Verzicht auf Pflanzenschutzmittel – was wären die Folgen?

In einigen Tagen erreichen wir wieder den höchsten Sonnenstand des Jahres. Danach werden die Tage wieder kürzer und die ersten Hälfte des Jahres ist wieder vorbei. In diesem Zeitraum hat es in vielen Regionen schon so viel oder mehr geregnet, als 2015 das ganze Jahr über.

Wie kommen unsere Ackerkulturen damit zurecht? Verfaulen die Bestände bevor sie geerntet werden können? Steht eine Missernte uns bevor? Haben wir trotzdem genügend zu essen und zu trinken? Dies sind die drängenden Fragen, die uns alle bewegen.

Der viele Regen innerhalb von wenigen Stunden hat zu örtlichen Überschwemmungen geführt. In den Mulden der Felder bildeten sich Seen. Die Kulturen dieser Flächen wurden stark in Mitleidenschaft gezogen. Teilweise erstickten die Pflanzen oder sie wurden von Schlamm zugedeckt. Dies führte bis zum Totalausfall.

 Allerdings ist der Anteil solcher Flächen an der Gesamtfläche mit unter 5 Prozent gering. Damit werden nur wenige Prozent weniger geerntet werden. Oft werden solche  Einbußen durch bessere Erträge auf den übrigen Flächen, die ja gut mit Wasser versorgt sind, ausgeglichen oder mehr als ausgeglichen.

Einen viel größeren Einfluss auf Erntemenge und Qualität des Getreides und der Früchte haben wiederholte Regenperioden und mittlere Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad. Dieses „Treibhausklima“ sorgt für üppige, dichte Bestände, die nur langsam abtrocknen. In einem  solches Klima fühlen sich alle Pilze und damit auch die Schadpilze wohl, die sich entsprechend vermehren können. Diese Pilze finden dann ideale Bedingungen, um sich auf allen grünen Teilen der Pflanze ausbreiten zu können. Würde der Ackerbauer diesem Treiben tatenlos zusehen, dann würde die Fläche, die die Sonnenenergie  in die Pflanze bringt, immer kleiner. Entsprechend könnte der Landwirt dann weniger oder gar nichts ernten. Solche „nassen Jahre“ waren in den vergangenen Jahrhunderten „Hungerjahre“, weil die Ernte auf den Feldern verfaulte. Eine solche Situation führte 1848 zu einer große Hungersnot in Mitteleuropa; tausende Menschen starben an Krankheit und Unterernährung.

 Zum Glück haben wir heute Pflanzenschutzmittel, die dies verhindern. Diese wirken ähnlich wir Arzneimittel bei Tier und Mensch. Zunächst wird der Schaderreger ermittelt. Danach das geeignete Mittel herausgesucht und mit der erforderlichen Dosis den kranken Pflanze verabreicht.

Voraussetzung für eine für die Ernährung der Bevölkerung ausreichende Ernte in Menge und Qualität sind möglichst gesunde Pflanzenbestände bis zur Erntereife. Die momentane Niederschlagshäufigkeit und die  –mengen führen zu nichtbefahrbaren Feldern und zu knappen Zeitfenstern, die eine erfolgreiche Behandlung oft nicht zulassen.

Gelingt die Gesunderhaltung der Pflanzen nur zum Teil, so sind Missernten zu erwarten. Zum einen führt die wegen Krankheit fehlende Blattfläche zu geringeren Erträgen und zum andern können die Schadpilze, die auf und im Erntegut verbleiben dazu führen, dass dieses nicht für den Verzehr geeignet ist.

Solche Jahre sorgen für eine Lebensmittelverknappung. Glücklicherweise können diese meist regionalen Ereignisse durch den internationalen Warenaustausch ausgeglichen werden. 

Karl Riedesser, Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz   

Kammerpräsident

© DBT/Simone M. Neumann

Ökonomierat Norbert Schindler

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