Im Mittelpunkt der Sitzung standen Wolfsschutz, der Japankäfer, Wildschadenbeseitigung und klimatische Veränderungen. Zu Beginn erläuterte Johannes Steinfort (Lehr- und Versuchsanstalt für Viehhaltung Hofgut Neumühle) den Bau und die Funktionalität des neuen Wolfszaunes. Marie Schmitt vom Koordinationszentrum Luchs und Wolf (KLUWO) ergänzte die Ausführungen um Hinweise zur möglichen Förderung entsprechender Schutzmaßnahmen. Da die Mutterkuh-Weiden der Neumühle als Risikobereiche eingestuft sind, wurde dort ein Elektro-Festzaun in „wolfssicherer“ Ausführung errichtet. Eine regelmäßige (tägliche) Kontrolle ist essenziell, um die Schutzwirkung der Anlage sicherzustellen. Herausforderungen wie das regelmäßige Freihalten der Litzen erfordern einen kontinuierlichen personellen und finanziellen Aufwand.
Konsequent gegen Japankäfer vorgehen
Im Anschluss verdeutlichte Anna Keuck vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinhessen-Nahe-Hunsrück den Teilnehmenden die aktuelle Gefahr, die vom Japankäfer (Popillia japonica) für das Grünland ausgeht. Dieser zählt zu den bedeutendsten invasiven Schaderregern Europas und ist aufgrund seines enormen Schadpotenzials als „prioritärer Unionsquarantäneschädling“ eingestuft. Diese Einstufung macht seinen besonderen Status deutlich und unterstreicht die Notwendigkeit konsequenter Eindämmungs- und Überwachungsmaßnahmen. Während adulte Käfer polyphag an 300 bis 400 Pflanzenarten fressen, verursachen die Larven im Boden erhebliche Wurzelschäden an Gräsern und Kulturpflanzen. Dies kann zu Ertragsverlusten, Narbenschäden und einer nachhaltigen Schwächung von Grünlandbeständen führen. Klimawandel, Globalisierung und die zunehmende Gefahr einer unbemerkten Verschleppung über Transportwege begünstigen zudem die weitere Ausbreitung des Schädlings in Mitteleuropa.
Die frühzeitige Erkennung eines Befalls ist der wichtigste Faktor für den Erfolg aller Bekämpfungsmaßnahmen. Verdachtsfunde müssen unverzüglich gemeldet und – sofern möglich – gesichert werden. Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass nur eine Kombination mehrerer Maßnahmen – Früherkennung, Monitoring, Hygiene, Bewirtschaftungsauflagen und konsequentes Zonenmanagement – wirksam ist. Verzögerungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer dauerhaften Etablierung erheblich. Etablierte Populationen sind nach bisherigen Erfahrungen kaum zu tilgen, wie Beispiele aus Italien und der Schweiz zeigen. Je früher ein Fund gemeldet wird, desto größer sind die Erfolgsaussichten für eine Eindämmung.
Im weiteren Verlauf der Sitzung informierte Christoph Steilen (DLR Eifel) über zentrale Aspekte der Wildschadensregulierung im Dauergrünland. Grundlage jeder Bewertung ist die Einschätzung des Ertragspotenzials der Grünlandnarbe. Standortfaktoren wie die Wasserversorgung lassen sich nicht beeinflussen, weshalb eine angepasste Düngung, eine standortgerechte Nutzungsintensität und eine zielgerichtete Bestandsführung umso wichtiger sind. Zur Ermittlung möglicher Entschädigungszahlungen muss die beschädigte Fläche exakt bestimmt werden – ein Arbeitsschritt, welcher durch den Einsatz von Drohnen erleichtert werden kann.
Folgen des Klimawandels
Abschließend erläuterte Dr. Franziska Teubler vom Rheinland-Pfalz Kompetenzzentrum Klimawandel die klimatischen Veränderungen in Rheinland-Pfalz. Seit den 1990er-Jahren ist ein deutlicher Anstieg der Temperaturen zu verzeichnen. Zusätzlich zeigen sich regionale Unterschiede, insbesondere in Rheinhessen und der Vorderpfalz. Dort nimmt die Anzahl heißer Tage besonders deutlich zu. Wiederkehrende Hitzewellen wirken sich unmittelbar auf die Landwirtschaft aus: Der Eiweißgehalt des Grünlands sinkt, die Verdaulichkeit nimmt durch schnellere Verholzung ab. Gleichzeitig verlängern sich die Vegetationsperioden, und das Wachstum setzt früher im Jahr ein. Diese Faktoren erfordern eine Anpassung des betrieblichen Managements. In den Wintermonaten steigen die Niederschlagsmengen um rund 28 Prozent, während sie im Sommer um etwa 8 Prozent abnehmen. Zugleich treten sommerliche Starkniederschläge häufiger auf, sodass sich nicht nur die Mengen, sondern zunehmend auch die Struktur der Niederschläge verändern.
Eva Berwanger
Sachbearbeiterin Pflanzenbau
