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Vorschätzung der Wirtschaftsergebnisse für das laufende Wirtschaftsjahr – Prognose für 2025/26

Jedes Jahr zum Jahreswechsel errechnen die Bundesländer mit einer Landwirtschaftskammer eine Vorschätzung, oder auch Prognose der Wirtschaftsergebnisse genannte Hochrechnung der Ergebnisse des laufenden Jahres. Basis ist eine detaillierte Auswertung des Vorjahres in Bezug auf Erträge, Preise, Kosten und Rahmenbedingungen wie Prämien und Zinsen.

Zum Zeitpunkt der Hochrechnung ist die Ernte der Feldfrüchte abgeschlossen und durch die Ernteermittlung näherungsweise bekannt. Große Anteile sind bereits vermarktet, die Preisentwicklungen bei Futter- und Düngemittel für die erste Hälfte des Wirtschaftsjahres bereits dokumentiert. Diese Änderungen im laufenden Wirtschaftsjahr werden nach Menge und Preisänderung in der Hochrechnung berücksichtigt und mit den Daten des Vorjahres zum Ergebnis der Betriebsgruppe verrechnet. 
Fachlich macht die Vorschätzung die Auswirkungen von Preis- und Mengenänderung greifbar und beziffert das, was sich als Stimmungsbild der Landwirtschaft manifestiert und in Investitionstätigkeit oder Zurückhaltung – auf Basis der bekannten Fakten – zu erwarten ist.

Rückblick auf das Erntejahr 2025
Das Erntejahr 2025 startete mit einem nassen September, die Herbstaussaat gelang dennoch ohne größere Probleme, da ab Oktober die Niederschläge sich im Bereich des langjährigen Mittels einpendelten. Das Frühjahr war eher trocken, die Niederschläge blieben bis Juni teils deutlich unter dem Mittel. Der Regen kam aber mit steigenden Mengen bis Juli, der deutlich überdurchschnittliche Niederschlagsmengen brachte. Die Getreideernte war in Rheinland-Pfalz etwa 10 % über dem Vorjahr, HL-gewichte durchgängig gut bis sehr gut. Deutlich überdurchschnittlich waren auch die Hackfrüchte.

Marktpreisentwicklung 2025/26
Die Erzeugerpreise starteten auf Vorjahresniveau in die Ernte. Problematisch war von Beginn an der Absatz der Braugersten. Überhänge aus dem Vorjahr und eine mengenmäßig gute und qualitativ hochwertige Ernte ließ den Markt förmlich kollabieren, so dass Braugersten der Ernte 25 schon im Herbst nur noch vereinzelt über Futtergerstenpreis notierten. Die gute und hochwertige Getreideente drückte nicht nur die Aufschläge für bessere Qualitäten, das gesamte Preisniveau geriet unter Druck. Die guten Erträge der Ernte 25 waren nicht auf RLP begrenzt, weltweit brachte die Getreideernte eine reichliche Versorgung und die Erwartung steigender Lagerbestände.

Bei den Schweinen (Ferkel und Mastschweine) fiel schon die Grillsaison schwach aus, die Nachfrage für Schweinefleisch blieb zurückhaltend und die Preise für Schlachtschweine standen von Beginn des Wirtschaftsjahres unter Druck. Beginnend mit einem Niveau von 2,20 €/kg wurde die Notierung bis zum Jahreswechsel in 3 Etappen auf 1,60 € gesenkt, die Ferkel bewegten sich von rund 80 € auf aktuell rund 44 € Basispreis. Eine Korrektur nach oben ist derzeit nicht absehbar, deshalb wurden für die Prognose die Erlöse für Ferkel und Mastschweine deutlich zurückgenommen.

Milch / Rindfleisch
Auch in der Milchwirtschaft haben sich die Erlöse mit steigender Milchmenge ab Juli reduziert. Blieb die Milchanlieferung bis dahin unter der Vorjahreslinie, stabilisierte sich diese und fiel gegen den saisonalen Trend zum Herbst kaum ab. Ursächlich durfte die Aufarbeitung der Blauzungen-Auswirkungen sein, so dass nach überwundenem Krankheitsverlauf die Herden in die eigentlich schwächere Saisonhälfte mit kaum veränderten Mengen lieferten. In der Folge geraten die Milchpreise im weiteren Verlauf des Jahres zunehmend unter Druck. 
Rindfleisch hingegen kann den Höhenflug des Jahres 2024/25 fortsetzten und bleibt bei geringen Schwankungen bis zum Jahreswechsel auf historisch hohem Preisniveau. Hier wurde zum schon guten Vorjahr eine weitere Steigerung in Menge und Preis angenommen. 

Entwicklung der Aufwandsseite (seit 01.07.2025):

  • Dünger war im Vorkauf 8-10 % teurer
  • Der Mindestlohn steigt ab 01.01.26, auch mit Folgen für das übrige Lohnniveau.
  • Zukaufsfutter wird aufgrund gefallener Sojapreise günstiger erwartet
  • Das Zinsniveau wird als fester gesehen
  • Die Entnahmen der Betriebe dürften im Rahmen der allgemeinen Inflation und steigender Sozialversicherungen zunehmen 
     

Vorschätzung 2025/2026

Grafik: Identische Haupterwerbsbetriebe - Prognose 25/26
Identische Haupterwerbsbetriebe - Prognose 25/26

Für die Gruppen der ersten Ebene wird im Mittel ein Rückgang der Ergebnisse um etwa 20 % erwartet. Besonders stark wird es unserer Einschätzung nach die Veredlungsbetriebe bzw. veredlungsstarke Betriebe treffen. Stehen dem Preisdruck der Erzeugerpreise in allen anderen Betriebsgruppen bessere Naturalerträge gegenüber, so erwarten wir in der Schweinehaltung einen weiteren Rückgang an verkauften Mastschweinen und Ferkeln. 
Die Ergebnisse stellen eine Hochrechnung der Testbetriebsdaten dar und gelten für die hier vorliegende Zusammensetzung der Gruppen

Grafik: Haupterwerbsbetriebe - Prognose 25/26
Haupterwerbsbetriebe - Prognose 25/26

Bei den Betriebstypen der 2.Ebene (Landwirtschaft) erwarten wir den deutlichsten Rückgang der Ergebnisse bei den Hackfrucht-Betrieben (A-Hack) , da trotz sehr guter Rübenernte die weiteren Preisrückgänge erhebliche Auswirkungen haben werden. Verbundbetriebe des Pflanzenbaues (VB-Pfl) haben in Rheinland-Pfalz einen erblichen Anteil an Rebflächen und sind meist als Fasswein oder Traubenverkauf organisiert. Beide Bereiche des Weinbaus sind von den Preiseinbrüchen besonders betroffen, zudem haben die VB-Pfl Betriebe erhöhte Anteile an Hackfrüchten. Noch deutlicher wird der Rückgang der Ergebnisse im Weinbau erwartet, in der Grafik ist die Gesamtheit der Weinbaubetriebe zum Vergleich abgetragen. Auf die Vorschätzung zu den unterschiedlichen Vermarktungsformen des Weinbaus wird an anderer Stelle eingegangen. 

Grafik: Haupterwerbsbetriebe - Prognose 25/26
Haupterwerbsbetriebe - Prognose 25/26

Für die F-SO ( Futterbau Sonstige, für Futterbau ohne Milchviehschwerpunkt) Betriebe sehen wir aufgrund der anhaltend hohen Rindfleischpreise guten Chancen die Ergebnisse des Vorjahres zu übertreffen. Die Milchviehbetriebe hingegen werden 25/26 das überdurchschnittliche Niveau nicht halten können und trotz steigender Milchanlieferungsmenge und guter Fleischpreise einen Rückgang im Ergebnis verkraften müssen. Die eher veredlungsstarken Verbundbetriebe Pflanzenbau-Tierhaltung werden durch negative Preisentwicklung voraussichtlich den Abbau der Veredlung forcieren, was neben dem Preiseffekt auf Betriebsebene weitere Einnahmeausfälle bedeutet.

Hinweis : Für das laufende Wirtschaftsjahr ist die Anpassung der Tierbewertung auf Basis der steuerlichen Gruppenbewertung und der Standartherstellungskosten beschlossen. Die Anpassung der 2024/25  noch gültigen Bewertung aus 2001/2002 wird erhebliche Auswirkungen in Form von Buchgewinnen / Bewertungsanhebungen bei allen tierhaltenden Betrieben haben. Diese sind für die Prognose ausdrücklich ausgeklammert und nicht berücksichtigt. Trotz steuerlicher Gestaltungsmöglichkeiten wird die Bewertungsanpassung die Ergebnisse 25/26 beeinflussen. 
 

Prognose Weinbau

Grafik: Haupterwerbsbetriebe Weinbau - Prognose 25/26
Haupterwerbsbetriebe Weinbau - Prognose 25/26

Die Krise hat den Weinbau weiter fest im Griff. Die frühe Lese 25 mit schwachen Mengenerträgen wird als qualitativ sehr gut eingeschätzt, was aber über die Preis- und Absatzprobleme nicht hinwegtäuschen kann. Einfache Grundweine im Fass notieren um 40 Cent (Vorjahr 50 Cent), Qualitäten bis zur Spätlese werden mit Preisen um 80 Cent ebenfalls historisch schlecht bewertet. Hinzu kommt, dass sich viele Partien nur im Koppelgeschäft mit stärker nachgefragten Sorten überhaupt im Handel unterbringen lassen. Weniger dramatisch stellt sich da nur die Situation bei den Betrieben dar, die nach langer Aufbauarbeit einen großen Anteil der Ernte als Flaschenwein vermarkten können. Auch diese spüren die Kaufzurückhaltung breiter Kundenkreise, können aber mit stabileren Erlösen arbeiten. Die Ergebnisse der letzten beiden Buchführungsjahre waren durch Einsparungen in den Betrieben bei Unterhaltung, Afa und Personal gestützt, ein Weg der nicht endlos fortgeschrieben werden kann. In der Folge wird in dieser Prognose für den Weinbau insgesamt mit weiteren Einbußen um ca. 25.000 € im Ergebnis erwartet. Beim erreichten, niedrigen Niveau bedeutet dies nochmals eine annähernde Halbierung der Gewinne.  

Fazit: Völlig unzureichende Unternehmensergebnisse
Festzuhalten bleibt, dass die Entwicklung an den nationalen und internationalen Agrarmärkten für die landwirtschaftlichen Betriebe aller Betriebsformen deutliche Einkommenseinbußen
verursacht, die den notwendigen Rentabilitätskriterien für Neuinvestitionen und Risikoabsicherung nicht entsprechen. Das für die Betriebsentwicklung notwendige Ergebnis zur vollen
Entlohnung der Faktorkosten wird bei einem Großteil der Haupterwerbsbetriebe verfehlt. Durch die Ausgaben für Einkommenssteuern, private Versicherungen, Lebenshaltung, Altenteilerleistungen und private Altersvorsorge verschärfen sich die Liquiditätsprobleme. Eine beachtliche Zahl der Familienbetriebe wird am Ende des laufenden Wirtschaftsjahres sogar negative
Unternehmensergebnisse mit deutlichen Eigenkapitalverlusten hinnehmen müssen.
 

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Beratung, BWL

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