Zertifizierung in der Milchviehhaltung: Warum sie heute unverzichtbar ist – und wie QM+ und QM++ den Einstieg ermöglichen
Die Anforderungen an Milcherzeuger steigen – nicht nur von Gesetzgeberseite, sondern auch durch Handelsketten, Molkereien und Verbraucher. Schlagworte wie Transparenz, Tierwohl, Klimaschutz und Ressourceneffizienz prägen zunehmend den Markt. Wer hier künftig sicher liefern will, muss oft mehr tun als, das gesetzlich Vorgeschriebene – und das auch nachweisen können.
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Warum überhaupt zertifizieren?
Die Anforderungen an Milcherzeuger steigen – nicht nur von Gesetzgeberseite, sondern auch durch Handelsketten, Molkereien und Verbraucher. Schlagworte wie Transparenz, Tierwohl, Klimaschutz und Ressourceneffizienz prägen zunehmend den Markt. Wer hier künftig sicher liefern will, muss oft mehr tun als, das gesetzlich Vorgeschriebene – und das auch nachweisen können. Genau hier setzen Zertifizierungssysteme wie z.B. „QM-Milch“ für Betriebe, die an die Hochwald Molkerei liefern, an. Sie machen Betriebsabläufe prüfbar, schaffen Vertrauen in die Produktion und ermöglichen es, Marktzugänge zu sichern oder auszubauen.
Für konventionell wirtschaftende Milchviehbetriebe in Rheinland-Pfalz stellt sich daher die Frage: Wie steige ich sinnvoll ein? Welche Stufen gibt es – und wie unterscheiden sie sich baulich und organisatorisch?
Zertifizierung in Deutschland – kurz erklärt
In Deutschland gibt es inzwischen mehrere Systeme zur Kennzeichnung von Tierwohlstandards. Eines der wichtigsten für den Milchviehbereich ist QM-Milch (Qualitätsmanagement Milch) – ein mittlerweile bundesweit anerkannter Standard, getragen von der Milchwirtschaft selbst. Ziel: Qualitätssicherung und Tierwohl nach definierten Kriterien in den Bereichen Tierhaltung, Tiergesundheit und Management.
Das System ist stufenförmig aufgebaut, wobei jede Stufe über die vorherige hinausgeht. Die gängigen Stufen sind:
- QM-Standard gesetzliche Basis mit wenigen Zusatzanforderungen
- QM+ erste Tierwohlauflagen, keine reine Anbindehaltung mehr (seit 04/2022)
- QM++ höhere Anforderungen an Tierhaltung und -gesundheit, Management, Laufstall mit Außenklimareizen (06/2022)
- QM+++ Laufstall mit Weidegang und ganzjährigem Laufhof verpflichtend (08/2024)
QM als Einstieg in den Tierwohlstandard
Mit QM betreten Betriebe die erste Stufe über dem gesetzlichen Mindeststandard hinaus. In der Anbindehaltung muss zeitweise auch Zugang zum Laufhof oder einer Weide gegeben sein. Zudem wird beispielsweise die Überbelegung begrenzt oder ein separater Abkalbebereich gefordert. Es muss u.a. eine jährliche Klauenpflege stattfinden und es gibt Vorgaben zur Fütterung.
QM+
Mit QM+ gehen die Betriebe den nächsten Schritt über diese Anforderungen hinaus. Wichtigster Punkt: Die reine Anbindehaltung wird durch die sogenannte Kombihaltung ersetzt. Das Label ist im Haltungsformensystem Äquivalent zur Haltungsstufe 2.
Anforderungen auf einen Blick:
Die reine Anbindehaltung ist verboten. Falls noch Anbindung praktiziert wird, müssen die Tiere an mind. 120 Tagen im Jahr mind. 2 zusammenhängende Stunden am Tag bewegen können. In Laufställen muss für jedes Tier eine Liegebox vorhanden sein. Erste Anforderungen an Außenklimareize (z. B. Offenfrontstall oder natürlicher Luftaustausch). Verpflichtende weiche oder elastisch verformbare Liegeflächen (z. B. Gummimatten) und Scheuermaterial werden gefordert.
Was bedeutet das für den Betrieb?
- Für viele Betriebe mit älterer Bausubstanz kann QM+ bereits Umbaumaßnahmen erfordern – vor allem, wenn derzeit noch Anbindehaltung praktiziert wird oder zu wenig Liegeboxen vorhanden sind. Dennoch lässt sich der Wechsel meist schrittweise und wirtschaftlich tragbar umsetzen.
QM++ – Mehr Tierwohl, mehr Außenklima, mehr Platz
QM++ ist die nächste Stufe im System und bringt weitere Anforderungen, die sich baulich deutlicher bemerkbar machen – vergleichbar mit Haltungsstufe 3:
- Verpflichtende Außenklimaställe mit Laufhof oder Weidegang, Anbindehaltung ist nicht mehr zugelassen, Weidegang wird positiv bewertet, ist aber noch nicht verpflichtend
- Mehr Platz je Tier (größere Liege- und Bewegungsflächen)
Was heißt das für die Praxis?
- Die Umstellung auf QM++ erfordert detaillierte Stallplanung: Luftführung, Lichtverhältnisse, Liegeboxen und Laufgänge müssen unter Tierwohlaspekten gestaltet werden. Auch die Integration von Laufhöfen oder Außenklimabereichen wird nötig. In Rheinland-Pfalz, wo viele Betriebe in Hanglagen mit älteren Stallstrukturen arbeiten, ist eine betriebsindividuelle Planung besonders wichtig.
Ökonomisch und ökologisch sinnvoll
- Marktzugang sichern: Molkereien und Lebensmitteleinzelhandel fordern zunehmend höhere Standards.
- Förderchancen nutzen: Viele Investitionen in Tierwohl sind förderfähig.
- Zukunftsfähigkeit steigern: Höhere Tierwohlstandards verbessern die Außenwirkung, reduzieren Tierarztkosten und können innerbetrieblich zu besseren Leistungen führen.
QM+++ als nächster Step
QM+++ geht noch einen Schritt weiter. Das Label ist der mit der Haltungsstufe 4 gleichzusetzen.
Hier muss den Tieren in einem Laufstall ohne Liegeboxen noch mehr Platz angeboten werden. Zentraler Bestandteil des Labels ist, dass für alle Tiere ein verpflichtender Weidezugang und ein ganzjährig nutzbarer Laufhof vorhanden sein müssen. Für die Kälberhaltung ist in allen Stufen eine Erhöhung das Platzangebotes implementiert – so auch hier. Es werden noch strengere Anforderungen an die Tiergesundheit und Fütterung gestellt.
Wie kann das in der Praxis funktionieren?
Die gleichzeitige Forderung von Laufhof und Weidegang stellt die Betriebe vor sehr große Herausforderungen. Ob oder wie das umgesetzt werden kann, kann nur im Einzelfall beurteilt werden. Welche Gegebenheiten bringt der Betrieb mit und welche Optionen sind noch vorhanden? Hier spielen neben den Platzfragen auch Emissions- und wasserrechtliche Fragen eine wesentliche Rolle. In den allermeisten Fällen ist der Schritt mit einer größeren betrieblichen Investition und einem erhöhten Aufwand seitens der Molkerei verbunden. Ob die Haltungsstufe 4 also eine Option ist, muss geprüft werden.
Nutzen Sie die Bauberatung der Landwirtschaftskammer
Jeder Betrieb hat andere Voraussetzungen – topografisch, strukturell und wirtschaftlich. Deshalb empfiehlt es sich, frühzeitig mit einer unabhängigen Beratung zu planen. Die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz unterstützt Sie gerne bei:
- Stallplanung nach QM-Vorgaben
- schrittweiser Umstellung
- Fördermöglichkeiten
- Wirtschaftlichkeitsbewertung
Alle weiteren Informationen und den Kontakt der Bauberatung finden sie unter: