| Tierzucht

Volles Haus bei der Mitgliederversammlung der Züchtervereinigung Trier-Wittlich

Sehr gut besucht war die Mitgliederversammlung der Züchtervereinigung Trier-Wittlich, die im Leinenhof in Schweich stattfand.
Kammervorstand Harald Schneider zeichnete die erfolgreichen Betriebe mit den Kammerpreismünzen aus.

Zur Eröffnung der Veranstaltung begrüßte der Vorsitzende Jürgen Krämer aus Manderscheid die Anwesenden, insbesondere die Ehrengäste und Referenten.  

Als ersten Tagesordnungspunkt präsentierte die Geschäftsführerin Nadine Hemmes den Geschäftsbericht aus dem Jahr 2025.         Zunächst gab es einen Überblick über die Rinderhaltung in der BRD, wo derzeit ca. 10,4 Mio. Rinder stehen (davon ca. 3,6 Mio. Milchkühe). Das sind 2,2 Mio. Tiere weniger als noch vor zehn Jahren. Die meisten Tiere stehen in Bayern und Niedersachsen. In der Züchtervereinigung Trier-Wittlich sind 95 Milchviehbetriebe (8 weniger als im Vorjahr) mit 8.729 Kühen der MLP angeschlossen, und 28 Mutterkuhbetriebe mit elf verschiedenen Rassen sind im Fleischrinder-Herdbuch Bonn registriert. Die Milchleistung der 50 MLP-Betriebe in Bernkastel-Wittlich lag mit 9.525 kg Milch über dem LKV-Schnitt von 9.433 kg Milch (bei 893 MLP-Betrieben in RLP-Saar). In Trier-Saarburg lag die Milchleistung der 45 MLP-Betriebe bei 8.297 kg Milch und damit deutlich unter dem LKV-Durchschnitt. Die Anzahl Kühe pro Betrieb ist im Kreis Wittlich mit 105,4 Kühen deutlich größer als im Kreis Trier mit 76,8 Kühen. 

Außerdem wurden die höchsten Jahresleistungen sowie die höchsten Lebensleistungen einzelner Kühe verschiedener Rassen vorgestellt. In der Kategorie „höchste Lebensleistung“ schafften sage und schreibe 42 schwarzbunte und acht rotbunte Holsteinkühe eine Lebensleistung von über 100.000 kg Milch. Die Liste der höchsten Herdendurchschnittsleistungen führt seit Jahren der Betrieb Schröder aus Eisenschmitt an. Die Herde erzielte im vergangenen Jahr eine Milchleistung von 12.771 kg mit einer Fett-Eiweißmenge von 981 kg. Dicht gefolgt von der Herde von David Engel aus Hetzerath mit 941 kg Fett-Weiß und 12.333kg Milch. Die Zens GbR aus Musweiler konnte eine Milchleistung von 12.038 kg Milch mit 919 kg Fett- und Eiweiß-kg erzielen und die Kühe von Axel Hemmes aus Damflos erreichten 897 kg Fett- und Eiweiß-kg bei einer Milchleistung von 11.865 kg. 
Erstbesamungszahlen, Vermarktung und Herdbuchzucht 
Die Erstbesamungszahlen sind im Landkreis Bernkastel-Wittlich insgesamt um 14,07 % im Vergleich zum Vorjahr von 3.874 auf 4.419 gestiegen. Es wurden deutlich mehr rotbunte Bullen und vor allem sonstige Rassen eingesetzt, aber auch etwas mehr schwarzbunte Holsteinvererber. Im Landkreis Trier-Saarburg gab es insgesamt einen leichten Rückgang bei den Erstbesamungen um 2,57 % von 1.985 Erstbesamungen im Vorjahr auf nun 1.934 über alle Rassen. Hier gab es insbesondere einen deutlichen Rückgang (um 12,45 %) bei den sonstigen Rassen. Zur Zucht verkauft wurden insgesamt 403 Tiere (Daten vom LKV, Abgänge zur Zucht), davon 177 Tiere aus Trier-Saarburg und 226 Tiere aus Bernkastel-Wittlich. Die Anzahl der Tiere, die 2025 in den Herdbuchbetrieben zur Kuheinstufung und Nachzuchtbewertung vorgestellt wurden, ist von 560 Tieren in 2024 auf nun 552 Tiere gesunken. Von den 552 bewerteten Kühen waren es 436 im Kreis Wittlich und 116 im Kreis Trier. Im Rahmen der Kuheinstufung gab es zwei Fünftkalbskühe, die das Prädikat EXCELLENT erhielten.

Neue EX-Kühe im Jahr 2025 der Züchtervereinigung Trier-Wittlich:
ZS Eloise / Jetset x Aftershock / 05/90-88-89-91/90 / Stefan & Matthias Zens GbR, Musweiler
Belana / Louis PP x Lauthority / 05/91-90-87-91/90 / Norbert Zehren, Kirf-Beuren

Veranstaltungen im Jahr 2025
Im vergangenen Jahr wurden die folgenden Veranstaltungen, an denen Betriebe aus der Züchtervereinigung Trier-Wittlich teilgenommen haben, durchgeführt: 
• Letzte Mitgliederversammlung der ZV in Schweich am 04.02.2025
• 63. VG Tierschau der ZV in Kell am See am 25.08.2025 (sechs Betriebe aus Trier und Wittlich nahmen teil)
• Hoftreff der ZV auf dem Betrieb Theisen in Niederöfflingen am 19.10.2025
• RUW Schau in Hamm am 05.11.2025 (zwei Betriebe aus Trier und Wittlich nahmen erfolgreich teil)

Kassenbericht 
Geschäftsführerin Nadine Hemmes präsentierte im Anschluss den Kassenbericht 2025. Die beiden Kassenprüfer Peter Follmann aus Dodenburg und Fabian Reichert aus Reinsfeld bestätigten die Vollständigkeit aller Belege und Eintragungen im Kassenbuch sowie die Richtigkeit der Kassenführung. Die Entlastung für Vorstand und Geschäftsführung erfolgte einstimmig. Vielen Dank an alle Vorstandsmitglieder und Kassenprüfer für ihre geleistete ehrenamtliche Tätigkeit für die Züchtervereinigung Trier-Wittlich.
  
Überblick zum aktuellen Tierseuchengeschehen 
Einen Überblick zum aktuellen Tierseuchengeschehen, vor allem im Bereich der Rindererkrankungen, gab Frau Dr. Marx, Amtsveterinärin aus Trier-Saarburg. Zur hochansteckenden Viruserkrankung BHV1 erläuterte sie, dass Deutschland seit mittlerweile zehn Jahren seuchenfrei ist, weshalb nun eine Anpassung der Überwachung dieser Tierseuche angeordnet wurde. Beispielsweise müssen Mutterkuhbetriebe nun nicht mehr jährlich, sondern nur noch im zweijährigen Rhythmus eine Untersuchung ihrer Tiere vornehmen. In Bezug auf die Biosicherheit der Betriebe wies Dr. Marx darauf hin, dass die Betriebsleiter die Risikoampel der Uni Vechta nutzen können, um das Biosicherheitskonzept ihres Betriebes zu überprüfen. Sie ging außerdem kurz auf die Blauzungenkrankheit, ebenfalls eine Viruserkrankung, die durch Gnitzen übertragen wird, ein. Hier gibt es verschiedene Serotypen. Der Serotyp 3 kursiert seit 2023 in Deutschland, und das ganze Land ist Sperrzone für BTV 3. Vom Serotyp 8 gibt es seit Oktober 2025 ebenfalls Fälle in Deutschland. Marx empfiehlt nach Vorgaben der StikoVet ganz klar gegen beide Serotypen von BTV zu impfen. Die Tierseuchenkasse Rheinland-Pfalz zahlt den Betrieben dabei eine Beihilfe in Höhe von 2,50€ pro Impfung und Tier. Abschließend ging sie noch kurz auf die hochansteckende Viruserkrankung Lumpy Skin Disease (LSD), die auch durch Insekten übretragen wird, ein. Von LSD gibt es seit letztem Jahr Fälle in Italien, Frankreich und Nordspanien. 

Ehrungen erfolgreicher Züchter
Ein besonderer Tagesordnungspunkt im Rahmen der Mitgliederversammlung ist die Ehrung erfolgreicher Züchter. Einige Betriebe wurden mit Kammerpreismünzen in Silber und Bronze ausgezeichnet. Harald Schneider, Vorstandsmitglied der Landwirtschaftskammer, überreichte in Vertretung des Kammerpräsidenten Ökonomierat Michael Horper die Urkunden und Medaillen der Landwirtschaftskammer an die Züchter. Er erläuterte kurz die Kriterien, wie Herdenleistung, besondere Einzeltierleistungen, wie 100.000 kg-Kühe, EX-Kühe und Teilnahme an Tierschauen, die der Vergabe dieser Auszeichnung zugrunde liegen. Harald Schneider betonte, dass diese einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Rinderzucht und der positiven Wahrnehmung der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit seien, da sie die wahren Tierschützer sind. 

Kammerpreismünzen in Silber oder Bronze für besondere Leistungen in der Tierproduktion 2025 erhielten:

Helmut Schröder, Eisenschmitt, Silber
Stefan & Matthias Zens GbR, Musweiler, Silber
Norbert Zehren, Kirf-Beuren, Silber
Frank Mertes, Salmtal, Bronze
Martin Adam, Morbach-Hundheim, Bronze

Neben der Auszeichnung mit den Kammerpreismünzen gab es weitere Ehrungen von der Rinder-Union West eG für die 100.000-kg-Kühe. Insgesamt haben 19 Kühe aus der ZV Trier-Wittlich im vergangenen Jahr die 100.000 kg-Milchmarke geknackt, und der Betrieb Schröder aus Eisenschmitt erhielt eine Urkunde für die Kuh Flecki, die eine Leistung von über 10t Fett- und Eiweiß-kg erreichte.

Interessanter Fachvortrag mit Betriebsvorstellung von Henk van Wijk zur Markushof Losheim KG 
Als letzten Tagesordnungspunkt stellte Henk van Wijk seinen Milchviehbetrieb Markushof Losheim KG im Saarland vor. In seinem interessanten Vortrag erläuterte er seine Philosophie, wie mit viel Kuhkomfort und klar strukturierten Arbeitsabläufen gesunde, langlebige und leistungsstarke Kühe gemolken werden können. Auf dem Betrieb wird eine klare grasbetonte Fütterungsstrategie gefahren. Henk van Wijk nutzt für die ökonomischen Berechnungen des Betriebes den sog. IOFC (=income over feed cost), bei welchem die aktuellen Milcherlöse den Futterkosten gegenübergestellt werden. Er legt großen Wert auf ausreichend Platz im Stall: Dabei propagiert er eine Unterbelegung, sodass mehr Liegeboxen als Tiere im Stall vorhanden sind. Auch in der Kälberaufzucht wird Wert auf klare Strukturen, wie die frühe Verabreichung von hochwertigem Kolostrum und eine lange Tränkephase von bis zu vier Monaten, gelegt. In der Zucht setzt der Betriebsleiter zu 100% hornlose Vererber ein. Er betonte, dass ihm außerdem der Zusammenhalt und das Engagement seines 16-köpfigen Mitarbeiterteams ein besonderes Anliegen ist. Zusammenfassend ist er der Ansicht, dass mit klaren Strukturen, einem hervorragenden Management, sehr guter Fütterung, motivierten Mitarbeitern und vor allem gesunden, langlebigen Kühe extrem hohe Leistungen realisiert werden können. Die Zahlen der Milchleistungsprüfung sprechen da ganz klar für seine Thesen.

Herzlichen Glückwunsch allen Geehrten und vielen Dank an die Referenten für die spannenden Vorträge sowie allen Anwesenden für ihr Kommen.  
Nadine Hemmes, Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz 
 

#Themen

Tier

Teilen

Zurück