Schindler: Ist die Ausrichtung der Weinwerbung noch zeitgemäß?

Kammerpräsident hält angesichts anhaltend niedriger Fassweinpreise und schwindender Marktanteile eine Überprüfung der Werbekonzeptionen für notwendig.

"Der Marktanteil der deutschen Weine am Inlandskonsum ist in den letzten Jahren zuletzt auf deutlich unter 50 Prozent zurückgegangen (aktuell 45 Prozent). Die Fasspreise für deutschen Wein sind seit zwei Jahren rückläufig und bescheren vielen Winzern erhebliche Einkommensverluste.“ So beschreibt Ökonomierat Norbert Schindler MdB, Präsident der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, die aktuelle Situation im Weinbau. Angesicht dieser Entwicklungen wirft Präsident Schindler Fragen nach Möglichkeiten der Verbesserung der Bewerbung des deutschen Weines auf.

Werbung für den Wein und die solidarische Finanzierung hält Schindler für absolut notwendig und richtig, fragt aber, ob die derzeitige Ausrichtung der Weinwerbungen noch zeitgemäß ist. „Ist die Werbung in den letzten Jahren national und international zu stark auf wenige Betriebe konzentriert? Steht der Aufwand bei Präsentationen im Ausland mit nur wenigen Betrieben in einem angemessenen Verhältnis zum erzielten Mengenabsatz? Wird in der Kosten-Nutzen-Relation dabei ein wirtschaftlicher Erfolg erzielt? Wird dagegen der deutsche Absatzmarkt zu wenig beworben und zunehmend Marktanteile Importweinen widerstandslos überlassen? Werden das Wohlgefühl beim Weingenuss und das Wohlgefühl, das die Region als Heimat oder Urlaubsziel  vermittelt, bei der Präsentation in den Verkaufsregalen der Supermärkte ausreichend verbunden?“ Den letzten Aspekt betont Schindler, da rd. 60 Prozent des rheinland-pfälzischen Qualitätsweins über Kellereien und den Lebensmitteleinzelhandel vermarktet werden.

Auch Veranstaltungsförderung betrachtet der Kammerpräsident zwar als geboten, hält diese aber in den letzten Jahren für überdehnt. Die sei von Anfang an nur als Anschubfinanzierung gedacht gewesen. Schindler fordert jetzt neue Schwerpunktsetzungen, etwa im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit für Deutschen Wein sowie zielgerichtete Informationskampagnen. Im Vordergrund müssten dabei die Weinbaugebiete und die Bewerbung zu geschützten Ursprungsbezeichnungen stehen, und nicht ein "Klein Klein".

Nach Schindlers Auffassung laufen unkoordinierte regionale Alleingänge unabhängig von der gebietlichen Weinwerbung dem Chorgeist und damit dem gemeinsamen Erfolg zuwider. Die Slogans "Zum-Wohl-die-Pfalz" oder „Mosel - Faszination Wein" sowie die Fokussierung auf das Anbaugebiet hätten beispielhaft zu einer hervorragenden Imagebildung beigetragen, die aber durch mediale Alleingänge wie ein Schweizer Käse durchlöchert werden könnten.

Schindler hält es daher für notwendig, die Aufgabenverteilung zwischen Deutschem Weininstitut (DWI) und gebietlichen Weinwerbungen im Hinblick auf Optimierung zu überprüfen. Die von ihm aufgeworfenen Fragen nach Ausrichtung und Effizienz der Weinwerbung würden nach seiner Auffassung vom Gros der beitragszahlenden Betriebe zu Recht gestellt. Das Bundesverfassungsgericht habe die Rechtmäßigkeit der Werbeabgabe gerade damit begründet, dass daraus Maßnahmen zum Wohle Aller finanziert werden dürfen, die der einzelne Betrieb nicht leisten kann. In diesem Zusammenhang bedauert Schindler: "Leider wurde uns ein solches Instrument für die übrige Landwirtschaft mit dem CMA-Urteil aus der Hand geschlagen."

Die Werbeabgaben werden als Flächenbeiträge erhoben und liegen derzeit bei ca. 150 Euro/ha. Sie werden zwischen der nationalen Weinwerbung, DWI und den gebietlichen Weinwerbungen aufgeteilt.

Angesicht der schwierigen Situation am Weinmarkt sieht Schindler allerdings nicht nur die Notwendigkeit, Weinwerbung effizienter zu gestalten, er sieht auch das Land in der Pflicht, Sondermittel, wie in den vergangenen Jahren schon häufig geschehen, für bestimmte Werbemaßnahmen beizusteuern. Auch würden die von der EU hier angebotenen Potenziale nicht ausreichend genutzt. So müssten bereitgestellte EU-Fördermittel vollständig für zielgerichtete Informationskampagnen für die geschützten Ursprungsbezeichnungen der rheinland-pfälzischen Qualitätsweine abgerufen werden. Präsident Schindler sieht hier Berufsstand und Politik gefordert - "Neue Ideen und mutige Konzepte braucht das Land!"

Kammerpräsident

© DBT/Simone M. Neumann

Ökonomierat Norbert Schindler

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