Perspektiven für Kommunen und Landwirtschaft

Eine der gravierendsten Ursachen für den Rückgang der Biodiversität in Deutschland ist der zunehmende Flächenverbrauch durch die Versiegelung von Flächen und das Fehlen von Blühflächen in der freien Landschaft.

In der Verbandsgemeinde Wonnegau, deren Flächennutzungsplan sich gerade auf der Zielgeraden befindet, versucht man, bei diesem Thema neue Wege zu gehen. In einer Informationsveranstaltung am Donnerstag, 14. Februar 2019, in Gundersheim wird das Vorgehen erläutert.

Gerade in Rheinhessen ist die Nachfrage nach neuen Wohnbau- und Gewerbeflächen ungebremst, was mit großen Folgen für Landwirtschaft, Weinbau und Naturschutz verbunden ist. Die Kommunen konkretisieren ihren Bedarf an Bauflächen durch den Flächennutzungsplan, der durch die Verbandsgemeinde aufgestellt wird und für alle Ortsgemeinden verbindlich ist. Im Flächennutzungsplan müssen auch Lösungen aufgezeigt werden, wie die für die Baugebiete erforderlichen Ausgleichsflächen angelegt werden. Hier stößt man zum zweiten Mal auf einen Konflikt mit Landwirtschaft und Weinbau. Denn ein weiterer Entzug von Flächen, die aus der Produktion genommen werden müssen, um dort etwa Streuobstbäume anzulegen, ist gerade auf den fruchtbaren Böden in Rheinhessen bei Landwirten und Winzern nicht sehr beliebt. Außerdem hat die Vergangenheit gezeigt, dass viele angelegte Ausgleichsflächen und Streuobstflächen eher verwildern, als dass dort ein wertvoller naturschutzfachlicher Standort entstehen konnte.
In der Verbandsgemeinde Wonnegau versucht man nun, neue Wege zu gehen. Nach den gesetzlichen Vorgaben soll der naturschutzfachliche Ausgleich nur noch in enger Absprache mit der Landwirtschaft erfolgen. Dies haben die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz (LWK RLP) und VG-Bürgermeister Walter Wagner gerne aufgegriffen. Im Entwurf des neuen Flächennutzungsplans wird versucht, die Belange der Ortsgemeinde für neue Baugebiete mit den Verpflichtungen des Naturschutzes und den agrarstrukturellen Belangen in einem neuen Konzept zu verbinden.

Möglichkeiten zu wenig bekannt
Das Stichwort sind die „Produktionsintegrierten Kompensationsmaßnahmen (PIK)“. Hier verpflichten sich Landwirte und Winzer, Flächen in ihren Betrieben für Maßnahmen des Naturschutzes zur Verfügung zu stellen, auf denen die Kommune ihren Ausgleichsverpflichtungen nachkommen kann. Nach den gesetzlichen Vorgaben gibt es einen großen Spielraum für die Kommunen, solche Möglichkeiten der Kompensation umzusetzen. Leider sind sie viel zu wenig bekannt.
Daher laden die Verbandsgemeinde Wonnegau und die LWK RLP interessierte Rats- und Ausschussmitglieder, Bauern und Winzer sowie interessierte Bürger zu einer Informationsveranstaltung über die Möglichkeiten der Kompensation in der Bauleitplanung ein. Themen am 14. Februar um 18 im Sportheim Gundersheim, An der Bleiche 7, werden sein: „Information zum Stand der Flächennutzungsplanung“, VG-Bürgermeister Wagner, „Möglichkeiten des Bau- und Naturschutzrechtes bei der Kompensation“, Ralph Gockel, LWK RLP, „Die Arbeit der Stiftung Kulturlandschaft“, Dr. Thomas Rätz vom Gemeinde- und Städtebund und „Die Einschätzung eines Biotopbetreuers“, Diplom- Biologe Peter Breuer. Wie Landwirte produktionsintegrierte Maßnahmen umsetzen können, wird außerdem Andreas Breivogel, Landwirt und Winzer aus Ober-Flörsheim, darlegen. Die Moderation des Abends übernimmt Adolf Dahlem, Winzer und Landwirt aus Gundersheim.

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