Sitzung des Ausschusses für Unternehmensentwicklung
Am 14. April traf sich der Ausschuss für Unternehmensentwicklung der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz in Bad Kreuznach zu seiner halbjährlichen Sitzung. Neben den teilnehmenden Ausschussmitgliedern konnte die Vorsitzende, Ökonomierätin Ilse Wambsganß, auch die anwesenden Mitglieder des Vorstandes der Landwirtschaftskammer, Frau Gudrun Breuer und Herrn Reinhold Hörner, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer, begrüßen.

Im Anschluss an die Eröffnung der Sitzung folgte eine Reihe von Fachvorträgen. Zunächst stellte Hans Werner Brohl von der Landwirtschaftskammer (LWK) die aktuellen Ergebnisse der Testbuchführung Rheinland-Pfalz vor. Leider hat sich die bedenkliche Entwicklung der Unternehmensgewinne auch im Wirtschaftsjahr 2024/25 weiter fortgesetzt. Die Prognose für das Wirtschaftsjahr 2025/26 gibt ebenfalls wenig Anlass zum Optimismus. Den Vortrag von Herrn Brohl nahm Herr Hörner zum Anlass, die historisch schlechte Situation, in der sich der Weinbau aktuell befindet, zu verdeutlichen. Es entspann sich eine lebhafte Diskussion, in der sich die Ausschussmitglieder sehr besorgt über die sozioökonomische Situation in vielen landwirtschaftlichen Familien äußerten. Der Wegfall der ökonomischen Existenzgrundlage führe in vielen Betrieben zu zunehmenden mentalen Problemen.
Im zweiten Fachvortrag des Tages gab Sophia Balzar von der Landwirtschaftskammer einen Zwischenbericht zum länder- und institutionenübergreifenden „PLANTEIN“-Projekt. In diesem von der Bundesanstalt für Landwirtschaft geförderten Projekt engagieren sich die Landwirtschaftskammern Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz zusammen mit der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe und Demonstrationsbetrieben. Die teilnehmenden Institutionen untersuchen den Anbau sowie die Verarbeitung und Vermarktung von nicht-leguminosen Proteinpflanzen. Hierzu gehören unter anderem Exoten wie Quinoa und Amaranth, aber auch bekannte Nischenkulturen wie Sonnenblumen oder Öllein. Frau Balzar berichtete von den ersten Anbauerfahrungen auf dem Versuchsbetrieb Haus Düsse in Nordrhein-Westfalen, der Zusammenarbeit der Projektpartner und den geplanten nächsten Schritte.
Hildegard Runkel (LWK) berichtete im Anschluss über ein weiteres innovatives Projekt mit Beteiligung der Landwirtschaftskammer. Im EIP-Projekt „DV-Store 4.0“ werden automatisierte Verkaufslösungen in der Direktvermarktung, sogenannte Smartstores, untersucht. Frau Runkel berichtete über die Projektfortschritte und die geplanten nächsten Schritte, unter anderem die Errichtung eines Smartstores durch einen der beteiligten Betriebe und ein für das Frühjahr 2027 geplantes Netzwerktreffen. Ende kommenden Jahres soll ein Projektbericht mit praxisrelevanten Hinweisen erscheinen.
Im Anschluss gaben Hildegard Runkel und Ulrich Jung, ebenfalls von der LWK Rheinland-Pfalz, einen Überblick über die im vergangenen halben Jahr durchgeführten Seminare. Die beratenden Referate der Landwirtschaftskammer bieten ein breites Angebot an Informationsveranstaltungen zu den Themen Direktvermarktung, Betriebswirtschaft sowie Gebäude- und Flächenumnutzung an. Hierdurch sollen die landwirtschaftlichen Betriebe in den aktuell herausfordernden Zeiten bei der Unternehmensentwicklung und Gestaltung der eigenen Zukunft unterstützt werden.
In einem weiteren Vortrag machte Ralf Eickhorn von der LWK auf das aktuelle Angebot der Landwirtschaftlichen Rentenbank zur Klimabilanzierung aufmerksam. Die Rentenbank bietet Betrieben, die eine Klimabilanz vorlegen können, einen attraktiven Zinsbonus von aktuell 0,25 Prozentpunkten und bezuschusst auch die Erstellung von betrieblichen Klimabilanzen. Das Beratungsteam der Landwirtschaftskammer unterstützt interessierte Betriebe gerne durch die Erstellung einer entsprechenden Klimabilanz.
Die Reihe der Fachvorträge wurde von Herrn Dr. Stückrad von der Innovationsagentur Rheinland-Pfalz abgeschlossen. Zunächst stellte Herr Dr. Stückrad die Innovationsagentur Rheinland-Pfalz und die dort angesiedelte Koordinierungsstelle Wasserstoff des Landes Rheinland-Pfalz vor. Anschließend gab er einen Überblick über Chancen und Grenzen der Wasserstoff-Technologie als möglichen Baustein für einen Umbau der Energieversorgung und stellte aktuelle Projekte und Akteure vor. Zurzeit entsteht ein Wasserstoffleitungsnetz, das die Stahlindustrieregionen mit grünem Wasserstoff versorgen soll. Wasserstoff bietet die Möglichkeit, regenerativ erzeugten Strom über einen längeren Zeitraum als Batterien zu speichern. Für ausgeförderte PV-Anlagen oder Windkraftanlagen auf landwirtschaftlichen Betrieben gibt es Potenzial, in die Wasserstofftechnologie einzusteigen. Die H2-Technologie bietet Chancen für die CO2-Reduktion im Verkehrssektor. Diese Technologie erfordert aber, Konzepte im regionalen Verbund mit anderen Teilnehmern, z.B. aus dem Verkehrssektor, zu entwickeln, um wirtschaftlich tragfähige Konzepte realisieren zu können. Ein Überblick über das Beratungsangebot der Wasserstoff-Koordinierungsstelle und den dort erstellten H2-Rechner als niedrigschwelliges Einstiegstool für Interessierte rundeten den Vortrag ab.
Die Ausschussmitglieder diskutierten die einzelnen Vorträge sehr engagiert und betonten die Wichtigkeit, sich mit innovativen Ansätze zur Weiterentwicklung der landwirtschaftlichen Betriebe zu beschäftigen. Auch wenn nicht jedes neue Geschäftsmodell ein Erfolg sein wird, ist es angesichts der aktuellen Situation auf den Agrarmärkten unerlässlich, nach neuen Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten für den eigenen Betrieb zu suchen.