherlös abzüglich der Futterkosten pro Kuh darstellt. Die laktierenden Kühe werden hier 3x täglich im 30er Swing-Over Melkstand gemolken. Die Kälberhaltung findet sowohl in Iglus im Freien als auch in Einzelbuchten, die den Kälbern Kontakt zueinander bieten, in einem geschützten Stallbereich statt. Sie werden ausschließlich mit hochwertigem Milchaustauscher in optimaler Menge getränkt. Auf der Markushof Losheim KG gab es ein sehr strukturiertes Betriebssystem zu sehen. Nur durch das konsequente Umsetzen dieses Systems, dem vielen Platz für die Tiere und die optimale Fütterung können gesunde und langlebige Kühe gehalten werden, die problemlos solche Leistungen erzielen.   

Am Ende des Tages zogen alle Beteiligten ein positives Fazit. Die Fahrt bot sowohl fachlichen Austausch als auch viele neue Eindrücke und Anregungen. Die Teilnehmer waren sich einig: Ein solcher Erfahrungsaustausch ist ein wichtiger Beitrag zur Weiterentwicklung der regionalen Rinderzucht. Ein ganz herzliches Dankeschön an die Betriebsleiter, dieser drei sehr unterschiedlichen und interessanten Betriebe, die alle vorbildlich geführt werden. 

Nadine Hemmes, Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz 

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