Classic und Selection: Was ist daraus geworden?

Gut eine Dekade nach der gesetzlichen Einführung der Wein-Bezeichnungen "Classic" und "Selection" klingen die Zahlen der konkreten Marktentwicklung der damit bezeichneten Weine sehr viel nüchterner als die bei der Einführung formulierten Erwartungen.

"Die Bezeichnungen 'Classic' und 'Selection' sind das Ergebnis jahrelangen Bemühens der deutschen Weinwirtschaft, für inländische Weine Begriffe zu schaffen, die auf dem nationalen und internationalen Markt zu besserem Absatz gegenüber der Konkurrenz ausländischer Weine verhelfen." So führt der Weinrecht-Kommentar von Prof. Dr. Hans-Jörg Koch in die Beschreibung des Zwecks der spezifischen Regelungen ein. Weitere Ausführungen in diesem Werk erinnern an die Hoffnungen und Absichten, die dem zum Weinjahrgang  2000 in der Praxis durch bundes- und landesrechtliche Regelungen eingeführten Konzept zugrunde lagen.

"Ziel der Bestrebungen war, misslungene, von ähnlichen Überlegungen getragene (ebenfalls von der Weinwirtschaft initiierte) gesetzgeberische Konzepte (…) durch ein besseres zu ersetzen. Zugleich sollte anstelle einer Verknüpfung von Herkunft und Qualität (…) über eine allein verbindliche Klassifizierung des Rebgeländes zu verwirklichen, eine Aufwertung der Einzellage durch erhöhte Anforderungen an das bezeichnete Erzeugnis erreicht werden." Weiter heißt es u.a.: "Ob die so gewollte, nun gesetzlich eingekleidete 'bessere Positionierung der anspruchsvollen Mitte' gelingt, muss der Markt entscheiden."

Was ist nun auf dem Markt seit dem Jahr 2001, in dem erstmals Weine mit den gesetzlich geregelten Bezeichnungen "Classic" und "Selection" vermarktet wurden, geschehen? Die rheinland-pfälzische Weinwirtschaft stieg im Jahr 2001 mit knapp 30.000 hl "Classic" ein. (Abb. 1, s.u.).  Davon stammten 55 Prozent von Weingutsbetrieben, 32 Prozent von Kellereien und 13 Prozent von Winzergenossenschaften.  Die "Classic"-Menge stieg in den Folgejahren an auf eine Höchststand von 110.000 hl im Jahr 2007, ebenfalls wuchs der Anteil der Kellereiweine daran auf über die Hälfte. Seither nimmt die jährliche "Classic"-Menge aber kontinuierlich ab und lag 2012 mit 71.529 hl nur noch bei 1,44 Prozent der rheinland-pfälzischen Qualitätsweinmenge. Auch der Anteil der Kellereiweine ging zurück und lag im vergangenen Jahr bei noch 37 Prozent. Die Weingüter stellten 53 Prozent und die Winzergenossenschaften rund 10 Prozent der Menge.

Noch weniger befriedigend sieht die Entwicklung von "Selection" aus (Abb. 2, s.u.): Im Startjahr 2001 mit 148 hl beginnend, wurde bereits 2003 die Höchstmenge von knapp 1.900 hl erreicht. Seitdem ging die jährliche Menge an "Selection" fast stetig zurück und lag im vergangenen Jahr bei noch 353 hl. Die Anteile von Handel und Winzergenossenschaften blieben mengenmäßig unbedeutend. Mit "Selection" sollte ein Anteil von ca. 1 Prozent des deutschen Weinangebotes abgedeckt werden. In Rheinland-Pfalz macht die Selectionsmenge in den letzten Jahren nicht einmal 0,01 Prozent der Qualitätsweinmenge aus.

Dr. Markus Heil und Jürgen Wohlleben, Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz

Kammerpräsident

© DBT/Simone M. Neumann

Ökonomierat Norbert Schindler

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Heiko Schmitt
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