Selbständiges Arbeiten motiviert Auszubildende

Die elfte Auflage des Wettbewerbs „Ausbildungsbetrieb des Jahres“ legte wieder den Fokus auf fachlich optimale Ausbildung, die Spaß macht. Diesmal standen die Ausbildungsberufe Winzer, Hauswirtschaft und Molkereiberufe im Mittelpunkt.

Der Wettbewerb wird von der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz gemeinsam mit den Landjugendverbänden Rheinland-Nassau und Rheinhessen-Pfalz sowie dem Landwirtschaftsministerium durchgeführt. Der Präsident der Landwirtschaftskammer, Ökonomierat Norbert Schindler, Ricarda Günther von der Landjugend RheinhessenPfalz und Maria Müller von der Landjugend Rheinland-Nassau besuchten die Siegerbetriebe, um die Schecks mit dem Preisgeld, die offizielle Urkunde und das Hausschild zu überreichen.

Erster Platz: Weingut Hubertus M. Apel in Nittel

Herzlichen Glückwunsch an das Weingut Hubertus M. Apel zum Gewinn des Wettbewerbes „Ausbildungsbetrieb des Jahres 2021“ in Rheinland-Pfalz! Neben einer Urkunde und einer Hausplakette der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz kann sich das Weingut Apel auch über ein Preisgeld von 500 Euro, gestiftet von den beiden Landjugendverbänden in Rheinland-Pfalz, der Landjugend RheinhessenPfalz und der Landjugend Rheinland-Nassau, freuen. Als Ehrengäste gratulierten Erste Kreisbeigeordnete Simone Thiel in Vertretung für Landrat Günther Schartz, VG-Bürgermeister Joachim Weber und Ortsbürgermeister Peter Leo Hein.

Das Weingut Apel wurde 1935 in dem kleinen Ort Nittel an der Mosel gegründet. Nunmehr wird es von den drei Brüdern Philip, Matthias und Johanes zusammen mit ihrem Vater Harald in Familientradition in der vierten Generation geführt. Jeder der drei Brüder ist Spezialist in seinem Sachgebiet: im Weinberg, in der Kellerwirtschaft sowie im Vertrieb und der Verwaltung. Abgerundet wird dieses Fachwissen durch die langjährigen Erfahrungen vom Senior. Das i-Tüpfelchen des Betriebes ist das eigene kleine Labor. Die Auszubildenden schätzen den modernen Betrieb mit neuester Technik zusammen mit dem breitgefächerten Fachwissen der Chefs. „Es ist nicht selbstverständlich, was der Betrieb bietet“, berichten die drei Auszubildenden und heben die Vielfältigkeit sowie die Professionalität des Betriebes hervor. Aber auch das Zwischenmenschliche komme nicht zu kurz. Die Auszubildenden bezeichnen das Miteinander als sehr familiär, wozu auch das tägliche gemeinsame Mittagsessen einen großen Beitrag leistet, bei dem es Zeit für private Gespräche gibt.

In der Ausbildung legt der Senior zusammen mit seinen Söhnen großen Wert darauf, dass die Azubis Selbständigkeit erlangen. „Learning by doing“ wird großgeschrieben. Durch den fachlichen Austausch während der Arbeit und den betriebsinternen Unterricht wird das praktische Lernen vervollständigt. Bei der Berichtsheftführung sind die Azubis aufgefordert, Arbeitsvorgänge zu hinterfragen sowie Vor- und Nachteile zu beleuchten. Dass Auszubildende lernen, Verantwortung zu übernehmen, wird bei der Familie Apel in Form von „Verantwortung abgeben“ praktiziert. So ist es Aufgabe des Winzernach-wuchses, den Gärverlauf zu kontrollieren. Darüber hinaus ist es Tradition im Weingut, dass die Azubis im dritten Ausbildungsjahr ihren eigenen Wein herstellen. Neben der Vermittlung von fachlichen Fähigkeiten und Kenntnissen ist es für den Ausbilder ebenso wichtig, dass Kompetenzen wie Höflichkeit, Respekt, Teamfähigkeit, Kommunikation und Empathie erlangt werden – Dinge, die für ein gutes Zusammenarbeiten ebenso von essenzieller Bedeutung sind.

Zweiter Platz: Weingut Ökonomierat Lind in Rohrbach (Pfalz)

Ebenfalls große Freude im Weingut Lind im pfälzischen Rohrbach: Landrat Dietmar Seefeldt, VG-Bürgermeisterin Hedi Braun und Beigeordneter Hans-Joachim Klor in Vertretung für Ortsbürgermeister Thomas Kienzler kamen zur Übergabe der Auszeichnung. Maria Müller und Ricarda Günther hatten den Scheck über 300 Euro Preisgeld dabei, während Reinhold Hörner als Vorstandsmitglied der Landwirtschaftskammer sowie Pfälzer Weinbaupräsident den Präsidenten der Landwirtschaftskammer vertrat.

Wenn eine Auszubildende ihren Betrieb auffordert, am Wettbewerb „Ausbildungsbetrieb des Jahres“ teilzunehmen, dann hat das seine Gründe. Im Weingut Lind gibt es davon gleich mehrere. Mit leuchtenden Augen berichten Auszubildende vom zwischenmenschlichen Umgang und der familiären Atmosphäre. Aber ebenso wird die gute fachliche Ausbildung im Betrieb hervorgehoben, die zusammen von Rüdiger Lind und seiner Tochter Elena durchführt wird. Mit der Kombination aus den Erfahrungen des Seniors und den neuen Kenntnissen aus dem Studium „Weinbau und Önologie“ der Tochter stehen den Auszubildenden zwei fachlich versierte Ausbilder zur Seite. Vater und Tochter macht es Spaß, jungen Menschen die Vielseitigkeit des Winzerberufes aufzuzeigen. Die Auszubildenden werden mit Beginn der Ausbildung in die Betriebsabläufe einbezogen. Mitdenken und kritisch hinterfragen sind Fähigkeiten, die im Betrieb von großer Bedeutung sind: „Durch Fragen und Denkanstöße wollen wir erreichen, dass sich unser Nachwuchs die Lösungen selbst erschließen kann und damit Selbstbewusstsein und Motivation gestärkt werden“, stärken, erklären Rüdiger und Elena Lind. Ergänzt wird die Ausbildung durch den betriebsinternen Unterricht.

Gut finden die Auszubildenden auch, dass auf die Berichtsheftführung großen Wert gelegt wird. Denn nur so lerne man, Arbeitsabläufe zu reflektieren und Zusammenhänge zu verstehen. Besonders betonen die Auszubildenden, dass individuell auf sie eingegangen wird. Rüdiger Lind beobachtet seine Auszubildenden, um sie da abzuholen, wo sie sind. Somit kann er auf die Stärken und Schwächen seiner Azubis eingehen. Da seine beiden Auszubildenden keinen weinbaulichen Hintergrund haben, muss er alles „von Null an“ erklären. Der Ausbilder erläutert, dass es sein Fehler sei, wenn bei den Azubis mal etwas schiefgelaufen ist: „Denn dann habe ich es nicht ausreichend erklärt!“ Eine Besonderheit im Weingut Lind ist die wöchentliche „Fett-weg-Runde“. Hier hat jeder die Möglichkeit, Kritik und Lob zu äußern - mit dem Ziel, die Kritik- und Konfliktfähigkeit zu stärken. Die ganzheitliche Ausbildung liegt Rüdiger Lind sehr am Herzen, damit die jungen Menschen ihre Persönlichkeit entwickeln und soziale Kompetenzen erlangen können.

Dritter Platz: Hochwald Foods GmbH in Thalfang

Die Übergabe der Auszeichnung konnte leider aufgrund der Betroffenheit des Unternehmens durch die Hochwasserkatastrophe noch nicht stattfinden, wird aber nachgeholt.

Glückwunsch an die Hochwald Foods GmbH zum dritten Platz im Wettbewerb "Ausbildungsbetrieb des Jahres" (200 Euro Preisgeld)! Milchwirtschaftliche*r Laborant*in und Milchtechnologe*in sind die beiden Grünen Berufe, die bei der Hochwald Foods GmbH ausgebildet werden. In der Molkerei hat die Ausbildung einen hohen Stellenwert. Direkt in der ersten Woche startet die Ausbildung mit einer Einführungswoche. Dort lernen sich die Auszubildenden aller drei Ausbildungsjahrgänge kennen. Man besichtigt den Betrieb, und Schulungen zu Themen wie Teamwork, Kommunikation und Präsentation werden durchgeführt. Die Auszubildenden durchlaufen in einem Dreimonatsrhythmus verschiedene Abteilungen. Insbesondere zwischen den beiden genannten Berufen besteht ein intensiver fachlicher Austausch. Die Auszubildenden heben hervor, dass sie überall eingebunden werden und ihnen Verantwortung übertragen wird. Sie schätzen den fachübergreifenden Austausch sowie die entspannte Atmosphäre im Betrieb. Eine große Besonderheit ist, dass sich die Auszubildenden für ein zweiwöchiges Praktikum in einem der deutschlandweit sieben Standorte nach eigener Wahl entscheiden können. Unterkunft und Fahrkosten werden vom Unternehmen übernommen.

Die beiden Ausbilder Stefan Merten und Andreas Endres legen sehr viel Wert auf die persönlichen Beurteilungs- und Feedbackgespräche, um Stärken und Schwächen herauszuarbeiten. Besteht Bedarf an Nachhilfe, wird dieser individuell in Form von „Azubi hilft Azubi“ bis hin zum Privatunterricht angepasst. Die Auszubildenden halten diese Gespräche für eine sehr gute Sache. Dadurch hat sich auch eine Vertrauensbasis zu ihren Ausbildern entwickelt. Eine weitere Besonderheit ist das jährliche Sozialprojekt, um die sozialen Kompetenzen der Auszubildenden zu fördern. So wurde beispielsweise mit Menschen mit Beeinträchtigungen Käse hergestellt. Betriebsausflüge und Grillfeiern mit allen Azubis, bei denen der Betrieb alle Kosten übernimmt, fördern den Zusammenhalt und die Identifikation mit dem Arbeitgeber. Die Auszubildenden betonen, dass die Hochwald Foods GmbH attraktive Weiterbildungsmöglichkeiten anbietet und eine hohe Übernahmequote garantiert. So wird einer der jetzigen Auszubildenden nach seiner Abschlussprüfung in diesem Sommer ein duales Studium im Bereich der Lebensmitteltechnologie bei der Hochwald Foods GmbH beginnen.


Kammerpräsident

© DBT/Simone M. Neumann

Ökonomierat Norbert Schindler

Pressekontakt

Heiko Schmitt
Tel.: 0671 793-177
Email: heiko.schmitt(at)lwk-rlp.de 

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