Austausch über etablierte und neue Sorten

Technischer Ausschuss veranstaltet Braugerstenrundfahrt 2017.

Der Fachausschuss für technische Fragen (TA) der Fördergemeinschaft Braugerste Rheinland-Pfalz e.V. besichtigte vor Kurzem die Bestände der im „Berliner Pro-gramm“ stehenden Sommergerstensorten Accordine und Laureate und der zum Vergleich herangezogenen Sorte Avalon, die unter Praxisbedingungen angebaut wurden.

Ziel war es, sich ein Bild über die aktuelle Situation der Bestände zu verschaffen und sich über die Ernteerwartungen und Marktsituation auszutauschen. Zu dieser alljährlichen Rundfahrt kommen von den Ackerbauern, dem Handel, den Mälzereien und den Brauereien entsandte Experten zusammen. Die neuen, zukunftsträchtigen Sorten jeweils eines Zulassungsjahrgangs werden einem Praxistest unterzogen, um anschließend über deren Empfehlung für die Verarbeitung  in Mälzerei und Brauerei anhand möglichst realer Daten entscheiden zu können. Bei der „Großen Braugerstenrundfahrt“ in der Vorwoche im Süden des Landes konnten die in der Entwicklung früheren Bestände von den Spezialisten beurteilt werden. Nun stand die Besichtigung der neuen Sorten in den Höhenlagen an. Spannend war vor allem der Vergleich der Entwicklung zwischen den frühen und den etwas späteren Gebieten. 

Bild über Menge und Qualität machen

Die Experten der Wertschöpfungsgemeinschaft trafen sich in der Raiffeisen BAG in Blankenrath auf dem Hunsrück. Der Vorsitzende Ökonomierat Heribert Metternich begrüßte die Fachleute und bedankte sich für die Teilnahme.

Auch in diesem Jahr sei das Wetter in den letzten Monaten nicht optimal gewesen, sagte er. Dem nassen Jahr 2016 folge nun wieder ein Jahr mit Niederschlägen, die unter dem langjährigen Mittel lägen. Insbesondere die Monate April und Mai seien zu trocken gewesen, um Spitzenbestände heranwachsen zu lassen. Die landesweiten Niederschläge Anfang Juni mit bis zu 40 Millimetern konnten nur noch einen Teil der Ernte retten. Die erste Hitzewelle mit Temperaturen von über 30 Grad Celsius setzte dem Getreide stark zu. Deshalb ging insbesondere die Wintergerste in die „Notreife“ über.  „Gerade in einem Jahr der Extreme ist eine solche Rundfahrt sehr wichtig, um sich ein aktuelles Bild zu verschaffen. „Nur dann können wir uns in der Wertschöpfungskette für diese Ernte ein realistisches Bild über die Menge und Qualität machen und uns entsprechend auf die Situation einstellen“, gab der Vorsitzende zu verstehen. 

Sommergerste Accordine angeschaut

Zunächst fuhren die Mitglieder des Technischen Ausschusses in die Gemarkung Liesenich zu einem Feld des Betriebs Josef Treins aus Forst mit der neuen Sommergerste Accordine.  Auf dem Schlag mit 14,5 Hektar stand als Vorfrucht Triticale und als Zwischenfrucht eine Gründüngung. Die Bodenbearbeitung erfolgte mit dem Pflug und der Kreiselegge. Nach erfolgter mineralischer und organischer Düngung mit insgesamt 90 Kilogramm Stickstoff, 65 Kilogramm Phosphor und 90 Kilogramm Kali erfolgte am 17. März die Aussaat. Am 10. Mai  wurde eine Pflanzenschutzmaßnahme mit einer Herbizidmischung zur Bekämpfung von nicht erwünschtem Beikraut durchgeführt. Zur Vorbeugung von Pilzerkrankungen wurde am 2. Juni noch ein Fungizid ausgebracht.

Der Bestand machte einen sehr guten Eindruck. Sowohl die Bestandesdichte als auch die Körner je Ähre waren im optimalen Bereich. „Am 1. Mai 6 Millimeter und an Pfingsten 20 Millimeter Niederschlag haben zu diesem vielversprechenden Bestand geführt“, betonte Ackerbauspezialist Treins. Jetzt noch Tage mit kühlen Nächten und nicht zu heißen Tagen bis zur Ernte würde dem Vollkornanteil und damit der Qualität gut tun. Er rechnet mit einem Ertrag von 50 bis 60 Dezitonnen pro Hektar. 

Sorte Avalon zum Vergleich

Jürgen Wilhelms aus Liesenich, der die Sorte Avalon als Vergleich zu den neuen Sorten anbaute, hatte einen Schlag mit 19 Hektar ausgewählt. Die natürliche Ertragskraft dieses Standorts  wurde mit 38 Bodenpunkten eingeordnet. Nach Winterweizen und Begrünung, die untergepflügt  wurde, erfolgte die  Aussaat am 28. März. Entsprechend der Ertragserwartung wurde vor der Saat mineralisch gedüngt mit 100 Kilogramm Stickstoff, 50 Kilogramm Phosphor und 50 Kilogramm Kali. Am 23. Mai erfolgte die Herbizidspritzung und am 7. Juni die Behandlung gegen pilzliche Krankheiten. Der Bestand zeigte sich in guter Verfassung. Bis auf einige Mulden und am Vorgewende war die Sommergerste sehr gleichmäßig entwickelt. Die Kornfüllungsphase war in vollem Gange. „Zum Glück hat es an Pfingsten in unserer  Region 30 bis 70 Millimeter geregnet. Wenn es nun nicht mehr zu Temperaturen über 30 Grad Celsius kommt, kann noch eine zumindest mittlere Ernte heranreifen“, so die Einschätzung von Wilhelms.

Als nächstes wurde ein Schlag mit knapp zwölf Hektar von Ralf Reichertz in Grenderich angefahren. Vor der Saat habe er gepflügt. Am 16. März sei das Feld mit der  neuen Sorte Laureate bestellt worden. Einen Tag zuvor habe er pro Hektar 99 Kilogramm Stickstoff als Kalkammonsalpeter, 68 Kilogramm Phosphor und ebenso viel Kali mineralisch gedüngt.  Zur Beseitigung von Gräsern und Kräutern, die um Licht und Nährstoffe konkurrieren, sei am 10. Mai ein Herbizid ausgebracht worden. Eine weitere Behandlung zur Vorbeugung pilzlicher Krankheiten erfolgte am 26. Mai. Auch seine Schläge hätten von den Niederschlägen profitieren können, die die Kollegen schon nannten. „Ich gehe davon aus, dass auch diese Sorte einen mindestens mehrjährigen gesunden Durchschnittsertrag bringt. Über die Qualität wie Vollgerste und Eiweißgehalt entscheidet die Witterung in den nächsten Wochen“, bemerkte Reichertz.  Wenn eine große länger anhaltender Hitze über 25 Grad Celsius ausbleibe, sei er sehr  zuversichtlich. 

Flächenzuwachs um 2.500 Hektar

Zurück in Blankenrath diskutierten die Teilnehmer Eindrücke und reflektierten sie mit den Markt- und Preisinformationen. Einig waren sich alle darüber, dass in den Höhenlagen eine bessere Braugerstenernte heranwächst, als in den Wärmelagen des Südens. Die bei der Landesbraugerstenrundfahrt in der vorherigen Woche angesehenen Sommergerstenschläge waren in ihrer Entwicklung zwei bis drei Wochen weiter als die in den späteren Lagen der Eifel, im Hunsrück und im Westerwald. Bei normaler Witterung bis zur Ernte könne noch einiges zuwachsen, was sich in Menge und Qualität zeigen dürfte, so die vielfache Meinung der Experten.

Die Vertreter der Mälzer und Brauer schätzten die Versorgung mit alter Ware bis zur Ernte als ausreichend ein; allerdings nicht so üppig wie ein Jahr zuvor, da die letztjährige Ernte doch in Gesundheit und Qualität unter der des Jahres 2015 lag und deshalb gute Qualitäten knapp waren.

Aus den Marktberichten der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz ist zu entnehmen, dass sich der Preisabstand zwischen der Futter- und der Braugerste vergrößert hat. „Bis vor Kurzem betrug die „Risiko-Prämie“ fast fünf Euro pro Dezitonne“, berichtete Karl Riedesser, Geschäftsführer der Fördergemeinschaft. Dies habe wohl dazu geführt, dass der weitere Rückgang bei der Anbaufläche gestoppt wurde. Das Statistische Landesamt meldete nämlich einen Zuwachs bei der Fläche von 33.700 Hektar um 2.500 Hektar auf 36.200 Hektar.    

Freier Handel in der EU befürwortet

Im Zusammenhang mit „Regionaler Produktion“ wurde der Importbedarf an Braugerste aus anderen EU-Mitgliedsländern angesprochen. Die in Deutschland erzeugten Mengen können den Bedarf der Mälzer nicht abdecken. Der freie Handel innerhalb der EU wurde von allen befürwortet. Allerdings forderten die Vertreter der Ackerbauern, dass dabei Gleiches für alle gelten müsse. Es könne nicht angehen, dass Länder, mit denen wir im Wettbewerb stünden, bestimmte Mittel einsetzen dürften und wir nicht. „Oft führen solche Hilfen zu geringeren Kosten“, so eine Stimme konkret.

ÖR Metternich sagte am Schluss: „Die Versorgung mit eigenem, in der Region angebautem Rohstoff wird sich dann verbessern, wenn der Preis stimmt“. Die Rohstofferzeuger werden dann mehr Getreide zur Bierherstellung anbauen, wenn sich diese Kultur besser rechnet, als die, die um die Ackerfläche konkurriert.

Er bedankte sich bei den Teilnehmern dafür, dass sie sich heute Zeit genommen haben; insbesondere aber für den interessanten Gedankenaustausch untereinander.

Ein besonderer Dank ging an den Hausherrn Reiner Gewehr für die Gastfreundschaft und die Verpflegung am heutigen Tage. Er wünschte allen gute Geschäfte und eine gute Heimfahrt. 

Karl Riedesser Landwirtschaftskammer, Fördergemeinschaft Braugerste Rheinland-Pfalz e.V.

Nach oben