Zu kalt und zu nass, aber gut für Getreide, Rüben und Wein

Nach dem Ende des meteorologischen Frühlings zieht die Landwirtschaftskammer Rheinland eine sehr unterschiedliche Bilanz für die landwirtschaftlichen Kulturen.

Während in den Bereichen, in denen die Feldbearbeitung traditionell früh im Jahr beginnt, und dort, wo die ersten Ernten des Jahres anstehen, sorgte die Witterung durchweg für Tristesse. In allen anderen Bereichen stellt man allenfalls Verzögerungen im Vegetationsverlauf fest und freut sich ansonsten über gutes Wachswetter vor allem im richtungsweisenden Monat Mai.

Der mit Frost und Schnee bis weit in den März andauernde Winter hatte den Start der Feldarbeit erheblich verzögert und für einen Stau bei der Aussaat des Sommergetreides gesorgt, das dann aber doch noch zeitig ausgebracht werden konnte. Das bereits im Herbst des vergangenen Jahres ausgesäte Wintergetreide kam unbeschadet durch die Frostperiode. Die Getreidebestände konnten sich unter der feucht-kühlen Witterung der letzten Wochen sehr gut entwickeln. Winterweizen, Winter- und Sommergerste (Braugerste) stehen mittlerweile prächtig da. Die Ernteprognosen werden wöchentlich nach oben fortgeschrieben. Durch die starken Niederschläge sind örtlich Bestände zu Boden gedrückt worden. Bodenwasser ist für die nächsten Wochen genügend vorhanden. Kommt nun die Wärme hinzu und bleibt das Land von Unwettern verschont, so ist eine gute bis sehr gute Getreideernte zu erwarten. Gleiches gilt für Zuckerrüben die ideale Anwachs- und Entwicklungsbedingungen hatten und bei denen bislang auf die sonst übliche künstliche Beregnung verzichtet werden konnte. Für den im April ausgesäten Mais war es bis Anfang Juni zu kalt; bei sommerlichen Bedingungen und mit reichlich Feuchtigkeit im Boden kann der Mais den Wachstumsrückstand aber schnell aufholen.

Bei Kartoffeln sorget das kalte und nasse Wetter für verspätete Pflanzung und verzögertes Wachstum. Die Nässe führte zur Verbreitung von Krankheiten im Boden und auf den Blättern. und ohne Sonne wurden die Knollen nicht dick und lagerten keine Stärke ein. Für Frühkartoffeln vermeldet der aktuelle Marktbericht der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz: Kleines Angebot Pfälzer Frühkartoffeln im Ab-Hof-Verkauf. Bei günstiger Witterung und nach Abtrocknen der Böden könnte erste Sackware für Großmärkte zum Wochenende oder zu Beginn nächster Woche verfügbar sein.

Ebenso trist fällt die Einschätzung der bisherigen Spargelernte in Rheinland-Pfalz aus. Niedrige Temperaturen und fehlende Sonn ließen die Sprossen im April überhaupt nicht und im Mai nur sehr zögerlich wachsen. Die Hoffnungen auf eine gute Schlussphase der Spargelernte fielen dann Ende Mai zunächst einmal sprichwörtlich ins Wasser; jedenfalls in den rheinnahen Anbaugebieten der Vorderpfalz und Rheinhessens. Starke Niederschläge und mit dem Rheinpegel ansteigendes Grundwasser erschwerten massiv die Ernte und schädigten örtlich noch nicht im Ertrag stehende Junganlagen. Zwar bessert sich die Lage insbesondere abseits des Flusses und im Hügelland, die eingetretenen Verluste sind aber nicht mehr einzuholen, auch wenn die Ernte in diesem Jahr ein paar Tage über den 24 Juni ausgedehnt wird. Bei Erdbeeren dagegen kann ein warmer, sonniger und trockener Juni nach schlechtem Erntestart noch für Versöhnung durch gute Erträge und gute Qualität sorgen.

Da beim Grünland der 1. Schnitt überwiegend bis Anfang Juni wetterbedingt nicht möglich war, wird zwangsläufig mindere Qualität mit geringen Energie- und Eiweißgehalten eingelagert. Die Folge ist, dass die Milchviehhalter solches Futter mit Getreide und Soja aufwerten müssen, um ihre Hochleistungskühe ausreichend mit Nährstoffen versorgen zu können. Daraus ergeben sich höhere Milcherzeugungskosten.

Insgesamt müssen infolge der heftigen Niederschläge im Mai verbreitet Einbußen in Kauf genommen werden. Große Regenmengen sorgten dafür, dass Böden das Wasser nicht mehr aufnehmen und Flächen infolgedessen nicht mehr befahren werden konnten. Dadurch wurden Pflanzungen von Salat und Gemüse, aber auch Düngung und Pflanzenschutz teils erheblich eingeschränkt. Dort, wo Hochwasser und Staunässe auftraten und längere Zeit anhielten, muss mit nachhaltiger Wurzelschädigung durch Fäulnis gerechnet werden.

Weitgehend unbeeindruckt vom Witterungsverlauf zeigen sich in diesem Jahr allein die Weinberge, die zwar eine verzögerte Entwicklung aufweisen, aber von einer Schädigung durch Frost oder Hagel verschont geblieben sind. Eine optimale Wasserversorgung und eine Stabilisierung der Wetterverhältnisse im Bereich der langjährigen Durchschnittswerte sind hier beste Voraussetzungen für einen guten Vegetationsverlauf.

Kammerpräsident

© DBT/Simone M. Neumann

Ökonomierat Norbert Schindler

Pressekontakt

Heiko Schmitt
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