Milchwirtschaft hat Zukunft - was kann man noch besser machen?

Der Fachausschuss Grünland der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz tagte in Mayen. Themenschwerpunkte: Grünlandumbruch und Folgen sowie Bodenverbesserung mit Kalk. Ausschussvorsitzender Göbel berichtete von seiner Russlandreise. Praktische Anschauung bei einem Betriebsbesuch in Katzwinkel.

25.10.2016 | Zu seiner Herbstsitzung kam der Fachausschuss Grünland der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz  im Tagungsraum der DLR-Dienststelle in Mayen zusammen. Themen waren der Umbruch von Grünland zur Erneuerung des Bestandes und den damit verbundenen Auswirkungen auf die Verlagerung von Stickstoff und der Ausdünstung von Lachgas Programm und die Frage nach neuen Erkenntnisse, Eigenschaften und Anwendungshinweise von Kalk zur Förderung der Bodenfruchtbarkeit. Ausschussvorsitzender Alfons Göbel berichteteüber den Besuch einer Abordnung mit 62 Fachleuten der DLG auf seinem Betrieb und über die Eindrücke einer Studienreise ins russische Tatarstan. Schließlich besuchten die Teilnehmer den Milchviehbetrieb Raif in Katzwinkel.

Alfons Göbel eröffnete die Sitzung und begrüßte die Mitglieder und Gäste., darunter Kammervizepräsident Heribert Metternich und Abteilungsleiiter Wilhelm Zimmerlin. Als Referenten stellte er Dr. Mathias Benke von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und Dr. Jerome Gennen von der Organisation Agra-Ost aus Belgien vor.

In Kooperation mit dem Thünen Institut, Braunschweig und der Universität Göttingen läuft auf den Versuchsflächen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen ein Versuch, der noch nicht abgeschlossen ist, so Dr. Benke. Ziel sei zu ermitteln, welche Auswirkungen der Umbruch von Grünland und die Erneuerung solcher Fläche auf Ertrag, Lachgasemissionen und Auswaschung von Nitrat haben. Dabei werden Versuche auf zwei Bodenarten durchgeführt: anmooriger Boden mit ca. 20 Prozent Humus und zum andern Sandboden mit 2 Prozent organische Bestanteilen. Die Maßnahme zur Erneuerung der Grasbestände erfolgt im September 2013, der Umbruch zu Mais im Frühjahr 2014 und 2015. Die unterschiedlichen Varianten bestanden aus Nachsaat, Direktsaat, Neuansaat und Mais. Das Grünland wurde viermal geschnitten. Nach der Bergung des Futters wurde jeweils mineralisch endsprechend der Erntemengen gedüngt. Als Ergebnisse zeichnet sich beim Lachgas ab: Auf beiden Standorten führten die Nach-, Direkt- und Neuansaat nicht zu höherer Ausgasung. Nach Zerstörung der Narbe bei Direkt- und Nachsaat wurde in den ersten 2 Monaten mehr Lachgas freigesetzt. Nach Umbruch des weniger humosen Standorts für den Maisanbau wurden im ersten Jahr vermehrte N2O Verluste gemessen. Im zweiten Jahr verminderten sich diese Werte auf weniger als ein Drittel.  Dr. Benke.“Diese Ergebnisse relativieren sich, wenn man bedenkt, dass auch die N-Düngung und Niederschläge zu erhöhten Emissionen führen.“

Wie nicht anders zu erwarten war, kam es nach dem Umbruch der Grünlandnarbe zu höheren Nitratwerten. Insbesondere die mechanische Bearbeitung und damit Durchlüftung des Bodengefüges sorgt bekanntlich für eine schnellere Mineralisierung der organischen Substanz. Auf dem Plaggenesch (Sandboden) kam es zu hohen Niratverlagerungen bei Umbruch im Herbst. „Dies kann aber fast vollständig verhindert werden wenn im Frühjahr für eine Neuansaat umgebrochen wird“, erläuterte der Referent. Allerdings geht damit der Ertrag vom 1. Schnitt zurück. Die Erträge selbst und die Energiedichte konnten durch die Neuansaaten kaum verbessert werden. Dies trifft vor allem für das erste Jahr zu. Besser schnitten die Maßnahmen im zweiten Jahr ab. Deshalb müsse gut überlegt werden, inwieweit sich Umbruch und Neuansaat überhaupt rechne.

Abschließend stellte Dr. Benke fest, dass Grünlanderneuerung weiterhin möglich sein sollte. Es sei auch aus ökologischer Sicht zu vertreten. Insbesondere aus wirtschaftlichen Überlegungen sollten solche Maßnahmen bei weitgehend intakten Grünlandbeständen eine Ausnahme bleiben; Nachsaat sei hier angebracht. Nur bei absolut entarteten Grünlandnarben rechne sich eine Erneuerung.

Dr. Gennen informierte über neueste Erkenntnisse zur Bedeutung des Kalkes für Boden, Lebenwesen und Pflanzenwachstum. Die Notwendigkeit regelmäßig mit Kalk zu düngen, sei vielen Landwirten nicht bewusst. Dabei sei doch bekannt, dass dem richtige pH-Wert entscheidende Bedeutung für die Fruchtbarkeit der Böden zukomme. Versauerung der Böden habe Nachteile für die Wirtschaftlichkeit der Produktion und belaste Umwelt. Der Bedarf an Kalk orientiere sich an der Bodenart, der Niederschlagsmenge und der Nutzung. Bei der Düngung haben die unterschiedlich eingesetzten Düngemittel Einfluss auf den Kalkhaushalt. „So verbraucht 1 kg Kalkammonsalpeter bei der Umsetzung dieselbe Menge an Kalk. Im Schnitt gehen  jährlich pro  Hektar 400 kg Kalk verloren. Neben dem Verbrauch von Kalk bei der Umsetzung der Düngemittel müsse auch der Zeitpunkt für die Düngung mit Gülle oder Gärresten beachtet werden. Unmittelbar nach der Kalkung entspricht eine solche Maßnahme nicht der guten fachlichen Praxis.  Dadurch werde nämlich der in diesen organischen Düngern vorhandene Stickstoff zumindest teilweise in die Luft „ausgetrieben“ und stehe damit der Pflanzenwurzel zur Aufnahme nicht mehr zur Verfügung. Bei der Kalkdüngung müsse das Ziel sein, dass im Boden ein neutraler Bereich um pH 7 erreicht werde. Nur dann könne sich das Bodenleben optimal entwickeln und entsprechend dazu beitragen, dass durch die Mineralisierung Nährstoffe für das Pflanzenwachstum bereit stehen. Die Versorgung der Boden mit Kalk ist überwiegend unbefriedigend. Fast die Hälfte der Wiesen und Weiden sei mit Kalk unterversorgt. Deshalb sei vielfach ein „Gesundungskalkung“ angesagt. Wolle man einen Lehmboden mit pH 4,5 auf den optimalen Wert 5,8 anheben, so seien 40 t CaO/ha erforderlich was einer Kalkmenge von ca. 80 t/ha entspreche. Um im Boden „Spitzen“ zu vermeiden sei es angebracht, diese Menge auf zwei Gaben zu verteilen. Die dabei entstehenden Kosten von ca. 500 €/ha seien eine gute Investition, da dadurch zum einen die ausgebrachten Düngemittel besser wirken und zum andern schädliche Stoffe, z.B. Schwermetalle nicht freigesetzt werden; Stoffe, die das Pflanzenwachstum hemmen. “Im Saldo rechne sich eine solche Maßnahme immer“, so Dr. Gennen.

In der Diskussion wurden die Zusammenhänge zwischen Kalkversorgung, Verfügbarkeit von Phosphor, Bodenstruktur, Befahrbarkeit der Böden und Wasserschutz angesprochen.  „Alle diese Bereiche werden durch einen weitgehend neutralen pH-Wert positiv beeinflusst, betonte Dr. Gennen abschließend. 

Die Ausschüsse für Grünland und Futterbau sowie für Futter- und Substratkonservierung der Deutschen-Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), besuchten kürzlich den Betrieb Alfons Göbel. Im Mittelpunkt standen dabei die Grünlandbestände. Göbel erläuterte den Besuchern seine Vorgehensweise bei seinem Grünlandmanagement. Schon die Arbeiten im Herbst beeinflussen das Wachstum und den Ertrag im Folgejahr. Deshalb sei es wichtig, dass die Narben nicht zu hoch, aber auch nicht zu niedrig in den Winter gingen. Optimal sei eine Höhe von sieben Zentimetern. Eine verhaltene Herbstdüngung mit Gülle sorge für die Bildung und Einlagerung von Reservestoffen, die auch eine gewisse Frostschutzwirkung mit sich brächten. Damit komme der Bestand auch bei längeren Frostperioden mit geringen Frostschäden durch den Winter. Die regelmäßige Nachsaat mit entsprechenden Gräsermischungen führen zu einer geschlossenen Grasnarbe. „Im Schnitt zählt man auf diesen Grünlandflächen 8.000 Gräserhalme auf einem Quadratmeter; damit liegt die Zahl um über der Hälfte höher als bei Durchschnittsbeständen“, betonte Göbel. Zu dieser Bestandsdichte trage natürlich auch die Nutzungshäufigkeit bei. Vier bis fünf Schnitte und damit wenig Beschattung der Grasnarbe, sorge für viele Seitendriebe an der Halmbasis und damit dichte Grasnarben. In diesem Jahr sei der erste Schnitt am 4. Mai erfolgt. Zwar konnten nicht die Massen geborgen werden, die Mitte oder Ende Mai möglich gewesen wären, aber die Klasse war beeindruckend. So ergaben die Futteranalysen beim ersten Schnitt 7,14 MJNEL an Energie, beste Voraussetzungen für höchste Grundfutterleistungen. Göbel: „Das Zuwarten bis mehr Gras steht wird oft  mit viel Masse belohnt, aber mit einer schlechten Futterqualität bestraft, weil sich auf unserem Standort ab dem 10. Mai oft unbeständiges Wetter und hohen Niederschlägen über mehrere Wochen einstellen; so auch in diesem Jahr“. Als dann die Witterung Mitte Juni beständiger wurde, konnte er den zweiten Schnitt mit hohem Ertrag und guter Qualität einfahren. Diejenigen, die nicht Anfang Mai geschnitten hatten, ernteten überständiges, verholztes Futter in minderer Qualität. Diese Wirtschaftsweise führt im Betrieb Göbel im Durchschnitt zu gut 110 dt/TM Erntegut jährlich.

In der Aussprache wurde wiederholt  angesprochen, wie man diese Ergebnisse auch für andere Betriebe erschließen könne. Göbel meinte hierzu, dass er schon seit Jahren den Betrieb für Schulklassen und überbetriebliche Ausbildungslehrgänge geöffnet habe. In Zusammenarbeit mit dem DLR Eifel würden regelmäßig Schüler, Auszubildende sowie Meisteranwärter im Bereich Grünlandwirtschaft durch ihn geschult. Ziel müsse sein, die Reserven im Grünland zu erschließen und zu nutzen.

Um die Landwirtschaft in Russland kennenzulernen reiste Alfons Göbel auf Einladung der DLG im Sommer als Fachreferent für Futterbau und Milchviehhaltung nach Russland, in die Republik Tatarstan nahe der Stadt Kasan. Anlass dieses Besuches waren die „Internationalen Feldtage an der Wolga“ mit einem reichhaltigen Ausstellungs- und Vortragsprogramm, an denen er auch zwei Vorträge hielt. Das kontinentale Klima in dieser Gegend bringt kalte Winter und heiße Sommer mit sich. Die Vegetationszeit beträgt nur 140 Tage. Allerdings liegen die Jahresniederschläge nur bei 450 l Wasser pro m². In diesem Jahr hatte es aber mehr geregnet als sonst. Deshalb waren in dieser sehr fruchtbaren Gegend gesunde und frohwüchsige Bestände anzutreffen, die gute Erträge erwarten ließen. „Beeindruckend waren die Schlaggrößen“, berichtete Göbel. Die meist 100 bis 120 ha großen Parzellen sind  quadratisch zugeschnitten, dort wo es die natürlichen Gegebenheiten ermöglichen. Die durchschnittliche Betriebsgröße liegt in dieser Region bei 1200 ha. Auf den internationalen Feldtagen wurden Maschinen und Geräte gezeigt, die für solche Felder konstruiert wurden. Überraschend war viel westliche Technik mit dabei. Zudem gab es etliche Fachvorträge, wobei Alfons Göbel als Grünlandexperte mitwirkte.  Auch konnten einen Milchviehbetrieb besichtigt werden. In den Stallungen werden 700 Kühe gehalten. Hinzu kommt noch die Nachzucht mit einer  Zahl von 1200 Tieren. Die Milchleistung der HF-Kühe liegt im Moment bei 6.644 kg im Jahr. Die Tiere sind sehr gut konditioniert. Pro Liter Milch erwirtschaftet der Betrieb einen Gewinn von 10 Cent. Der Betrieb verfügt über eine Gesamtfläche von 5000 ha mit Schlaggrößen von 120 ha. Alle Flächen sind eben und weisen beste Böden auf. Zur Grobfuttergewinnung stehen ca. 2000 ha zur Bewirtschaftung zur Verfügung, darin enthalten sind Anbaugemenge von Erbsen mit Hafer sowie Luzerne/Grasgemenge. Das Gras wird kaum angewelkt und auch nicht geschnitten in Fahrsilos einsiliert.

Der Berghof der Familie Reif in Katzwinkel wurde anschließend besichtigt. Die Mitglieder des Grünlandausschusses wurden von Manfred und Adelheid Reif und Sohn Sebastian sowie dem Vorsitzenden des Bauernverbandes Daun, Marco Weber begrüßt. In seinem Grußwort bedankte sich der Weber für den. „Sie können hier einen sehr gut geführten Betrieb besichtigen.“.

Als GbR wird der Betrieb als Familienbetrieb geführt. Landwirtschaftsmeister Sebastian ist nach seiner Meisterprüfung in den Betrieb eingestiegen. Sein Vater ist ebenfalls voll im Betrieb tätig, Mutter und Schwester arbeiten mit, soweit es die Arbeiten im Haushalt und im Studium zulassen. Über den Standort und die Feldwirtschaft informierte Sebastian Reif. Der Betrieb liege auf 530 m, die Jahresniederschläge lägen bei 800 mm und die Temperatur betrage im Schnitt ca. 7,5 °. Die Flächen sind überwiegend hügelig und der Grünlandanteil überwiege mit zwei Dritteln bei weitem. Es werden 160 ha bewirtschaftet.  Davon sind 70 ha Ackerland, wobei 20 ha zum Silomaisanbau und 50 ha als Getreidefläche genutzt werden. „Das erzeugte Grobfutter und die „höherwertigen“ Erzeugnisse des Ackerlandes werden überwiegend im Viehstall verfüttert“, betonte Sebastian. Bei der Erzeugung des Grundfutters werde höchster Wert auf die Qualität gelegt. Über die betriebliche Entwicklung informierte Manfred Reif. Als Teilaussiedlung wurde der Berghof 1984 gegründet. Nach dem der Dreireiher-Boxenlaufstall für 70 Kühe mit Nachzucht, Fahrsilos und Güllespeicher erstellt war, bemühte man sich, die Kapazitäten baldmöglichst voll auszunutzen. Durch konsequente Zucht verbesserte sich die Milchleistung laufend. Begrenzend wirkte die Milchquotenregelung. Doch durch Zukauf von Lieferrechten war es möglich, die erlaubte Milchmenge zu erhöhen. Nachdem die Produktion lief, konnte man auch den Schritt wagen, die Aussiedlung durch den Bau eines Wohnhauses auf der Hofstelle zu vollenden. Mit einem Stallneubau konnte der Bestand auf 110 Kühe aufgestockt werden. In diesem Jahr wird noch der neue Kälberstall fertiggestellt, damit die Nachzucht dem Tierwohl entsprechend optimale Aufzuchtbedingungen hat.

Zu Schluss der Tagung bedankte sich der Vorsitzende Göbel und die Ausschussmitglieder für die Möglichkeit des Besuchs auf dem Berghof und dem freundlichen Empfang durch die Familie Reif

Karl Riedesser, Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz

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