Kerner Spätlese und Gewürztraminer von der Nahe punkten

„Es ist schon wieder passiert!“ Hans Günter Breisig, Prüfstellenleiter der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz in Bad Kreuznach, kann es kaum fassen: „Nachdem im vergangenen Jahr in der Qualitätsweinprüfung nicht ein Wein von der Nahe die Höchstbewertung von fünf Punkten erhalten hat, sind es 2018 schon drei.“ Nach dem Gelben Muskateller des Weinguts Kronenbergerhof aus Wallhausen kamen nun eine 2017er Kerner Spätlese des Weinguts Großmann-Bergmann aus Windesheim und ein 2017er Gewürztraminer Qualitätswein süß des Weingutes Edelberg aus Weiler/Nahe hinzu.

„Wir freuen uns, dass unsere Arbeit von den Prüfern anerkannt worden ist“, sagt Marco Bergmann, der mit seiner Frau Christina, den Söhnen Tom und Lukas sowie den Schwiegereltern Helmut und Rita Großmann 13,5 Hektar Weinberge bewirtschaftet. „Auf der Top-Lage Windesheimer Römerberg, geprägt durch roten Sandstein, wachsen unsere Grauburgunder-, Weißburgunder- und Riesling-Reben und seit 2005 auch die Kerner-Reben. Die erste Pflanzung dieser Rebsorte in unserem Betrieb fand 1973 statt. Seither ist sie aus unserem Sortiment nicht mehr wegzudenken“, so der Winzer. Durch Ausdünnen und Selektion am Rebstock sowie entlauben nehmen die Erzeuger großen Einfluss auf die Qualität der Trauben. „Im Jahr 2017 präsentierten sie sich bei der Ernte goldgelb und mit vollem Aroma“, erinnert sich Bergmann. Nach der Lese wurden die Trauben, aus denen die Kerner Spätlese entstanden ist, entrappt und standen acht Stunden auf der Maische. „Ich lege sehr viel Wert auf schonende Verarbeitung und gekühlte Gärung im Edelstahltank, um das Aroma zu erhalten, das die Beeren aus dem Weinberg mit in den Keller bringen.“ Bei viermonatiger Hefelagerung konnte der Wein reifen und seine volle Frucht zeigen. Im Glas erlebt man die Spätlese mit eigener Fruchtsüße vollmundig und schmeichelnd am Gaumen. Der Duft von heimischen gelben Früchten, wie Aprikose und Mirabelle, in Verbindung mit einem dezenten Muskatton machen diesen Wein zu einem Geschmackserlebnis. Er passt ideal zu Käse-Variationen oder rundet ein Menü als Dessertwein ab.

Brüder arbeiten Hand in Hand
Zum Dessert und zu Käse passt auch der Gewürztraminer aus Weiler, der ebenfalls mit fünf Punkten bewertet wurde. Peter und Michael Ebert arbeiten im Weingut Edelberg Hand in Hand. Über zwei Drittel der Rebfläche von 18 Hektar nehmen der Riesling und die Burgundersorten ein. Das restliche Drittel teilen sich Exoten wie Gelber Muskateller, Bacchus, Kerner und Gewürztraminer. Und der letztgenannte Exot hat die Prüfer der Qualitätsweinprüfung besonders begeistert. Bei den Eberts werden alle Trauben von Hand gelesen. „So viel wie nötig, so wenig wie möglich“, lautet das Motto. Sie legen großen Wert darauf, dass jeder Wein sein Terroir widerspiegelt. „Unter Terroir verstehen wir: Das Zusammenspiel der Lage, des Bodens, der Rebe, der Natur und natürlich uns“, erklärt Michael Ebert.
Mit dem 2017er Gewürztraminer ist den Winzern ein Wein gelungen, der sowohl den Duft als auch den Geschmack nach Rosen mitbringt. Außerdem ist eine leicht herbe Note nach Grapefruit vorhanden. Die 30 Jahre alten Reben stehen im Meddersheimer Altenberg. „Durch die Frostschäden Ende April gestaltete sich die Lese nicht ganz so einfach. An einem Stock waren verschiedene Entwicklungsstadien, zum einen Vollreife, zum anderen grüne noch unreife Trauben“, erinnert sich Michael Ebert. Die vollreifen Trauben wurden dann am 27. September 2017 mit 92 Oechsle per Hand gelesen und die Maische nach einer zwölfstündigen Maischestandzeit abgepresst. „Anschließend haben wir den Most gekühlt vergoren und beim gewünschten Restzuckergehalt mit Kälte abgestoppt“, so Ebert.
„Sowohl die Kerner Spätlese als auch der Gewürztraminer sind hervorragende Weine, die einfach Spaß machen und zum Genießen einladen“, fasst Prüfstellenleiter Hans Günter Breisig zusammen. Wer nähere Informationen zu den Weingütern haben möchte, findet diese auf den Internetseiten www.grossmann-bergmann.de beziehungsweise www.weingut-edelberg.de.

Hintergrundinformation:
Die Landwirtschaftskammer führt im Auftrag des Landes Rheinland-Pfalz die Amtliche Qualitätsweinprüfung für rheinland-pfälzische Weine und Sekte durch. Jeder Erzeuger, der seinen Wein als Qualitätswein vermarkten möchte, benötigt dazu eine Amtliche Prüfnummer. Diese erhält er von der LWK RLP, indem er seinen Wein zusammen mit einem Antrag einreicht. Mitarbeiter der Kammer überprüfen, ob der Antrag vollständig ist und die richtigen Angaben enthält und ob die in einem zugelassenen Labor durchgeführte Analyse weinrechtlich korrekt ist. Der dritte Schritt ist die sensorische Prüfung. Hierbei bewerten mindestens drei geschulte Prüfer den Wein im Hinblick auf die Fehlerfreiheit von Geruch, Geschmack und Harmonie. Die hier zu erreichende Höchstpunktzahl liegt bei fünf Punkten. Erhält ein Erzeugnis im Durchschnitt weniger als 1,5 Punkte, so wird keine Amtliche Prüfnummer erteilt. 

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