Aktuelles zum Milchmarkt

Milchanlieferung saisonal bedingt weiter ansteigend; überwiegend stabile Erzeuger- als auch Produktenpreise.

Laut Schnellberichterstattung der ZMB ist das Milchaufkommen in Deutschland seit Dezember 2019 saisonal bedingt ansteigend; in den vergangenen Wochen sogar insgesamt deutlicher.

Milchpreistabelle und den Gesamtbericht als Pdf-Dokumente am Ende des Artikels 

Dennoch lag die wöchentliche Milchanlieferung in der 11. KW 2020 exakt auf dem Niveau der Vorwoche, aber immerhin um 2 % über dem Niveau aus der vergleichbaren Vorjahreswoche und zuletzt sogar schon um 1,1 % über dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum, ab Jan. 2020 bis einschließlich dem 15.03.2020).

Der Markt für flüssigen Rohstoff ist gut versorgt. Die Preise für Industrierahm haben zuletzt etwas nachgegeben, auch Magermilchkonzentrat wird weiterhin zu schwachen Preisen gehandelt; die Spotmilchmarkt-Preise tendieren fortgesetzt leicht schwächer. 

Zur Erzeugung von Milchprodukten

Die ZMB berichtet (am 19.03.2020), dass zuletzt (in der11. KW 2020) von den meldenden Molkereien aus Deutschland insbesondere die Produktion von  Magermilchpulver (+ 5,8) und auch von Käse (+ 1,0 %) wieder ausgeweitet worden sei; demgegenüber wurde zuletzt die Produktion von Butter wieder etwas  eingeschränkt (um - 1,2 %; im Vergleich zur Vorwoche).

Zurzeit wird viel Rohstoff zur Herstellung von Frischeprodukten benötigt. 

Sehr hohe Nachfrage nach Produkten aus dem weißen Sortiment

In Folge der Maßnahmen, die aktuell zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie getroffen werden, steigt die Nachfrage nach Produkten aus dem weißen Sortiment im LEH zurzeit stark an. Stark rückläufig ist hingegen der Absatz in den meisten Segmenten des Außer-Haus-Konsums. Besonders stark nachgefragt ist zurzeit H-Milch. Aber auch sonstige Frischprodukte werden vermehrt nachgefragt. Die Molkereien sind bemüht, die erhöhten Nachfragen zu bedienen. 

Abgepackte Butter sehr stark nachgefragt

Wegen der Verlagerung des Konsums in die privaten Haushalte liegt der Absatz an abgepackter Butter zurzeit auf Rekordniveau. Dennoch verharren die Preise bislang  stabil auf dem Niveau der Vorwochen (Börse Kempten (18.03.2020),  im Mittel unverändert bei: 3,30 EUR/kg).

Am Blockbutter-Markt ist die Lage hingegen eher ruhig. Es wird weniger Ware hergestellt; die Herstellung von abgepackter Butter steht im Vordergrund. Bestehende Kontrakte werden zügig abgerufen; auf vordere Termine kommen aber kaum neue Abschlüsse zustande; aber auch aus Drittländern gehen nun Anfragen ein. Dennoch:  Nach wie vorliegen die Preisvorstellungen von Käufern und Verkäufern weit auseinander. Die Blockbutter-Preise tendieren stabil. An der Börse in Kempten (am 18.03.2020) wurden unveränderte Preise von 3,40 bis 3,60 EUR/kg (im Mittel: 3,50 EUR/kg) notiert. 

Anhaltend hohe Nachfrage nach Schnittkäse

Die AMI berichtet, dass aktuell die Nachfrage nach Schnittkäse insgesamt höher als üblich sei. Insbesondere der LEH ordere wegen der verstärkten privaten Vorratskäufe zurzeit außergewöhnlich hohe Mengen. Mitunter sei die erhöhte Nachfrage auch nicht im vollen Umfange zu bedienen. Dagegen tendiere der Bedarf im Foodservice, als Folge aus den Maßnahmen gegen das Corona-Virus, eher rückläufig.

Je stärker das öffentliche Leben eingeschränkt werde, umso mehr verlagere sich der Konsum in die privaten Haushalte. Damit sei der Nachfragerückgang aus dem Hotel- und Gaststättenbereich gut kompensierbar. Auch die Industrie zeigt weiterhin einen hohen Bedarf an Schnittkäse; denn über den LEH werden verstärkt auch Fertiggerichte von den Endkunden gekauft. Auch über den Export in Drittländer fließt stetig Ware ab; hier haben sich die Logistik-Kosten jedoch eher verteuert.

Je nach Sortiment sollen sich die Bestände in den Reifelagern auf einem eher sehr niedrigen Niveau befinden. Die Schnittkäse-Preise tendieren insgesamt stabil (Börse Hannover und Kempten; 18.03.2020); von den Herstellern werden für längerfristige Kontrakt-Abschlüsse höhere Preise gefordert. 

Milchpulver-Markt mit merklichen Schwächen  

Die Lage an den Milchpulver-Märkten hat sich, ausgelöst durch die Corona-Epidemie, merklich beruhigt. Am Magermilch-Pulvermarkt berichtet die Börse in Kempten (18.03.2020) von deutlich schwächeren Tendenzen. Bestehende Kontrakte werden abgewickelt; neue Abschlüsse kommen aber kaum zu Stande. Am Weltmarkt besteht (laut AMI) ein gewisses Kaufinteresse für Magermilch-Pulver aus verschiedenen Regionen. Die Nachfrage aus China soll aber weiterhin zurückhaltend sein. Zudem stehe die Logistik nun auch vor neuen Herausforderungen. Nachdem es in China zunächst zu einem Rückstau bei der Abwicklung von Importen in den Häfen von China gekommen sei, sei noch immer der Rücklauf von Containern verzögert. Die Kosten für Container und Frachten seinen deutlich gestiegen. Nach den „China-Problemen“ treten nun vermehrt auch innerhalb der EU Logistik-Probleme auf. Obwohl der Warenverkehr frei ist, kommt es an den Grenzen innerhalb der EU, wegen Personenkontrollen, zu langen Staus und Wartezeiten; außerdem fehlen LKW-Fahrer. Aktuell haben die Preise für Magermilchpulver in Lebensmittelqualität (LMQ), aber auch in FMQ, um ca. 80 bis 100 EUR/t (im Vergleich zur Vorwoche) nachgegeben; zudem tendieren die Preise uneinheitlich (Börse Kempten, 18.03.2020).

Vollmilchpulver wird vor allem innerhalb des europäischen Binnenmarktes gehandelt; die Weltmarkt- Nachfrage ist ruhig. Die Marktbeteiligten beurteilen das  Kaufinteresse unterschiedlich. Eine gute Nachfrage besteht z.B. nach Produkten, wie Schokolade und Kekse, die Vollmilchpulver enthalten und länger haltbar sind. Die Preise für Vollmilch-Pulver tendieren uneinheitlich und insgesamt eher schwächer. Der Rückgang ist aber weniger ausgeprägt als bei Magermilchpulver.

Auch am Molkenpulver-Markt wird aktuell von schwächeren Tendenzen berichtet; in den vergangenen drei Wochen tendierten die Preise stetig rückläufig (Börse Kempten; 18.03.2020). 

Global Dairy Trade Tender: In Serie schwächer

Beim letzten (am 17.03.) und auch bei den drei zuvor gehenden Global Dairy Trade Tender (am 03.03, am 18.02 und auch am 04.2.2020) setzte sich der Preisrückgang dieses Indexes fort. Im Schnitt fiel der GDT-Index,  über alle Produkte und Zeiträume, zuletzt erneut um erneut 3,9 % (im Vergleich zur Vorauktion am 03.03.).  Die jüngsten Preisrückgänge werden auf den Ausbruch des Coronavirus in China und nun auch weltweit zurückgeführt. Der rasante Anstieg der Erkrankungen führt weltweit zur Verunsicherung an allen Märkten für alle Agrarprodukte.

Die deutlichsten Preisrückgänge gab es zuletzt beim Magermilch-Pulver (- 8,1 %), merklich schwächer tendierte aber auch Vollmilch-Pulver (- 4,2 %), dem an der Börse wichtigstem Handelsprodukt. Leicht schwächer (- 1,0 %) notierte am 17.03. auch wasserfreies Fett / Butteröl. Demgegenüber notierten Laktose (+ 4,9 %), Käse (+ 2,6 %), Kasein (+ 1,0 %) und auch Butter ( + 0,3 %) zuletzt wieder leicht fester. Buttermilch-Pulver war zuletzt nicht angeboten und für Süßmolken-Pulver wurden keine Preise ermittelt. Die zuletzt gehandelten Mengen (gehandelt wurden zuletzt nur 24.209 t) gingen ebenfalls weiter zurück (um - 5,2 % zur Vorauktion am 03.03.2020). 

Kieler-Rohstoffwert: Für Februar 2020 nun wieder leicht schwächer

Für Februar 2020 ermittelte das "ife-Institut, Kiel" für den "Kieler-Rohstoffwert Milch" (für Milch mit 4% Fett, ab Hof des Erzeugers, o. MwSt.) zuletzt einen leicht schwächer tendierenden Rohstoff-Wert-Milch, nun in Höhe von 35,5 ct/kg Milch (- 0,70 ct/kg M.; bzw. - 1,9 % zum Jan.-Wert 2020, in Höhe von 36,2 ct/kg Milch).

Der aktuelle Febr.- Rohstoffwert-Milch liegt damit um  + 3,40 ct/kg Milch (bzw. nun mit + 10,6%), über dem ife-Rohstoffwert für Febr.- Milch 2019.

Damals wies das ife-Institut einen Rohstoffwert Milch (bei 4 % Fett) in Höhe von immerhin nur 32,1 ct/kg Milch aus. Die neuerliche Preisabsenkung des Kieler - Rohstoffwertes für den Monat Febr.. 2020 erklärt sich vor allem aus den zuletzt leicht schwächer tendierenden Preisen vor allem für Magermilch-Pulver. Der Kieler-Rohstoffwert berücksichtigt nur die aktuellen Verwertungserlöse für Butter und Magermilchpulver; unberücksichtigt bleiben dabei die langfristigen Kontraktpreise. Der Rohstoffwert gibt also nicht den Auszahlungspreis einer bestimmten Molkerei an; er gilt aber als wichtiger Indikator für die Milchmarkt-Preisentwicklung in Deutschland und Europa. 

EU - Spotmilchmarktpreise: Insgesamt schwächer

Offiziell stellte die EU-Kom. (zuletzt am 08.03.2020) fest, dass der

italienische Spotmilchmarktpreis (bei 3,6 % Fett, frei Molkerei; Quelle: Clal.it), von ehemals von 42,3 (am 13.01. und auch am  22.02.2019), von 40,0 (am 31.03.), von 38,3 (am 08.05.), von 41,0 (am 09.06.), von 45,0 (am 30.06.), von 46,3 (am 14.07.), von 45,8 (am 21.07.), von 45,0 (am 01.09.), von 45,5 (am 08.09.) von 46,0 (am 15. u. a. am 22.09.), von 45,8 (am 29.09.), von 45,0 (am 06.10. u. a. am 20.10.), von 44,8 (am 27.10. u. a. am 31.10.), von 44,3 (am 03.11.), von 44,0 (am 10.11.), von 43,8 (am 17.11.), von 44,0 (am 24.11. und am 01.12.)), von 43,4 (am 08.12.), von 43,0 (am 15.12.), von 40,3 (am 29.12.19), von 39,3 (am 12.01.20), von 40,0 (am 19. und am 26.01.), von 39,5 (am 02.02.), von 38,8 (am 09.02.), von 37,8 (am 16.02.), von 37,5 (am 23.02.) von 36,1 (am 01.03.) zuletzt sogar nur noch auf einen Preis in Höhe von 35,3 ct/kg Milch (am 08.03.2020) zurückgefallen ist. Für die Niederlande werden von der EU -Kommission seit Mitte März 2019 keine neueren Preise genannt. 

Zur Entwicklung der regionalen Molkerei-Auszahlungspreise

Den allgemeinen Tendenzen an den Märkten für Milchprodukte folgend leisteten die in Hessen, RLP und dem Saarland erfassenden Molkereien für  „Febr.-Milch 2020", nun mit Berücksichtigung der jeweiligen VLOG-Zuschläge der Molkereien, mehrheitlich unverändert tendierende Milch-Auszahlungspreise. 

Die aktuellen Milchauszahlungspreise der regional erfassenden Molkereien sind der beigefügten pdf-Datei zu entnehmen.

Den gesamten Artikel und Exkurse entnehmen Sie bitte dem Dokument im Anhang

f.d.R.   Reimund Möcklinghoff; Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, Ref. 25

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