Landwirtschaftskammer legt neue Richtsatztabelle vor

Die von der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz jährlich nach der Ernte erstellten Richtsätze stellen für die Praxis eine wertvolle Hilfestellung zur Regulierung von kleineren Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen dar.

Nun liegt die überarbeitete Tabelle für 2012/2013 vor. Ob es sich um einen Wildschaden oder um einen sonstigen kleineren Schaden an einer landwirtschaftlichen Kultur (z.B. Bau- oder Vermessungsarbeiten) handelt, die Richtwerte sollen helfen, den Schaden sachgerecht, schnell und möglichst unbürokratisch zu berechnen und zu einer raschen Lösung beizutragen. Haben sowohl Schädiger als auch Geschädigter den Willen hierzu, sollte dies mit der Richtsatztabelle gelingen.

Neben den gängigsten Marktfrüchten finden sich in der Tabelle auch Richtwerte für Futterpflanzen und Dauergrünland. Die Tabellen sind so aufgebaut sind, dass jeder  einzelnen Kultur mehrere Ertragsstufen zugeordnet sind, so dass man sich den individuellen standort- bzw. kulturspezifischen Gegebenheiten anpassen kann. Bei Grünland sind Beispiele für die in der Praxis gängigsten Nutzungsformen dargestellt, differenziert nach erzielbaren Futterenergiehöhen, die sich u.a. aus Anbau-, Boden- und Witterungsverhältnissen sowie individueller Intensität der Nutzung ergeben. In der Tabelle können jeweils die Werte für den Aufwuchs abgelesen werden, die in Cent pro Quadratmeter angegeben sind.

Bei größeren Schäden (> 750 €), bei besonders komplexen Schadenskonstellationen oder in Streitfällen wird von der Landwirtschaftkammer empfohlen, sich zwecks individueller Schadensberechnung an einen öffentlich bestellten und vereidigten landwirtschaftlichen Sachverständigen zu wenden, der dann eine genaue Begutachtung und Bewertung vornehmen kann, bei denen er standort- sowie kulturspezifische und betriebliche Besonderheiten genauso berücksichtigen kann wie ggfls. schadensmindernde Umstände.

Bei in den letzten Jahren sich schneller und stärker als früher verändernden landwirtschaftlichen Märkten und größer werdenden Preisschwankungen wird es zunehmend schwieriger, die Preissituation in der Tabelle genau zu berücksichtigen, zumal die Richtsätze nur einmal im Jahr herausgegeben werden. Doch handelt es sich, wie in der Bezeichnung "Richtsätze" zum Ausdruck kommt, um Orientierungswerte und nicht um ständig aktualisierte, absolut zeitnahe Zahlen. Die in den Tabellen zu findenden Marktdaten stammen aus dem Erntezeitraum 2012. Wenn man dies bei der Anwendung der Tabelle entsprechend  berücksichtigt und im einzelnen Schadensfall ggfls. nach oben oder unten anpasst, sollten die Richtsätze in der landwirtschaftlichen Praxis und auch in der Verwaltung oder bei Versicherungen ein gutes und brauchbares Hilfsmittel sein, um zu unbürokratischen, schnellen und sachgerechten Einigungen vor Ort zu kommen.

In den letzten Wochen und Monaten hat es erhebliche Preisveränderungen gegeben. Vor allem bei den Marktfrüchten, begründet in der generellen Marktsituation, aber auch wegen wetterbedingter Besonderheiten. Die ermittelten Richtsätze liegen – zum Abschluss der Getreideernte 2012 – fast durchweg über denen des vergangenen Jahres.

 Es sei als ergänzende und vertiefende Lektüre sowie zur Versachlichung  und als neutrale Grundlage für Schadensabwicklungen an Fach-Broschüren der LWK erinnert:

Klassifikation und Bewertung von Schwarzwildschäden an Grünland (44 Seiten,10,-€)
Berechnungsgrundlagen – Schäden an landwirtschaftlichen und gärtnerischen Kulturen (2011 neu aufgelegt, 64 Seiten, 19,95 €)

In der ersten Broschüre wird das methodisch richtige Vorgehen bei der Bewertung von Schäden an Grünland dargelegt einschl. der am häufigsten vorkommenden Schadbilder (mit zahlreichen Abbildungen). Anhand von Beispielen, an denen deutlich wird, welche Schadenspositionen einem Geschädigten rechtlich zustehen, sollten sachkundige Personen in der Lage sein, ggfls. auch für den eigenen Schadensfall eine Schadensberechnung vorzunehmen. 

Die zweite Broschüre stellt neben einem rechtlichen und methodischen Kurzteil die meisten landwirtschaftlichen und gärtnerischen Kulturen mit ausdifferenzierten Tabellen  und entsprechenden Orientierungswerten (bei unterschiedlichen Preisen und Ertragshöhen) dar. In der Broschüre findet sich auch ein Abschnitt, der Dauerkulturen, insbesondere  Weinbau zum Gegenstand hat. 

Die Grünlandbroschüre kann sowohl als gedruckte Version bei der LWK angefordert oder im Internet heruntergeladen werden (bitte beachten, dass sie viele Farbbilder enthält, d.h. man benötigt einen Farbdrucker). Die zweite Broschüre kann entweder über die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz oder über den VLK in Berlin erworben werden.

Auch die neue Richtsatztabelle ist auf der Internetseite der Landwirtschaftskammer jedermann zugänglich. Dort findet sich darüber hinaus ein LINK nach Hessen, wo das Regierungspräsidium Kassel eine Richtsatztabelle für Kulturen von Ökobetrieben bereithält, die sicherlich auch in Rheinland-Pfalz Anwendung finden kann (die Tabelle wird immer erst im späten Herbst jeden Jahres aktualisiert).

Sollte eine der Fachbroschüren gewünscht werden, bei den Richtsätzen noch Fragen auftreten oder ein Sachverständiger benötigt werden, bitte bei der Kammer in Bad Kreuznach anrufen (0671 793-1124, -1129). Die Richtsätze, weitere fachliche Infos sowie  die Namen der von der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen finden Sie auch auf der Internetseite der Kammer unter www.lwk-rlp.de → Beratung → Sachverständigenwesen bzw. www.lwk-rlp.de   Landwirtschaft →  Wildschaden.

Kammerpräsident

© DBT/Simone M. Neumann

Ökonomierat Norbert Schindler

Pressekontakt

Heiko Schmitt
Tel.: 0671 793-1177
Email: heiko.schmitt(at)lwk-rlp.de 

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