Riesling aus dem ältesten Weinberg im Anbaugebiet

„Sollen wir ihn aushacken oder lassen wir ihn stehen?“ Das war die Frage, die Horst Peter Selt sich über Jahre immer wieder gestellt hat. Als er das Weingut in Leutesdorf von seinem Vater im Jahr 1979 übernahm, hatte er kurz zuvor einen Weinberg von einer Nachbarin gekauft und war nicht sicher, was er damit tun sollte. Gut, dass er auf seine Frau Maria-Theresia gehört hat. Denn der 1.000 Quadratmeter große Weinberg ist der älteste im Anbaugebiet Mittelrhein und damit eine absolute Besonderheit.

„Als ich den Weinberg in der ursprünglichen Lage „Im Schallmath“ übernommen habe, wusste ich nicht, wie alt er war. Doch die tollen Aromen des Rieslings, den wir darin ernteten, machten mich neugierig“, erzählt Selt. Da die Frau, von der er den Weinberg gekauft hatte, bereits gestorben war, fragte er deren Nichte, und die konnte sich genau erinnern: „Mein Opa ist 1874 geboren und hat den Wingert mit 18 Jahren angepflanzt.“ Da war klar: Es gibt ihn seit 1892, womit er der älteste seiner Art am Mittelrhein ist. Klein, aber oho könnte man die Erträge nennen. 200 bis 300 Liter ernten die Selts hier jedes Jahr. „Das ist nicht viel. Aber die Qualität ist traumhaft“, schwärmt Horst Peter Selt, der das Weingut in der 9. Generation führt. Im Jahr 1736 wurde es erstmals urkundliche erwähnt – weiter reichen die Kirchenbücher nicht zurück. Auch die Betriebsgebäude haben eine lange Geschichte. Familie Selt wohnt in einem 1547 erbauten Haus. Zum Kauf der Weine betreten die Kunden ein altes Gerichtsgebäude, errichtet im Jahr 1640. Die vor einem Jahr eröffnete Gutschänke befindet sich ebenfalls in dem historischen Gebäudekomplex, der komplett restauriert und denkmalgeschützt ist.

Die Natur unverfälscht in die Flasche bringen
Der 62-Jährige hat seine Leidenschaft zum Weinbau erst spät entdeckt. Zunächst arbeitete er in der Industrie, übernahm dann als Seiteneinsteiger das elterliche Weingut. Damals bewirtschaftete die Familie einen Hektar Rebfläche, heute sind es fünf – vor allem in Steillagen und damit fast ausschließlich in Handarbeit. Mit im Betrieb arbeiten seine Frau und zwei festangestellte Mitarbeiter. Zur Lese kommen dann einige Aushilfskräfte hinzu. 70 Prozent der angebauten Sorten fallen auf Riesling, darunter auch fast ein halber Hektar auf die rote Variante. „Die Bedingungen hier sind für Riesling ideal. Aber wir haben auch Weißburgunder, Kerner, Rivaner, Portugieser und Dornfelder im Repertoire.“ Bei allen Weinen versuchen die Selts, das was ihnen die Natur gibt, so unverfälscht wie möglich in die Flasche zu bringen. Es gehe zum Beispiel darum, die Eigenheiten der Böden, auf denen die Reben wachsen, herauszuarbeiten. Das scheint Peter Selt sehr gut zu gelingen. Bei der Landesprämierung für Wein und Sekt und anderen Wettbewerben schneiden seine Erzeugnisse immer sehr gut ab.

„Es ist komplett mein Produkt“
Nachdem die Leutesdorfer Weinlagen vor 13 Jahren unter dem Namen „Gartenlay“ zusammengefasst wurden, führte Horst Peter Selt für seine Produkte die Bezeichnungen Blauschiefer (Forstberg), Goldschiefer (Gartenlay) und Rosenschiefer (Rosenberg) ein, um weiterhin lagenspezifische Leutesdorfer Weine anbieten zu können. 13 verschiedene Weine, zwei Sekte und einen Secco bietet er aktuell an. Rund die Hälfte geht an die gehobene Gastronomie, die anderen 50 Prozent an Privatkunden. „Wir haben vor allem Stammkunden, da wir mitten im Ort liegen und sich wenige Touristen hierher verirren“, sagt Selt. Dabei lohnt es sich, in Leutesdorf vorbeizuschauen. Beispielsweise am Ostermontag, wenn beim „Emmaus-Gang“, einer Weinwallfahrt viele Weingüter geöffnet haben. Oder an Muttertag wenn das Weingut Selt zusammen mit den „Weinsteig-Winzern“ ein kulinarisches Weinerlebnis veranstaltet. Auch am Weinpicknick am 3. August in den Rheinanlagen sind die Selts mit von der Partie. Und am Winzerfest am zweiten Wochenende im September erwartet die Besucher im Weingut Selt ein mittelalterliches Weinfest. Selbstverständlich kann man auch die Gutsschänke besuchen oder eine Weinprobe buchen. „Wir freuen uns immer, unsere Weine präsentieren zu dürfen“, betont Horst Peter Selt.
Er bereut es übrigens nicht, die Weinbauschiene eingeschlagen zu haben – im Gegenteil. „Welchen Beruf gibt es denn noch, in dem man von vorne bis hinten alles in der Hand hat? Vom Reben pflanzen bis zum Verkauf an den Kunden – es ist komplett mein Produkt, hinter dem ich voll und ganz stehe.“ Man merkt Selt seine Leidenschaft an. Doch er denkt auch an die Zukunft. Auf die Frage, wo das Weingut in zehn Jahren stehen wird, antwortet er: „Ich hoffe, den Betrieb dann in gute Hände übergeben zu haben.“ Ob eines seiner beiden Kinder das Unternehmen dann führen wird, steht noch in den Sternen. Aber Horst Peter Selt hat sich ja auch spät entschieden und damit den richtigen Weg für sich gefunden.

Wer mehr über das Weingut und seine Erzeugnisse erfahren möchte, findet weitere Informationen auf der Internetseite www.weingut-mittelrhein.de

Kammerpräsident

© DBT/Simone M. Neumann

Ökonomierat Norbert Schindler

Pressekontakt

Nadja Winter
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