Sommerungen 2012 - welche Kultur lässt den höchsten Deckungsbeitrag erwarten?

Die Sortenempfehlungen der Landessortenversuche zu den Sommerungen sind veröffentlicht. Die Ackerbauern haben nun die Anbauplanung vorzunehmen, um dann entsprechendes Saatgut einzukaufen, damit rechtzeitig die Bestellung erfolgen kann. Es stellen sich folgende Fragen: Welche Bedeutung haben die Körnerfrüchte, die im Frühjahr gesät werden? Wie hat sich der Anbauumfang in den vergangenen Jahren entwickelt? Wie steht es um die Wirtschaftlichkeit der Früchte untereinander? Bei welcher Kultur wird der Einsatz von Fläche und Arbeit am besten verwertet.

Sommerungen zu Körnergewinnung

Die Ackerfläche in Rheinland-Pfalz umfasste zuletzt 401.600 ha. Die Fläche hat in den letzten zwei Jahren um 1,5 Prozent zugenommen. Grünland wurde umgebrochen, um diese Fläche nun als Ackerland nutzen zu können. Der Anbau von Ackerkulturen ist wirtschaftlicher, als die Grünlandnutzung.

Übersicht 1: Welchen Anteil an der Ackerfläche haben Sommerungen zur Körnergewinnung? (Die Tabelle finden Sie am Ende des Textes zum Download)

Von der zur Verfügung stehenden Ackerfläche werden etwa über 94.300 ha mit Sommerkulturen bestellt, die zu den Mähdruschfrüchten gehören. Damit stehen fast 25 Prozent solcher Früchte auf den Äckern.

Die größte Bedeutung hat immer noch die Sommergerste mit 44.400 ha oder gut 11 Prozent. Diesem Wert am nächsten kommt der Maisanbau mit 39.600 ha (9,9 Prozent). Auf den Silomais entfallen 30.700 ha und Körnermais wurden auf 8.900 ha geerntet. Mit 5.400 (1,3 Prozent) kommt dem Haferanbau noch eine gewisse Bedeutung zu. Die restlichen Früchte haben einen Anteil unter einem Prozent der Anbaufläche. Der Sommerweizen kommt auf 0,9 Prozentund die Erbsen erreichen 0,4 Prozent der Ackerfläche.

Anbauentwicklung

Im langjährigen Vergleich hat der Anbau von Mais stark zugenommen. Im Jahre 1991 lag der Flächenanteil bei 18.500 ha und 2011 wurden auf 39.600 ha Mais angebaut; Der Anbau hat sich mehr als verdoppelt. Im Vergleich zum Vorjahr sind nochmals 1.872 ha dazugekommen, wobei über 95 Prozent auf den Silomais entfallen. Körnermais wurde zuletzt 76 ha mehr angebaut und bei Silomais war eine Zunahme fast 1.800 ha zu verzeichnen. Allerdings hat sich der Anstieg zum Vorjahr verlangsamt.

Übersicht 2: Wie hat sich der Anbau von Sommerungen über die Jahre entwickelt? (Die Tabelle finden Sie am Ende des Textes zum Download)

Diese Entwicklung zeigt eindrucksvoll, dass der Anbau von Mais betriebswirtschaftlich gesehen interessanter geworden ist. Züchterischer Fortschritt bringen ertragreichere Sorten und damit mehr Biomasse und Energie vom Hektar. Dieses energiereiche und preisgünstige Futter ersetzt bei der Wiederkäuerfütterung einen Teil des Kraftfutters und wird zu Milch und Fleisch veredelt. Oder neuerdings wird daraus über die Biogasanlagen Strom und Wärme erzeugt.

Auch der Sommerweizenanbau hat sich innerhalb der letzten 20 Jahre fast verdoppelt. Ursache hierfür sind ebenfalls leistungsfähigere Sorten, die bessere Hektarerträge und besser Qualitäten bringen. Hinzu kommen produktionstechnische Fortschritte, wie beispielsweise eine frühe Aussaat. Im letzten Jahr ging der Anbau aber zu gunsten des Maises zurück.

Ebenfalls zulegen konnten die Erbsen und Ackerbohnen um fast 50 Prozent. Allerding beträgt die Anbaufläche lediglich 1.900 ha. Die Wirtschaftlichkeit dieser Eiweißfuttermittel hat insbesondere wegen steigernder Preise für Sojaschrot zugenommen.

Rückläufig ist der Anteil der stillgelegten Fläche. Waren es 1991 noch 22.301 ha so ging dieser Wert auf 9.700 ha zurück. Die Ausgleichszahlungen reichen immer weniger aus, um den entgangenen Gewinn durch die Stillegung auszugleichen. Bessere Preise für die Mähdruschfrüchte führen dazu, dass wieder mehr Ackerfläche bestellt wird.

Der Anbau von Sommergerste zu Malzherstellung hat sich in den zurückliegenden 20 Jahren mehr als halbiert (-54 Prozent). Jahrelang konnten die Landwirte am Markt nicht den Preis erzielen, der erforderlich war, um die Kosten zu decken. Die Fläche wurde stillgelegt oder den Kulturen zugeführt, die eine bessere Flächenverwertung ermöglichten. Die letztjährigen Zahlen lassen eine Trendwende erkennen. So wurden wieder 3.337 ha (8,13 Prozent) mehr Ackerland mit Sommergerste angesät als im Vorjahr.

Der Hafer als die Mähdruschfrucht, die zur Gesundheit des Bodens beiträgt, wird immer weniger angebaut. Die Nachfrage und damit der Preis gehen immer weiter zurück. Pflanzenschutzmittel ersetzen die guten Eigenschaften dieser Kultur hinsichtlich einer gesunden Fruchtfolge. Zu Futterzwecken wird Hafer fast nur noch von Pferdehaltern nachgefragt, die Pferde für Freizeitzwecke halten. Für die menschliche Ernährung hat dieses Nahrungsmittel ebenfalls eine immer geringere Bedeutung.

Deckungsbeiträge

Die Planungseinheit bezieht sich immer auf einen Hektar. Ausgehend für die Berechnungen sind bei den Erträgen die 5-jährigen Durchschnitte, um den Jahresschwankungen Rechnung zu tragen. Bei den Erlösen ist davon auszugehen, dass die durchschnittlichen Preise des Vorjahres erzielbar sind. Bei den wichtigsten Kulturen, beispielsweise Weizen, lassen sich diese Preise auch über die Warenterminbörse absichern. Der Handel bietet deshalb für die kommende Ernte Kontrakte zu Festpreisen an. Flächenprämien und andere flächenbezogene Ausgleichszahlungen werden bei den Berechnungen nicht berücksichtigt. Diese sind im Einzelfall betriebsbezogen den Ergebnissen hinzuzurechnen.

Übersicht 3: Welche Deckungsbeiträge können die Ackerbauern bei Sommermähdrusch-früchten erwarten? (Die Tabelle finden Sie am Ende des Textes zum Download)

 

Die mittleren Erträge liegen bei der Braugerste bei 4,7 Tonnen. Wird ein Erlös von 240 Euro/t erzielt, so beträgt die Marktleistung 1.128 Euro/ha. Saatgut wir für 80 Euro eingekauft. Die Düngemittel schlagen mit 205 Euro zu buche. Nach Abzug dieser direkten Kosten verbleibt eine kostenfreie Leistung von 763 Euro. Um gegen Ertragsausfäll wegen Unwetter vorzubeugen werden an die Hagelversicherung 26 Euro als Versicherungsprämie überwiesen. Die Kosten für Reparaturen, Treib- und Schmierstoffe, Maschinenhalle und Versicherungen der Technik betragen 130 Euro. Im Schnitt der Jahre werden für die Trocknung des Erntegutes 32 Euro ausgegeben. Die Summe der direkt zuteilbaren Kosten ergibt 668 Euro. Nach Abzug dieser Kosten vom Erlös bleiben 460 Euro als Deckungsbeitrag. Mit diesem Geldbetrag werden weitere Kosten, z.B. Pacht und Abschreibungen, beglichen.

Die meisten Biogasanlagen kaufen Silomais zu. Deshalb hat sich in den letzten Jahren hierfür ein Markt gebildet, der zu Marktpreisen führt. Der Hektar Silomais wurde im zurückliegenden Herbst für 1.000 bis 1.400 Euro frei Feld gehandelt. Bei durchschnittlichem Ertrag mit 50 t/ha und 33 Prozent Trockensubstanz wurde eine Marktleistung von 1.200 Euro pro Hektar erzielt; bezogen auf die Tonne bedeutet dies 24 Euro. Werden die Kosten für Saatgut (190 Euro), mineralischer Dünger (85 Euro) und Herbizide (65 Euro) abgezogen so bleiben 860 Euro. Zum Mineraldünger kommt noch der organische Dünger über die Rücklieferung der Gärreste hinzu, die bei den derzeitigen Mineraldüngerpreisen einen Wert von 460 Euro haben. Die weiteren variable Kosten betragen 310 Euro. Dabei sind für die Ausbringung der Gärreste 150 Euro angesetzt. Über die Rücklieferung lassen sich also netto 310 Euro einsparen. Als Deckungsbeitrag werden bei diesem Produktionsverfahren 650 Euro/ha erzielt.

Die Erlöse für Körnermais liegen mit 195 Euro/t knapp unter 200 Euro. Ohne Mehrwertsteuer sind dies etwas mehr als 175 Euro/t. Dem gehandelten Preis an der Warenterminbörse folgend wird sich dieser Erlös auch in diesem Jahr erzielen lassen. Von der Markleistung gehen 644 Euro für für Saatgut, Dünger und Herbizide weg. Die um diese Kosten bereinigte Leistung ergibt 1.306 Euro. Nach Berücksichtigung der variablen Kosten mit 1.470 Euro, wobei die hohen Kosten mit 470 Euro für die Trocknung des Erntegutes auffallen, wird ein Deckungsbeitrag von 480 Euro erzielt.

Wird der Hafer zu einer gesunden Fruchtfolge nicht benötigt, so wird er auch nicht angebaut. Der Deckungsbeitrag mit 275 Euro/ha liegt einfach zu niedrig im Wettbewerb um die knappe Fläche. Bekanntlich zeichnet sich dieser Kultur dadurch aus, dass sie sehr geringe Kosten bei Saatgut und Pflanzenschutz hat, mittlere bei der Düngung. Da die Kosten für die Bewirtschaftung ähnlich hoch sind, wie bei den anderen Getreidearten, bleibt vom Markterlös einfach zu wenig, um die weiteren Kosten zu bedienen.

Interessant erscheint in diesem Jahr der Anbau von Sommerweizen als Brotgetreide oder zur Nudelherstellung. Wegen den Qualitätsproblemen bei Weizen im letzten Jahr, hervorgerufen durch das unbeständige Wetter in der Ernte 2011, ist Weizen höchster Qualität Mangelware. Dem entsprechend wird ein solcher Weizen mit 230 Euro/t überdurchschnittlich gut bezahlt. Werden von der Marktleistung die direkten und variablen Kosten abgezogen, so werden 520 Euro als Deckungsbeitrag erwirtschaftet.

Um der bestehenden Unterversorgung an Eiweißfuttermittel in der EU entgegenzuwirken, wird der Anbau von Soja politisch befürwortet. Über Steuermittel geförderte Zuchtprogramme sollen ertragreiche Sorten hervorbringen, die auch auf Grenzstandorten bei Soja gute Erträge ermöglichen. Mittlerweile werden solche Sorten auf Körnermaisstandorten erfolgreich angebaut. Gestützt wird diese Entwicklung auch durch die erheblich gestiegenen Sojaschrotpreise. Die in diesem Jahr erzielbaren Erlöse mit 440 Euro/t und 2,8 t/ha Ertrag ergeben 1.232 Euro Marktleistung. Werden die direkt zuteilbaren Kosten abgezogen, so liegt der Deckungsbeitrag bei 485 Euro.

Leider können die Erbsen als weitere Kultur zur Stützung der Eiweißversorgung mit der Sojabohne nicht mithalten. Nach verrechnen der Kosten mit dem Erlös bleiben gerade mal 75 Euro an Deckungsbeitrag.

Flächen- und Arbeitsverwertung

Da die Fläche in den meisten Betrieben knapper als die Arbeit ist, wird nach dem erzielbaren Deckungsbeitrag pro Hektar die Kultur für den Anbau ausgewählt. Die Frucht mit dem höchsten Deckungsbeitrag wird in dem Umfange angebaut, soweit es eine gesunde Fruchtfolge zulässt. Taucht der Maiswurzelbohrer auf, so ist der jahrelange Anbau von Mais nach Mais nicht mehr möglich. Wird der Mais nur alle drei Jahre auf demselben Schlag angebaut, so wird dieser Schädling wieder verschwinden.

Aber es gibt auch Betriebe, bei denen die Arbeit knapp ist. Diese werden die Anbauentscheidung nach der höchsten Stundenverwertung treffen. Der Deckungsbeitrag pro Stunde ist hier entscheidend.

Übersicht 4: Wie wird die Fläche und Arbeit bei Sommermähdruchfrüchten in diesem Jahr verwertet? (Die Tabelle finden Sie am Ende des Textes zum Download)

 

In diesem Jahr ist die beste Flächenverwertung durch den Anbau von Silomais mit 550 Euro/ha Deckungbeitrag zu erreichen. An zweiter Stelle steht der Qualitätsweizen, der es auf 520 Euro/ha bringt. Der Sojaanbau folgt an dritter Stelle mit 485 Euro/ha. Fast auf denselben Deckungsbeitrag kommt der Körnermais, der mit 480 Euro/ha nur um 5 Euro schlechter abschneidet. Die Braugerste folgt auf dem nächsten Rang mit 460 Euro/ha. Würden 20 Euro/t mehr für Braugerste bezahlt, so wäre die Wettbewerbsgleichheit mit Weizen erreicht. Es bestätigt sich wieder, dass das auf und ab beim Anbau von Braugerste vom Preisabstand zum Weizen abhängt: wenn der Unterschied 40 Euro/t beträgt, so wird der Anbau ausgeweitet, liegt der Abstand unter dieser "Schmerzgrenze", so geht der Anbau in Richtung Weizen. Der Hafer mit 275 Euro/ha und die Erbsen mit 75 Euro/ha belegen die hinteren Plätze. Eine andere Reihenfolge ergibt sich bei der Arbeitsverwertung. Allerdings kann der Silomaisanbau auch bei diesem Entscheidungsmerkmal voll Punkten. Da die Ernte durch den Käufer erfolgt, sind für den Anbau nur 5 Stunden pro Hektar erforderlich. Mit 110 Euro Deckungsbeitrag bezogen auf die eingesetzte Stunde kommt dieses Produktionsverfahren auf die mit Abstand beste Arbeitsverwertung. Beim Sojaanbau sind es 81 Euro je Stunde, es folgt der Weizen mit 80 Euro. Braugerste liegt an nächster Stelle mit 71 Euro und hat damit eine bessere Stundenverwertung wie der Körnermais, der auf 69 Euro kommt.

Zusammenfassung:

Etwa 25 Prozent der Ackerfläche wird mit Mähdruschfrüchten bestellt, die im Erntejahr gesät werden. Der Anbauumfang dieser sogenannten Sommerungen verändert sich entsprechend der Erlös-Kosten-Situation. Wegen über Jahre nicht kostendeckender Erlöse bei Braugerste ging der Flächenanteil innerhalb der letzten 20 Jahre um über 50 Prozent zurück. Diese Fläche und ein großer Teil der vorübergehend stillgelegten Fläche wird heute überwiegend zur Ackerfuttergewinnung genutzt. Diese Biomasse wird über die Biogasanlagen zu Strom und Wärme veredelt. Auf dem Rest dieser Fläche werden Weizen und mehr und mehr Soja als Eiweißfuttermittel angebaut.

Diese Entwicklung wird auch in diesem Jahr anhalten. Die höchsten Deckungsbeiträge sind bei Silomais und Qualitätsweizen zu erzielen. Körnermais- und Sojaanbau bietet sich dort an, wo die natürlichen Standortvoraussetzungen für diese wärmeliebenden und wassersparenden Kulturen gegeben sind.

<media 93766>Hier finden Sie entsprechenden Übersichtstabellen</media>

Karl Riedesser, Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfal.

Kammerpräsident

© DBT/Simone M. Neumann

Ökonomierat Norbert Schindler

Pressekontakt

Heiko Schmitt
Tel.: 0671 793-1177
Email: heiko.schmitt(at)lwk-rlp.de 

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