Leandra und Avalon erneut für den Anbau in RLP empfohlen

Kurz nach der Sitzung des Sortengremiums der „Braugerstengemeinschaft e.V.“ auf Bundesebene, mit Sitz in München, kamen heute die Mitglieder des Technischen Ausschusses der „Fördergemeinschaft Braugerste Rheinland Pfalz e.V., im Hause der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, zusammen, um über die Anbauempfehlung 2020 für Rheinland-Pfalz zu beraten und abschließend zu befinden.

Die Expertengruppe setzt sich zusammen aus Vertretern von Braugersten-Erzeugern aus Rheinland-Pfalz, des Handels, der Malzindustrie, der Brauwirtschaft und des Staatlichen Versuchswesen aus RLP.

Der „Technische Ausschuss“ hat das Ziel eine eindeutige Empfehlung auszusprechen, welche aktuellen Sorten unter den gegebenen Rahmenbedingungen einen möglichst hohen wirtschaftlichen Erfolg für alle in der Wertschöpfungskette Beteiligten versprechen. Dabei werden sowohl wichtige agronomische Eigenschaften (Ertrag, Gesundheit, Standortbedingungen) als auch Ausschlusskriterien für die Verarbeitung des Rohstoffes Braugerste berücksichtigt. 

Für das Anbaujahr 2020 wird vom „Technischen Ausschuss der Fördergemeinschaft Braugerste Rheinland-Pfalz e.V.“ sowohl für die Höhengebiete als auch für die Wärmelagen, die in den beiden letzten Jahren schon erfolgreich geprüfte Sorte Leandra“ aus dem Züchterhaus Breun empfohlen. Leandra ist eine Avalon-Kreuzung mit verbessertem Ertrag; sie ist standfest und weist gute Resitenzeigenschaften gegenüber Mehltau, Netzflecken, Rhynchosporium und auch Zwergrost auf; ebenso überzeugten ihre Verarbeitungsqualitäten im Mälz- und Brauprozess.

Für 2020 bleibt desweiteren die Sorte „Avalon“ in der Empfehlung. Avalon verfügt über mittlere bis gute Eigenschaften bei Halmstabilität, Gesundheit, Abreife und auch sehr gute Kornerträge; hat aber ihre Probleme in der fehlenden Mlo-Resitenz (verbunden mit einer höheren Mehltauanfälligkeit und der höheren Anfälligkeit für Rhynchosporium). 

Die im vergangenen Jahr auch in Rheinland-Pfalz im großtechnischen Versuch erstmalig angebaute (neue) Sorte Prospect (aus dem Züchterhaus SZ Streng; vertrieben von der IG Pflanzenzucht GmbH, München) erhielt dagegen, trotz aktuell erteilter Verarbeitungsempfehlung über das „Berliner Programm“, von den Mitgliedern aus dem Technischen Ausschuss der Fördergemeinschaft Braugerste Rheinland-Pfalz e.V., keine Anbauempfehlung für das Gebiet von Rheinland-Pfalz. 

Bundesweit wartet diese Sorte aktuell mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen auf. Die ausgewerteten Daten aus Rheinland-Pfalz (und dem Saarland) weisen jedoch, im Vergleich zu den weiteren überregionalen Daten, eher nur durchschnittliche Ergebnisse für die Sorte Prospect aus. 

Im Sinne der Konzentration des Anbaus auf nur wenige Sorten sprach sich das Sortengremium aus Rheinland-Pfalz insofern einstimmig gegen eine Anbau-Empfehlung für die Sorte „Prospect“ für Rheinland-Pfalz aus.

Gleiches wiederfuhr auch den schon länger bekannten Sorten „Accordine“ („Berliner-Programm-Sorte“) und „RGT Plantet“ (keine Verarbeitungsempfehlung nach dem „Berliner Program“).  

Die Fördergemeinschaft Braugerste Rheinland-Pfalz e.V. empfiehlt den Erzeugern aus Rheinland-Pfalz definitiv nur dann Sorten ohne „Anbau- bzw. Verarbeitungsempfehlung“ im aktuellen Jahr 2020 anzubauen, wenn ihr Absatz über preislich besonders attraktive Abnahmeverträge gesichert werden kann. 

Für den großtechnischen Versuchsanbau in 2020 in Rheinland-Pfalz sprach sich der „Technische Ausschuss“ desweiteren für den Anbau und die Prüfung der neuen Sorten „Amidala“ (Züchter: Nordsaat) und KWS Jessie (Züchter: KWS Lochow) aus.

Diese vom BSA im Dezember 2019 neu zugelassenen Braugersten-Sorten, die bisher in sehr vielen wichtigen Merkmalen rundum überzeugen konnten, sollen 2020 in beiden Klimaräumen von Rheinland-Pfalz, sowohl im Hunsrück, als auch in Rheinhessen, auf jeweils 20 ha, gegen die Sorte „Avalon“ in der Praxis geprüft werden. Die Erträge der jeweiligen Gersten werden dann, im Herbst / Winter 2020/21, in einer Mälzerei aus RLP gemälzt und über großtechnische Brauversuche, durchgeführt bei der Bitburger- und auch bei der Karlsberger-Brauerei, hinsichtlich ihrer Brau- und Verarbeitungsqualitäten beurteilt.

Reimund Möcklinghoff

-Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz-