"Rikki und die Kinderreporter in Rheinland-Pfalz"

Sehr geehrte Frau Dr. Schelberg,

für die rheinland-pfälzische Landwirtschaft fordere ich Sie auf, den Film "Rikki und die Kinderreporter" aus dem Medienangebot des Südwestrundfunks zu entfernen. Als Präsident der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz obliegt es mir, die Landwirtschaft und die in der Landwirtschaft Berufstätigen zu fördern und deren fachlichen Belange im Einklang mit den Interessen der Allgemeinheit zu vertreten.

Als Präsident der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz obliegt es mir, die Landwirtschaft und die in der Landwirtschaft Berufstätigen zu fördern und deren fachlichen Belange im Einklang mit den Interessen der Allgemeinheit zu vertreten. Aufmerksam gemacht auf den Film "Rikki und die Kinderreporter" wurde die Landwirtschaftskammer vom Landfrauenverband.

Wir haben uns den Film angesehen und konnten die dort dargestellten Inhalte kaum glauben.

Der Film zeichnet ein völlig falsches Bild von der rheinland-pfälzischen Landwirtschaft, insbesondere auch von der Tierhaltung. Der Film ruft Kinder zu Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung auf. Der Film "empfiehlt" Kindern, nicht auf ihre Eltern zu hören und mit fremden Menschen (dem Reporter) zu einem fremden Ort zu fahren. Die Filmhandlung verletzt die Persönlichkeits- und Bildrechte der Kinder und der Eltern und verstößt gegen die Datenschutzgrundverordnung.

In dem Film wird ein Pferdehalter dargestellt, der hinterhältig und bösartig seine Tiere quält, keine Ordnung auf dem Hof hält, und seine Arbeit nur widerwärtig verrichtet. Das diffamiert den gesamten bäuerlichen Berufsstand auf das Schändlichste.

Der Film fordert zum Rechtsbruch auf. Die eigenmächtige Befreiung der Tiere durch die Kinder wird als heldenhaft dargestellt. Die Kinder "lernen" in dem Film, dass sie bedenkenlos fremdes Eigentum betreten und Tiere "befreien" dürfen. Mit keinem Bild oder Ton wird auf die Gefährlichkeit des Tuns des kleinen Mädchens aufmerksam gemacht. Bei einer solchen "Tierbefreiung" bestehen erhebliche Gefahren für die Kinder, die Anwohner oder wandernde Personen. Sie wissen sicherlich, dass durch freilaufende Tiere schon Unfälle sogar mit tödlichem Ausgang passiert sind.

Der Film "empfiehlt" Kindern, nicht auf ihre Eltern zu hören, sondern eigenmächtig das Haus zu verlassen, Tiere freizulassen und mit fremden Personen zu fremden Orten mitzufahren. Das ist pädagogisch zweifelhaft und falsch, bringen wir doch Kindern gerade das Gegenteil bei, nämlich nicht mit fremden Personen mitzugehen und nicht in fremde Wagen einzusteigen.

Der Film verletzt die Persönlichkeitsrechte der Kinder, deren Eltern ja nicht in die Abbildung ihrer Kinder eingewilligt haben und die Handlung verstößt damit auch gegen die Datenschutzgrundverordnung. Auch hier müsste viel sensibler vorgegangen werden. Der Film diffamiert den landwirtschaftlichen Berufsstand: bösartiger Bauer, Tierquäler, bösartiger Mann und überzeichnet die "guten" Medien.

Ich kenne einen solchen Bauern nicht; die überwiegende Mehrzahl unserer Bauern, insbesondere auch unserer Tierhalter, achtet die Gesetze und hält ihre Tiere entsprechend. Viele arbeiten auch daran, die Haltungsbedingungen zu verbessern und sich um mehr Tierwohl zu bemühen.

Wie in jeder Branche gibt es sicherlich in der Landwirtschaft und bei der Tierhaltung auch "schwarze" Schafe. Die Branche unterscheidet sich insoweit nicht von anderen, auch nicht von den Medien und den dort handelnden Personen. Ich möchte in diesem Zusammenhang nur auf den Fall Claas Relotius hinweisen, ein Journalist, der Geschichten erfunden und Texte verfälscht hat.

Sind deshalb alle Journalisten so? Wo wird auch mal kritisches zu den Medien und zum Journalismus gesagt?

Genauso wenig wie eine pauschale Medienschelte nach Art  rechtsextremer politischer Akteure richtig und sinnvoll ist, so wenig ist auch eine pauschale Darstellung der Landwirtschaft als Tierquäler und bösartiger Bauer richtig. Die Ausgrenzung eines ganzen Berufsstandes erinnert mich an dunkle Zeiten in der deutschen Geschichte. 

Wir wollen eine transparente sachkundige Darstellung der Landwirtschaft in der Schule und in den Medien. Mit unseren Projekten "Lernort Bauernhof", "passgenaue Besetzung von Ausbildungsstellen in Landwirtschaft und Weinbau" und mit unserer Öffentlichkeitsarbeit wollen wir hierzu beitragen.

Tragen Sie und die Medien mit dazu bei, dass diese Bemühungen nicht durch solch schlechte Beiträge gestört oder gar zerstört werden.

Mit freundlichen Grüßen

Ökonomierat Norbert Schindler

Kammerpräsident

© DBT/Simone M. Neumann

Ökonomierat Norbert Schindler

Pressekontakt

Tel.: 0671 793-1177

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